Süddeutsche Zeitung

Volkswagen:Vorstand verdient so viel wie nie

Volkswagen erwartet ein hartes Jahr 2009 und kündigt milliardenschwere Einsparungen an. Doch die Bezüge des Topmanagements sind im vergangenen Jahr massiv gestiegen.

Es gibt in diesen Tagen zwei ziemlich unterschiedliche Bilder, die außenstehende Betrachter vom Volkswagen-Konzern bekommen. Da ist einerseits die Sorge vor dem Abschwung, die auch Wolfsburg erreicht hat, da ist eine Kurzarbeitswoche im Februar und ein milliardenschweres Sparprogramm - und da sind andererseits Bezüge von Managern, die sich um mehrere hundert Prozent gesteigert haben.

Der Vorstand von Volkswagen hat im im abgelaufenen Jahr so viel verdient wie noch nie. Vor allem aufgrund ausgeübter Aktienoptionen stiegen die Einkünfte von Firmenchef Martin Winterkorn auf 12,7 Millionen Euro, im Vorjahr waren es noch 5,1 Millionen. Die Bezüge von Finanzchef Hans Dieter Pötsch erhöhten sich auf 9,5 (2,7) Millionen Euro. Beschaffungsvorstand Francisco Garcia Sanz verdiente 9,5 (2,9), Produktionsvorstand Jochem Heizmann 6,9 (2,6) und Personalvorstand Horst Neumann 6,8 (2,7) Millionen Euro.

Insgesamt erhielt die VW-Führungsriege dem Geschäftsbericht zufolge mit 45,4 (16,5) Millionen Euro knapp drei Mal so viel wie im Vorjahr. Davon entfielen 5,3 Millionen auf fixe Gehaltskomponenten. 12,5 Millionen entfielen auf - angesichts der Gewinnsteigerung hohe - variable Komponenten sowie 27,5 Millionen auf ausgeübte Aktienoptionen. Die Manager profitierten dabei von dem im Zuge des Porsche-Einstiegs auf nie gekannte Höhen gestiegenen VW-Aktienkurs. Sein Nettoergebnis hatte der Konzern im abgelaufenen Jahr um 14 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro gesteigert.

"Maßvoll und angemessen"

"Die Erhöhung der Bezüge war maßvoll und angemessen", sagte Personalvorstand Neumann. Mit ihren Bezügen lägen die VW-Vorstände im Vergleich zu anderen deutschen Unternehmen nicht an der Spitze, aber im oberen Drittel. Die Aufsichtsräte strichen insgesamt 4,6 (4,3) Millionen Euro ein, wobei Chefkontrolleur Ferdinand Piech 467.000 (437.500) Euro erhielt.

Doch Licht und Schatten liegen nahe beieinander - und so stellt sich Europas größter Autokonzern wegen der dramatischen Branchenkrise auf ein extremes und hartes Jahr ein. Wenn sich die Märkte erholt haben, will VW aber mit zahlreichen neuen Modellen durchstarten. Doch 2009 erwartet VW nach Rekordzahlen bei Ergebnis, Umsatz und Absatz im vergangenen Jahr Rückgänge, im ersten Quartal droht offenbar sogar der Sturz in die roten Zahlen. Vorstandschef Martin Winterkorn rechnet mit einem der "schwierigsten Jahre in der Unternehmensgeschichte".

Daher will das Unternehmen nun einen "Milliardenbetrag" einsparen. Der Konzern stelle sämtliche Kosten rigoros auf den Prüfstand, sagte Winterkorn. Die Investitionen sollten um zwei Milliarden Euro sinken. Zudem streicht der Konzern - wie angekündigt - alle noch verbliebenen 16.500 Leiharbeiter-Stellen weltweit. Die Stammbelegschaft soll gehalten werden, Werksschließungen soll es nicht geben. Personalvorstand Horst Neumann sagte, er rechne nach der Kurzarbeitswoche Ende Februar im zweiten Quartal nicht mit Kurzarbeit.

Absatzeinbruch befürchtet

Winterkorn sagte aber zugleich, VW wolle besser als der Gesamtmarkt abschneiden, Marktanteile dazugewinnen und zu den Gewinnern der Krise gehören. "Wir spielen weiterhin auf Angriff. Unser Ziel haben wir dabei fest im Blick: Die Spitze der Automobilindustrie." Größter Autobauer der Welt ist derzeit Toyota, VW ist nach dem schwer angeschlagenen US-Autobauer General Motors weltweit die Nummer drei.

Für das laufende Jahr rechnet VW allerdings konzernweit mit einem Absatzeinbruch von zehn Prozent. Im Januar und Februar sank die Zahl der Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf rund 809.000 Fahrzeuge. Damit schnitt Volkswagen aber besser ab als der Gesamtmarkt.

Dies liegt auch an der Abwrackprämie, die in Deutschland zu einem Ansturm auf die Autohäuser geführt habe. Gemessen an den Aufträgen sei der Februar für VW der mit Abstand beste Monat seit der Wiedervereinigung gewesen. Die Auslieferungen für die Marke Volkswagen Pkw stiegen um 20 Prozent. Der erfreulichen Entwicklung in Deutschland stünden allerdings unverändert dramatische Einbrüche in den USA, Japan und Europa gegenüber.

Konzentration in der Autobranche

2008 hatte der VW-Konzern das operative Ergebnis gegen den Branchentrend um 3,0 Prozent auf den Rekordwert von 6,3 Milliarden Euro gesteigert, wie VW bereits bekanntgegeben hatte. Unterm Strich blieb ein Gewinn von rund 4,7 Milliarden Euro - 13,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz erhöhte sich um 4,5 Prozent auf 113,8 Milliarden Euro.

Im nächsten Jahr rechnet Winterkorn mit einer Konzentration des weltweiten Automarkts. "Konsolidierung im Auto-Bereich ist heißes Thema in der heutigen Zeit", sagte der Konzernchef. Er rechne damit, dass je ein Hersteller aus Japan und China, zwei bis drei europäische Autobauer und ein amerikanischer übrig bleiben. Zunächst erwarte er vor allem in China einen "massiven" Konzentrationsprozess. "Es gibt dort heute 150 Automarken - das wird sich wohl halbieren."

Im Pkw-Bereich sieht Winterkorn Volkswagen nicht als Aufkäufer. "Wir haben doch alles", sagte er. Die skandinavischen Marken Volvo und Saab sehe er nicht als Partner, ergänzte er.

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