Süddeutsche Zeitung

Die Woche in Bayern:Finale im Freistaat, Peinlichkeiten im AfD-Wahlprogramm, unentschlossene Wähler

Lesezeit: 3 min

Was in der bayerischen Politik los war - ein Rückblick.

Von Katja Auer

Einmal schlafen noch, dann gilt es. Dann ist er da, der Wahlsonntag. Der Tag, an dem angeblich das schöne Bayern untergehen könnte. So zumindest suggeriert es die CSU, die recht wahrscheinlich ihre absolute Mehrheit und damit die Alleinherrschaft verlieren wird. Also holzen die Wahlkämpfer auf den letzten Metern noch einmal kräftig gegen die Grünen, die profitieren könnten und schon als neue Volkspartei tituliert werden.

So viele Prognosen und Umfragen gibt es zur Landtagswahl, so viele Hoffnungen und Ängste. Ob die CSU tatsächlich auf das schlechteste Ergebnis der vergangenen Jahrzehnte abstürzt und die SPD in die Bedeutungslosigkeit rutscht? Ob die Grünen zweitstärkste Kraft werden und die AfD zweistellig das Maximilianeum kapert? Ob die Freien Wähler bald mitregieren und die FDP vielleicht auch? Und ob die Linken was zu feiern haben?

Mehr als die Hälfte der Bayern weiß noch nicht, ob und wen sie am Sonntag überhaupt wählt, zumindest besagt das eine Umfrage. Die wiederum zur Folge hatte, dass die Kollegen von Sat1 Bayern, die diese in Auftrag gegeben hatten, die Sonntagsfrage gar nicht erst veröffentlichten, weil ihnen das Ergebnis zu fragil erschien. Als Wahlbeeinflussung per Umfrage könne das sonst verstanden werden.

Über den Wert und den Einfluss von solchen Erhebungen lässt sich trefflich streiten. Politiker glauben ja ohnehin nicht an Umfragen, das beteuern sie wenigstens umso heftiger, je schlechter eine solche ausfällt. Fest steht, dass die Demoskopen oft schon sauber danebenlagen. Fest steht außerdem, dass es kommt, wie es halt kommt.

Wir in der Bayernredaktion haben einen Wahltipp veranstaltet, wie man das sonst gerne bei der Fußballweltmeisterschaft macht. Alle Kollegen waren aufgerufen, ihre persönliche Wahlprognose abzugeben. Einen Preis haben wir nicht ausgelobt, aber wer dem Wahlergebnis am nächsten kommt, dem sind Ruhm und Ehre sicher. Unwägbarkeiten gilt es dabei freilich zu bedenken, wir wissen nicht, ob die Bayern aus Überzeugung wählen oder strategisch, aus Wut oder Sympathie oder weil die Sonne scheint.

Vielleicht denkt jemand an Franz Josef Strauß am Sonntagmorgen, wird nostalgisch und macht sein Kreuz doch wieder bei der CSU. Vielleicht bekommt ein anderer von einem FDP-Wahlkämpfer Semmeln vorbeigebracht und stimmt ob deren Wohlgeschmack für die Liberalen. Vielleicht übermannt jemanden das Mitgefühl, wenn er auf dem Weg ins Wahllokal an einem SPD-Plakat vorbeiläuft und er will mithelfen bei der Rettung der einstigen Volkspartei. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders.

Am Sonntagabend werden wir es wissen und am Montag werden wir dann weiteranalysieren, spekulieren und uns überlegen, wer nun mit wem koalieren könnte. Aber dazu dann nächste Woche.Genießen Sie das sonnige Wochenende und gehen Sie bitte am Sonntag zur Wahl.

WAS IST LOS IN BAYERN?

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WAS KOMMT?

Diese Konferenz hat alles, was wichtige Konferenzen brauchen: einen englischen Titel, einen globalen Anspruch, und ein Programm, das sich eindrucksvoll liest - bei dem man nach der Lektüre aber nicht so genau sagen kann, warum. Am Mittwoch, 17. Oktober, beginnt in Augsburg die 25. IAVE World Volunteer Conference, die Welt-Freiwilligenkonferenz. Zum ersten Mal findet das Treffen in Deutschland statt.

Die Teilnehmer, vor allem Führungskräfte aus Wirtschaft und Ehrenamt, werden drei Tage die aktuellen "Herausforderungen der Gesellschaft" debattieren und - so das Ziel - das "freiwillige Engagement" als Lösung der großen Probleme erkennen.Es gibt fünf Plenumssessionen, zwölf Podiumsdiskussionen, 32 Workshops und eine Rede von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller .

Rund 700 Besucher aus 70 Ländern werden erwartet. Die Teilnahme ist natürlich freiwillig (wenn auch nicht ganz billig: Ein Tagesticket kostet 130 Euro).

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