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USA: Wirtschaftswachstum:"Wow, starke Zahlen"

Damit hatten die wenigsten gerechnet: Die US-Wirtschaft wächst so stark wie seit gut sechs Jahren nicht mehr. Die Experten sind aus dem Häuschen - und doch nicht voller Zuversicht.

Mit einem mächtigen Schlussspurt hat die US-Wirtschaft das Krisenjahr 2009 beendet. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im vierten Quartal mit - auf das Jahr hochgerechneten - 5,7 Prozent so kräftig wie seit Sommer 2003 nicht mehr.

Dennoch verzeichnete die Wirtschaft im Gesamtjahr mit 2,4 Prozent den stärksten Einbruch seit 1946. Für 2010 erwarten Experten wegen der hohen Arbeitslosigkeit und dem Auslaufen der Konjunkturprogramme eine holprige Erholung.

Dennoch: Der private Konsum befeuerte das Wachstum am Jahresende ebenso wie steigende Exporte und Investitionen der Unternehmen, wie das Handelsministerium am Freitag nach ersten Berechnungen mitteilte.

Dadurch erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt - also die Summe aller in den USA hergestellten waren und erbrachten Dienstleistungen - stärker als erwartet.

Die von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Analysten hatten lediglich eine Rate von 4,6 Prozent erwartet. Im dritten Quartal hatte es mit 2,2 Prozent das erste Wachstum nach einjähriger Unterbrechung gegeben.

"Das gibt uns Rückenwind"

"Wow, starke Zahlen", lobte der Chefanlagestratege der Harris Private Bank, Jack Albin. "Das ist sehr solide und gibt uns Rückenwind für die Zeit, in der wir nicht mehr auf die staatlichen Konjunkturhilfen bauen können."

In diesem Tempo werde es aber nicht weitergehen, sagte Postbank-Analystin Fabienne Riefer: "Zu Jahresbeginn dürften wieder kleinere Brötchen gebacken werden." Die Erholung bleibe holprig. Der Internationale Währungsfond (IWF) sagt für 2010 ein Wachstum von 2,7 Prozent voraus - für Deutschland dagegen nur 1,5 Prozent.

Die deutsche Wirtschaft war 2009 mit fünf Prozent mehr als doppelt so stark geschrumpft wie die amerikanische.

Gegen einen kräftigen Aufschwung spricht, dass deutlich mehr als die Hälfte des Wachstums im vierten Quartal auf einen statistischen Effekt beruhen: Die Unternehmen bauten ihre Lagerbestände nicht mehr so drastisch ab wie in den Vorquartalen. Das trug 3,4 Prozentpunkte zum Wachstum bei.

Hohe Arbeitslosigkeit

Zuletzt hatte sich der Konjunkturhimmel aufgeklart. Das Konsumklima erreichte im Januar den höchsten Wert seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise. Die Stimmung der Verbraucher gilt als zentraler Indikator für die Konsumausgaben, die etwa 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen.

Die US-Konjunktur steht und fällt deshalb mit der Arbeitslosigkeit. Die Finanzkrise hat seit ihrem Ausbruch Ende 2007 mehr als sieben Millionen Amerikaner den Job gekostet. Die Arbeitslosenquote stieg auf den höchsten Stand seit Anfang der achtziger Jahren. Zuletzt hatte sich die Lage überraschend eingetrübt.

Auch der Häusermarkt steckt weiter tief in der Krise. Die Preise für Wohnimmobilien in ausgewählten US-Ballungsgebieten sind zuletzt unerwartet gefallen. Das Platzen der Blase am US-Wohnimmobilienmarkt gilt als wichtigster Auslöser der weltweiten Finanzkrise.

Die Notenbank Fed hatte im Kampf gegen die Rezession die Leitzinsen nahe Null gesenkt und riesige Summen in die Wirtschaft gepumpt. Fed-Vize Donald Kohn deutete angesichts des einsetzenden Aufschwungs seine grundsätzliche Bereitschaft zu Zinserhöhungen an. "Wenn die Erholung an Kraft gewinnen sollte, wird es zu einem gewissen Zeitpunkt angemessen sein, die Zinsen anzuheben", sagte der stellvertretende Notenbankchef.

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