Süddeutsche Zeitung

Raumfahrt:Berlin will der Esa weniger Geld zahlen

Die deutsche Raumfahrt hat ehrgeizige Pläne. Nun will die große Koalition den deutschen Beitrag für die europäische Raumfahrtagentur Esa kürzen.

Von Dieter Sürig

Die Bundesregierung möchte der europäischen Raumfahrtagentur Esa künftig womöglich weniger Geld überweisen. Wie aus einem Antrag der großen Koalition hervorgeht, sieht der Regierungsentwurf vor, das deutsche Esa-Budget zu kürzen: 2020 und 2021 soll es jeweils 855 Millionen Euro betragen sowie 2022 und 2023 jeweils 850 Millionen Euro - derzeit beträgt es 927 Millionen Euro. Mittel für das nationale Raumfahrtprogramm sollen zudem 2020 leicht auf jährlich 297,2 Millionen Euro erhöht und dann eingefroren werden, zuletzt waren es 285 Millionen Euro. Das Bundeswirtschaftsministerium widersprach unterdessen dieser Darstellung, was die Zahlungen für die Esa betrifft: Auch andere Ministerien zahlten in das Esa-Budget ein, der deutsche Anteil werde insgesamt ungefähr gleich bleiben.

Knapp drei Wochen vor der Ministerratskonferenz der Esa, bei der es um das Budget bis 2023 geht, schlägt der Industrieverband BDI jedenfalls Alarm. "Mit den Kürzungen würde sich Deutschland als führende Raumfahrtnation verabschieden und ein verheerendes Signal an seine europäischen Partner senden", so BDI-Raumfahrtexperte Matthias Wachter. Beim nationalen Raumfahrtetat, mit dem auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt finanziert wird, gebe es inflationsbereinigt ebenfalls einen Rückgang der Mittel.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hatte im Oktober beim Raumfahrtkongress des BDI noch das Hohelied auf diese Branche angestimmt: "Ohne Raumfahrt und Dienstleistungen wären wir als Wirtschaft weniger erfolgreich". Würde der Antrag nun so am Donnerstag im Bundestag verabschiedet werden, treffe dies die deutsche Industrie, sagt Wachter. Der BDI sieht dann Esa-Projekte wie die Beteiligung an der Artemis-Mondmission der Nasa oder eine deutsch-französische robotische Mondmission in Gefahr. Auch die Weiterentwicklung der neuen europäischen Trägerrakete Ariane 6 mit deutscher Beteiligung wird im Prinzip in Frage gestellt. Die Koalition fordert, dass diese "aufgrund der unklaren Marktentwicklung genau geprüft wird". Gut möglich also, dass die Rakete künftig nur noch in Frankreich und Italien entwickelt wird.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4677059
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 12.11.2019
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.