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Kanada:Ölsand-Boom verschmutzt die Luft

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Weltweit schlummern gigantische Mengen Ölsand im Boden - die Förderung boomt. Eine Studie kanadischer Forscher warnt nun vor bisher ungeahnten Folgen.

Der Abbau zähflüssiger Ölsande in Kanada hat nach Messungen von Forschern starke Auswirkungen auf die Atmosphäre und das Klima. Bei der Verarbeitung der Sande zu Öl werden enorme Mengen sogenannter Sekundärer Organischer Aerosole (SOA) freigesetzt, berichten kanadische Forscher im Fachblatt Nature. Diese Partikel sind in Feinstaub enthalten und beeinflussen die Luftqualität. Da manche SOAs Sonnenlicht absorbieren, werden zudem Auswirkungen auf die Temperatur der Atmosphäre vermutet.

Weltweit gibt es mit etwa neun Billionen Barrel enorme Mengen Ölsande, vor allem in Kanada werden die auch als Teersande bezeichneten Rohstoffe seit Jahrzehnten gefördert. Große Maschinen fördern das Gemisch aus Sand, Wasser und Tonerde, das mit zähflüssigem Öl überzogen ist, zutage. Mithilfe hoher Temperaturen trennen die Techniker das wertvolle Öl vom Rest.

Bei diesem Prozess verdampfe ein Teil des Chemikaliengemischs und reagiere in der Luft weiter, berichtet das Forscherteam um John Liggio von der Umweltforschungsabteilung der kanadischen Regierung. Die Wissenschaftler überflogen eine Ölsand-Lagerstätte in der Provinz Alberta mehrfach mit einem Spezialflugzeug und maßen dabei sehr hohe Feinstaubwerte.

Die Mine setze jeden Tag zwischen 45 und 84 Tonnen der Sekundären Aerosole frei, berichten die Umweltforscher in Nature. Damit seien die Ölsande eine der größten Quellen für diesen Typ Emissionen in Nordamerika. Die beobachtete Lagerstätte setze vergleichbare Mengen SOA frei wie Mexiko City oder andere Megastädte.

Die Studie zeige vor allem, dass der Einfluss der Ölsande wohl größer sei als gedacht, schreiben die Wissenschaftler. Das Problem sei zudem nicht auf Kanada beschränkt, da derzeit weitere Staaten wie Venezuela oder die USA den Abbau von Teersanden planen.

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