Süddeutsche Zeitung

Brandenburg:Erster Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland bestätigt

Die Krankheit ist hoch ansteckend für Haus- und Wildschweine und endet meist tödlich. Südkorea reagiert - und untersagt die Einfuhr von Schweinefleisch aus Deutschland.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat den ersten Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland bestätigt. Die Krankheit sei bei einem toten Wildschwein in Brandenburg in der Nähe der deutsch-polnischen Grenze gefunden worden. Das Friedrich-Loeffler-Institut, das als nationales Referenzlabor Verdachtsfälle abklärt, brachte den endgültigen Nachweis.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte zuvor einen amtlichen Verdachtsfall in Brandenburg bekannt gegeben. Ein Experte des Friedrich-Loeffler-Instituts sagte, es müsse nun geprüft werden, wie sehr sich die Schweinepest bereits in Deutschland ausgebreitet hat. Das gefundene Tier sei bereits stark verwest gewesen. Das infizierte Gebiet müsse schnell identifiziert und dann abgegrenzt werden.

Die Afrikanische Schweinepest ist hoch ansteckend für Haus- und Wildschweine und endet meist tödlich. Für Menschen hingegen ist die Tierseuche ungefährlich. Auch der Verzehr von kontaminiertem Fleisch sei ungefährlich, sagte Klöckner.

Bei Schweinezüchtern ist die Krankheit gefürchtet. Deutschland ist einer der größten Schweinefleisch-Exporteure Europas. Das Land verliert damit den Status "seuchenfrei". Nun können Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland drohen. China und andere asiatische Länder verhängen in der Regel Importverbote für Fleisch aus Regionen, in denen die Seuche festgestellt wurde.

Als erstes Land reagierte Südkorea am Donnerstag und untersagt ab sofort die Einfuhr von Schweinefleisch aus der Bundesrepublik. Das teilte das südkoreanische Landwirtschaftsministerium in Seoul mit. 2019 erlebte das Land selbst einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest mit mindestens 14 festgestellten Fällen.

Ein Überspringen der Tierseuche nach Deutschland wurde seit Längerem befürchtet. Seit Monaten kursiert sie auch im Westen Polens. Im März wurde im Nachbarland ein an der Schweinepest verendetes Wildschwein nur etwas mehr als zehn Kilometer vor der Grenze zu Deutschland entdeckt. Beim aktuellen Fall wird eine Verbindung zu einer nur 30 Kilometer entfernten Population in Westpolen vermutet. Klöckner sagte, Deutschland sei lange Zeit von der Krankheit verschont geblieben. Sie betonte: "Wir sind vorbereitet." Es griffen nun die Vorgaben der nationalen Schweinepestverordnung. Ihr Ministerium werde zudem einen Krisenstab einrichten und in betroffenen Gebieten und im Internet über die Tierseuche informieren.

Für das Krisenmanagement sind die örtlichen Behörden zuständig. Wird die Schweinepest bei einem Wildschwein festgestellt, wird nach Angaben des Bundesministeriums ein "gefährdeter Bezirk" festgelegt und eine Pufferzone eingerichtet. Hausschweine und Schweinefleisch dürfen dann aus diesen Gebieten - bis auf Ausnahmen - nicht herausgebracht werden. Es sei wichtig, ein Restriktionsgebiet zu definieren, damit nicht alle Tierhalter in ganz Deutschland wegen eines Fundes in einem Landkreis mit Einschränkungen leben müssten, sagte Klöckner.

Die Landwirtschaftsministerin gab einen Katalog von möglichen Maßnahmen bekannt, um die Ausbreitung der Seuche aufzuhalten. Dazu gehörten die Einschränkung des Personen- und Fahrzeugverkehrs innerhalb des betroffenen Gebietes und Absperrungen, sagte Klöckner. Außerdem gehe es um die Nutzung von Agrarflächen, die Suche nach verendeten Tieren und die Möglichkeit verstärkter Jagd durch Forstbeamte oder Berufsjäger. Klöckner sagte, die Afrikanische Schweinepest komme nicht nur auf vier Beinen, sondern häufig auch auf Rädern über die Landesgrenzen.

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