Süddeutsche Zeitung

Psychologie:Träum dich reich!

Gerade ist es wieder in Mode, sich Wohlstand, Ruhm und Erfolg vom Universum zu wünschen. Über die Nebenwirkungen eines seltsamen Trends.

Von Sebastian Herrmann

Das Universum, so ist auf Instagram zu erfahren, funktioniert genauso wie Google Maps. Es sei auch in kosmischen Angelegenheiten nichts weiter nötig, als ein Ziel einzugeben, sagt dort eine junge Frau, die ihren Followern die Geschichte vom schnellen Erfolg erzählt. Das Universum weise einem dann den Weg zu diesem Ziel, erzählt sie weiter, so ganz konkret, rechts, links, geradeaus. Eingegeben werde das Ziel, indem der Reisende sich etwas ganz doll feste wünscht und ganz doll feste daran glaubt, dass dieser Wunsch auch in Erfüllung geht. Ruhm, Reichtum, Schönheit, alles sei im Handumdrehen zu erreichen, lautet das Versprechen, das gerade in unzähligen Varianten durch das Universum der sozialen Netzwerke geistert.

Es sei nichts weiter nötig, als die Vision so zu spüren, als sei sie bereits in Erfüllung gegangen, sagt eine andere Erfolgspredigerin. Garniert werden diese Vorträge oft mit altbekannten Esoterikfloskeln: Von Schwingungen ist die Rede, von Frequenzen oder Energien, zudem von Intuition, Emotion und Gefühl. Der Trend fasst sich unter dem Begriff "Manifestieren" zusammen. Die Kernidee: fest wünschen, fest positiv denken und so tun, als sei der erwünschte Erfolg schon eingetreten, dann klappt es auch in der realen Welt. Im Grunde ist diese kosmische Wunschzettelnummer der 1000. Aufguss einer abgestandenen Idee, mit der zum Beispiel Rhonda Byrne 2006 das Buch "The Secret" befüllte, von dem sie weltweit mehr als 30 Millionen Exemplare verkauft hat.

Ein Ziel für sich selbst zu formulieren, ist auf jeden Fall eine gute Idee

Zumindest für die australische Autorin erfüllte sich der Traum vom Erfolg also. Wie aber sieht es mit dem kosmischen Wunsch-Fußvolk aus, denken die sich auch erfolgreich Geldbündel auf den Küchentisch? Natürlich nicht. Gerade haben australische Psychologen um Lucas Dixon eine Studie publiziert, die zeigt: Wer dem Glauben an die Kraft des Manifestierens anhängt, hat in seinem Leben mit höherer Wahrscheinlichkeit Rückschläge verdauen müssen. Diese Personen haben eher schon einmal einen Bankrott erlebt und neigen dazu, sich auf hochriskante Investitionen einzulassen. Im positiven Denken glänzten diese Gläubigen: Sie hielten sich im Schnitt für erfolgreicher, als sie waren. Kann man das auch Verblendung nennen?

Natürlich hilft es im Leben, Ziele zu formulieren und mit Optimismus zu verfolgen. Doch es bestehe nun mal ein Unterschied zwischen positivem und magischem Denken, betonen die Psychologen um Dixon. Und wer nur sitzt und hofft und wünscht und so tut als ob, der versäumt es, wirklich an seiner Vision zu arbeiten - das ist so banal wie offensichtlich. Trotzdem lassen sich die Menschen immer wieder von Geschichten über die kosmische Wunscherfüllungsmaschine verführen. Etwa ein Drittel der mehr als 1000 Probanden der Psychologen glaubte in unterschiedlichem Ausmaß an das Manifestieren.

Wenn es dann nicht klappt, ist es wie immer: Die Erfolgsgurus kippen die Schuld ihren Jüngern in den Schoß und erklären, diese hätten nicht fest genug geglaubt oder Fehler begangen. Vermutlich wird sich auch der Wunsch an das Universum nicht erfüllen, dass Quatsch wie dieser endlich verschwindet.

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