Süddeutsche Zeitung

Klimaschutz:Mehr als 150 Staaten sagen Treibhausgasen Kampf an

FKW-Gase ersetzen in Kühlschränken den Ozon-Killer FCKW. Nun soll auch ihr Einsatz beendet werden.

Ein Blick in einen strahlend blauen Himmel verband sich in den 1990er Jahren manchmal mit einem mulmigen Gefühl. Denn dort lauerte die unsichtbare Bedrohung eines immer größer werdenden Ozon-Lochs. Schon der Anblick von Kühlschränken und Sprüh-Deodorants machte deshalb ein schlechtes Gewissen. Sie enthielten jene FCKW-Gase, die dieses Ozon-Loch wachsen ließen.

Irgendwann gegen Ende der Neunziger war dieses schlechte Gewissen dann vergessen. Schon 1987 hatten sich fast 200 Staaten im Montréaler Protokoll auf ein allmähliches Verbot von FCKW geeinigt. In Deutschland durften ab 1995 keine Kühlschränke mehr hergestellt werden, die mit Fluorchlorkohlenwasserstoffen, kurz FCKW, betrieben wurden. Und siehe da: Das Ozon-Loch begann zu schrumpfen. Es war der sichtbare Beweis dafür, dass der Mensch dem Klimawandel gegenüber nicht machtlos ist. Man konnte den Lauf der Dinge umkehren, ein bisschen zumindest.

Ein ähnlich großer Erfolg gelang der Staatengemeinschaft nun - von der Öffentlichkeit fast unbemerkt - in Kigali. Vertreter von mehr als 150 Nationen haben sich unter Führung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in der ruandischen Hauptstadt auf ein Folgeabkommen zu Montréal geeinigt. Damit soll die Nutzung von Fluorkohlenwasserstoffen, also FKW, langfristig beendet werden.

Viele Unternehmen, gerade in Entwicklungsländern, haben FCKW nach seinem Verbot durch FKW ersetzt. Diese sind zwar nicht ozonschädigend - dafür tragen sie wesentlich zum Treibhauseffekt bei.

Dass es der Welt nun gelungen ist, sich auf ein Ende der Produktion zu einigen, wird von vielen als Erfolg bewertet. US-Außenminister John Kerry sieht darin einen "gewaltigen Schritt nach vorn". "Damit erhalten wir die Möglichkeit, die Erderwärmung um ein halbes Grad Celsius zu verringern", sagte Kerry in Kigali.

Der Prozess, auf den sich die Staaten nun geinigt haben, wird ein schrittweiser sein: 2019 sollen die ersten Staaten, unter ihnen auch die USA, mit den Maßnahmen beginnen. China und mehr als 100 Entwicklungsländer folgen dann 2024. Eine kleine Ländergruppe um Indien, Pakistan und einige der Golfstaaten handelte für sich einen späteren Start im Jahr 2028 aus.

Dass auch Länder wie Indien und China dem Abkommen zustimmen würden, galt keineswegs als sicher. Denn gerade dort, wo viele Menschen gerade zum ersten Mal Klimaanlagen und Kühlschränke kaufen, spielt das Gas eine wichtige Rolle für das Wirtschaftswachstum.

Kleine Inselstaaten hatten eine Abschaffung gefordert

Angestoßen worden war das Folgeabkommen von den großen Weltwirtschaften, die auch für einen Großteil der Treibhausemissionen verantwortlich sind. Die von Kerry angeführte US-Delegation und weitere westliche Länder hatten schnelle Maßnahmen gefordert. Gleiches galt für kleine Inselstaaten und viele afrikanischen Nationen - sie spüren die Auswirkungen des Klimawandels am stärksten.

Auch diese Staaten zeigten sich nun zufrieden: "Es mag nicht gänzlich das gewesen sein, was die Inseln wollten, aber es ist ein guter Deal", teilte ein Assistent des Präsidenten der Marshall-Inseln mit. "Wir alle wissen, dass wir weitergehen müssen, und wir werden weitergehen." Nach Angaben der Vereinten Nationen soll auf einem nächsten Treffen im kommenden Jahr geklärt werden, wie die Milliarden Dollar bereitgestellt werden sollen, um die Beschränkung des FKW zu finanzieren.

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