Süddeutsche Zeitung

Schmiergeld-Ermittlungen in Griechenland:Druck auf deutsche Rüstungsfirmen steigt

Drei Rüstungsfirmen aus Deutschland sollen für Aufträge aus Athen bestochen haben. Die Unternehmen dementieren. Doch jetzt haben geständige Mittelsmänner in Griechenland Namen genannt - von sechs deutschen Geschäftsleuten.

Von Klaus Ott, München, und Tasos Telloglou, Athen

Die Verhöre in Athen dauern mal ein paar Stunden, mal einen Tag, mal gleich mehrere Tage. Das Ergebnis ist immer dasselbe: Die Beschuldigten packen aus. Inzwischen liegen drei Geständnisse von ehemaligen Rüstungseinkäufern und Mittelsmännern in Griechenland zu mutmaßlichen Schmiergelddeals mit deutschen Firmen vor.

Und erstmals auch die Namen von deutschen Geschäftsleuten, die darin verwickelt sein sollen. Sechs Namen sind es, die in den Ermittlungsakten stehen. Die SZ, der diese Namen bekannt sind, wird sie im derzeitigen Ermittlungsstadium aber noch nicht nennen.

Betroffen sind die Firmen Atlas, Rheinmetall und Wegmann, eines der beiden Vorgängerunternehmen von Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Es geht um drei Geschäfte: Die Modernisierung von U-Booten der Klasse Poseidon, die vor Jahrzehnten aus Deutschland nach Athen verkauft worden waren; die Lieferung des Flugabwehrsystems Asrad durch Rheinmetall sowie die des Artilleriesystems PzH 2000 durch Wegmann.

Womöglich gedrängt, zumindest gewusst

Die sechs namentlich genannten deutschen Geschäftsleute sollen auf Schmiergeldzahlungen bei diesen Rüstungsdeals gedrängt oder zumindest davon gewusst haben. Einige von ihnen sollen sogar persönlich daran verdient haben, durch sogenannte Kick-Backs.

Mit der Namensnennung der mutmaßlichen Beteiligten steigt der Druck auf die deutschen Firmen. Allen voran auf die Rheinmetall AG, die beteuert, man habe keine unzulässigen Zahlungen veranlasst. Entsprechende Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Deutlich anders äußert sich die Atlas Elektronik aus Bremen: Man kooperiere "vollumfänglich" mit den Behörden und untersuche die Vorwürfe auch selbst. Danach werde man über weitere Schritte entscheiden.

Atlas gehört der Thyssen-Krupp AG und EADS, die das in Bremen ansässige Rüstungsunternehmen 2006 übernommen und anschließend auf Altlasten gestoßen waren. Auf mutmaßliche Schmiergeldvorgänge. 18 Millionen Euro wurden über vermutliche Briefkastenfirmen und andere Gesellschaften nach Griechenland geleitet. Der Verdacht: Bestechung von Amtsträgern in Athen bei der Poseidon-Modernisierung und bei der Lieferung von Asrad.

Atlas hatte bis 2003 Rheinmetall und dem dem britischen Rüstungskonzern BAE gehört. Geschäftsbereiche: Heeres- und Marinetechnik. Die Heerestechnik (mit dem Luftabwehrsystem Asrad) ging 2003 in die Rheinmetall Defence Electronics über, die Marinetechnik (mit U-Boot-Ausrüstung) verblieb bei Atlas, das 2006 von BAE an EADS und Thyssen-Krupp verkauft wurde.

Griechischer Mittelsmann legt Geständnis ab

Mittelsmann für Atlas und Rheinmetall Defence Ecletronics in Griechenland war der Ex-Militär Panos Efstathiou. Bei der Rheinmetall Defence Electronics hatte Efstathiou mit seinen Firmen bis 2009 einen umfassenden Beratervertrag. Jetzt gestand Efstathiou, den damaligen Rüstungseinkäufer Antonois Kantas im Athener Verteidigungsministerium und zehn Spitzenmilitärs für die Aufträge bei Poseidon und bei Asrad mit insgesamt mehreren Millionen Euro bestochen zu haben.

Efstathiou sagte der Athener Staatsanwaltschaft, fünf von ihm namentlich genannte deutsche Geschäftsleute bei Atlas beziehungsweise Rheinmetall hätten davon gewusst. Sie hätten sogar auf Schmiergeldzahlungen gedrängt. Zwei Geschäftsleute hätten so den Poseidon-Auftrag sichern wollen, drei den Asrad-Auftrag. Außerdem hätten mehrere Atlas-Manager von den Deals persönlich profitiert. Rheinmetall sagt, es habe "keine unzulässigen Zahlungen von Rheinmetall an Kantas oder andere griechische Amtsträger gegeben". Die Verträge mit den Firmen von Efstathiou hätten "bindende Klauseln zur gesetzlich korrekten Abarbeitung der gestellten Aufgaben enthalten". Zu den Geständnissen in Griechenland könne Rheinmetall sich wegen "fehlender Informationen" nicht äußern.

Hinzu kommt ein Geständnis eines weiteren Mittelsmanns, Dimitrios Papachristou, der für einen Auftrag in Höhe von 150 Millionen Euro an Wegmann für die Lieferung von 24 Panzerhaubitzen PzH 2000 den Rüstungseinkäufer Kantas mit 750.000 Euro bestochen haben will. Davon habe ein Wegmann-Manager gewusst, und davon auch persönlich profitiert.

Die Firma Wegmann gibt es heute nicht mehr. Sie ging 1999 in Krauss-Maffei Wegmann (KMW) auf. Papachristou wurde am Freitag nach seinem Geständnis verhaftet. KMW lässt Schmiergeldvorwürfe untersuchen, die den Konzern selbst betreffen. Dabei geht es um die Lieferung von 170 Leopard-2-Panzern für 1,7 Milliarden Euro nach Griechenland. Zu den Vorwürfen gegen das Vorgängerunternehmen Wegmann äußerte sich KMW bisher nicht.

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