Süddeutsche Zeitung

Schokolade:Eine Prise Glückshormone

Den stimmungsaufhellenden Effekt von Schokolade spüren, ohne sie zu essen? Gründer Fabian List glaubt: riechen reicht.

Von Marie Steffens

Es klingt nach einem einfachen Rezept: einen Balsam unter die Nase schmieren, fünfmal tief einatmen, und schon ist es so, als ob man Schokolade gegessen hätte: Glückshormone werden ausgestoßen, alle Sorgen verfliegen - und das ohne Kalorien zu sich zu nehmen. "Riech dich glücklich" - das ist der Slogan des Start-ups Yabbaduu, das verspricht, mit seinem Balm im Tiegel das samtige Gefühl auf der Zunge und die Zufriedenheit nach dem Schokoladengenuss kreieren zu können. Die Idee kommt von Fabian List, 28, der zusammen mit seinem Bruder Timm-Lukas, 31, Yabbaduu gegründet hat.

Eigentlich ist List Unternehmensberater, neben seinem Vollzeitjob hat er aber schon lange eine andere Leidenschaft: Biohacking. Hierbei werden mithilfe von Biologie und moderner Technologie die Schwachstellen des menschlichen Körpers identifiziert und optimiert. Was in den USA schon seit vielen Jahren ein Trend ist, hat in Deutschland bisher nur wenig Bekanntheit erreicht. Perfekt für ein Start-up, habe er sich gedacht, erzählt List.

"Während einer Recherche bin ich dann auf die Kakaobohne gestoßen. Ihr Duft soll wissenschaftlichen Studien zufolge das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren, welches dann Dopamin und Endorphine ausschüttet", sagt er. Diesen Duft wollte er dann mit dem entspannenden Effekt von Mönchspfeffer kombinieren. Dieser wird schon länger in der Medizin zum natürlichen Ausgleich des Hormonhaushalts und zur Stressreduzierung verwendet.

Nach einer längeren Labortestphase entstand schließlich ein Balm aus einer Kombination der beiden Wirkstoffe. Yabbaduu trage laut Fabian List allein durch sein Einatmen zu einem vermehrten Glücksgefühl bei. "Wissenschaftler haben jüngst in Studien nachgewiesen, dass das Aroma von Schokolade das Gehirn entspannt und gleichzeitig auch geistig wach hält", heißt es auf der Webseite. 15 Euro kostet ein Tiegel Schoko-Geruch dort. Mitte Juli soll es die Riech-Schokolade dann auch bei der Parfümerie-Kette Douglas geben.

Erst Schokolade riechen, dann meditieren

Riechen, aber nicht konsumieren - was etwas unbefriedigend klingt, scheint jedoch zumindest unter Gründern immer beliebter zu werden und fügt sich in den Trend der Leistungsoptimierung. Das Start-up Air up stellt beispielsweise Trinkflaschen mit Ringen her, die simulieren, dass Getränke mit Geschmack konsumiert werden, obwohl nur normales Wasser getrunken wird. So können zucker- und kalorienreiche Lebensmittel ersetzt werden, ohne dass man auf ihren Geschmack verzichten muss.

"Ein schöner Nebeneffekt", findet Fabian List, "aber nicht das, was wir primär erreichen wollen". Seine Stiefschwester habe ihm zwar erzählt, dass sie nach dem Benutzen des Balms keinen Appetit mehr auf Schokolade hatte. Der Balsam soll aber kein Diätprodukt sein. "Der Diätmarkt ist uns viel zu groß, und wir stehen auch nicht hundertprozentig hinter Diäten und Schlankheitsprodukten", sagt List. Bei Yabbadduu gehe es um etwas anderes: "Wir wollen vor allem Glückshormone und die Achtsamkeit für den eigenen Körper fördern", sagt er. Deshalb empfiehlt er den Balm beispielsweise auch bei Meditationen zu verwenden. "Man soll die positiven Effekte von Schokolade auch spüren können, ohne sie zu essen. Eine Dose Yabbaduu entspricht 200 Tafeln Schokolade und reicht für insgesamt vier Wochen pures Glück", sagt List. Das hieße aber nicht, dass man Schokolade nicht auch verzehren dürfe. "Yabbaduu ist für alle Schokoliebhaber da", findet er.

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