Süddeutsche Zeitung

Versicherungen:Allianz verabschiedet sich von der Kohle

  • Der Versicherer Allianz will sich aus großen Teilen seines Kohlegeschäfts zurückziehen.
  • Der Konzern versichert bislang viele Kohlekraftwerke und Abbauanlagen und steht dafür bei Umweltschützern in der Kritik.
  • Dem Unternehmen entgeht durch den Strategiewechsel nach eigenen Angaben ein zweistelliger Millionenbetrag.

Europas größter Versicherungskonzern Allianz verabschiedet sich von großen Teilen seines Kohlegeschäfts. Der Münchner Dax-Konzern werde ab sofort auf die Einzelversicherung von Kohlekraftwerken und Kohleabbau verzichten, sagte Vorstandschef Oliver Bäte der Deutschen Presse-Agentur. Außerdem wolle der Versicherer nicht mehr in Unternehmen investieren, die durch umfangreichen Zubau von Kohlekraftwerken das Ziel des Pariser Klimaabkommens gefährden. Nach Bätes Angaben wird der Strategiewechsel den Konzern einen größeren zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Energieversorger, die neben Kohle auch andere fossile Brennstoffe oder erneuerbare Energien zur Stromproduktion verwenden, will die Allianz aber vorerst weiter versichern. Bis zum Jahr 2040 will der Konzern dann komplett aus dem Kohlegeschäft aussteigen. Sein Unternehmen wolle ein "verantwortungsvoller Partner sein, der die Neugestaltung der Wirtschaft unterstützt", sagte Bäte.

Konzerne wie die Allianz stehen wegen der Versicherung und Finanzierung von schmutzigen Kraftwerken zunehmend in der Kritik. Mit der Kampagne "Unfriend Coal" (Kohle entfreunden) haben Greenpeace und andere Umwelt-Organisationen zuletzt speziell die Versicherungsbranche ins Visier genommen.

Mit dem Strategiewechsel könnte der Konzern versuchen, die Kritiker zu besänftigen. Am kommenden Mittwoch muss sich die Allianz bei der jährlichen Hauptversammlung den Fragen der Aktionäre stellen. Solche Veranstaltungen werden von Aktivisten regelmäßig für Kritik an der Konzernpolitik genutzt. Der Rückversicherer Münchner Rück wurde bei seiner Hauptversammlung im Februar von Umweltschützern für seine Investitionen in Kohle kritisiert.

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