Süddeutsche Zeitung

Proteste gegen Sparpolitik in Südeuropa:Streiks führen zu Flugausfällen in Deutschland

Das öffentliche Leben soll stillstehen: In Spanien und Portugal haben die Gewerkschaften den Generalstreik ausgerufen. Die Fluggesellschaften in den beiden Ländern streichen die Hälfte ihrer Flüge. Auch Passagiere in Deutschland müssen mit Ausfällen rechnen.

In mehreren EU-Ländern steht heute das öffentliche Leben still. Aus Protest gegen die Sparpolitik wird die Arbeit in Spanien und Portugal 24 Stunden niedergelegt. Auch in Italien und Griechenland wurden die Beschäftigten dazu aufgerufen, ihre Arbeit mehrere Stunden ruhen zu lassen.

In den Ländern soll der öffentliche Verkehr lahmgelegt werden und Schulen geschlossen bleiben. In etwa 120 Städten sollen die Streiks von Demonstrationen begleitet werden. Erste Bilder aus Madrid und Barcelona zeigen wütende Proteste und Polizeiaufgebot. 30 Prozent der Regional- und nur ein Fünftel der Fernverkehrszüge in Spanien fahren. Viele Menschen, auch Demonstranten, warteten an Bus- und U-Bahn-Haltestellen.

In Portugal fuhren U-Bahnen und Züge nicht, in Krankenhäusern legten bis zu 90 Prozent der Beschäftigten die Arbeit nieder. Auf Spruchbändern forderten Demonstranten "Raus mit der Troika", um gegen die Sparvorgaben der internationalen Geldgeber Portugals zu protestieren.

Flugausfälle in Deutschland

Wegen der Streiks sagten die Fluggesellschaften eine Reihe von Flügen ab. Die großen spanischen Linien strichen etwa die Hälfte der geplanten Verbindungen, auch Portugals größte Fluggesellschaft TAP führte nur jeden zweiten Flug durch. Auch im internationalen Flugverkehr kommt es dadurch zu Störungen.

An mehreren deutschen Flughäfen sind Verbindungen nach Spanien und Portugal gestrichen worden. Von und nach Frankfurt am Main wurden bis zum Mittwochmorgen insgesamt acht Flüge abgesagt, wie eine Flughafen-Sprecherin sagte. Diese Zahl könne sich im Laufe des Tages allerdings ändern. In Stuttgart waren am Morgen drei Flüge annulliert worden, in Berlin-Tegel vier.

Auch auf dem Münchner Flughafen ist es zu Flugausfällen gekommen. Wie ein Airportsprecher sagte, wurden bis zum Vormittag mehrere Starts und Landungen gestrichen, unter anderem nach Barcelona und Madrid. Der Sprecher schloss nicht aus, dass im Laufe des Tages noch weitere Ausfälle hinzukommen könnten. Allen betroffenen Fluggästen riet er dringend, sich mit ihrem Fluganbieter in Verbindung zu setzen.

"Tag der Aktion und Solidarität"

In Belgien beteiligen sich die Eisenbahner an der Streikaktion, zudem haben die Fluggesellschaften dort viele Spanien- und Portugal-Flüge abgesagt. Beschäftigte des Bahnbetreibers SNCB begannen schon am Dienstagabend einen 24-stündigen Streik. Der Ausstand sollte vor allem die Wallonie im Süden des Landes treffen - Auswirkungen werde es aber auch in Brüssel und in Flandern geben.

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) hatte den heutigen Tag zum "Tag der Aktion und der Solidarität" erklärt. EGB-Präsident Ignacio Fernández Toxo, der gleichzeitig Chef der größten spanischen Gewerkschaft CCOO ist, sieht den Tag als einen "historischen Moment in Europa".

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