Süddeutsche Zeitung

Private-Equity-Investoren:Heuschrecken sind herzlich willkommen

Lesezeit: 3 min

Einst eine Mischung aus "Dilettanten, Spielern und Gangstern", heute oft gern gesehen: Private-Equity-Investoren - die "Heuschrecken" - haben ihren Ruf als gewissenlose Firmen-Plünderer weitgehend verloren. Vor ihnen muss man keine Angst mehr haben.

Ein Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

Für den SPD-Veteranen Franz Müntefering waren diese neuen Typen des Wirtschaftslebens nicht zu ertragen. Die internationalen Investoren, die sich in Firmen einkauften, um sie nach zwei oder drei Jahren mit hohem Gewinn zu verkaufen, waren für ihn "eine Mischung aus Dilettanten, Spielern und Gangstern". Der bodenständige Sauerländer war SPD-Vorsitzender, als er 2005 für die eiskalten Investoren das Wort prägte, das noch lange mit seinem Namen verbunden bleiben wird: Heuschrecken.

Wahrscheinlich würde sich Müntefering heute nicht mehr so drastisch ausdrücken. Private-Equity-Investoren haben ihren Schrecken als gewissenlose Firmen-Plünderer weitgehend verloren. Am Dienstag wurde der Badarmaturen-Hersteller Grohe, der lange als Opfer brutaler Aussaug-Fonds galt, für 2,7 Milliarden Euro nach Japan verkauft. Die kleine Firma aus dem Sauerland, die Müntefering zu seinem Heuschrecken-Verdikt verführte, gilt als Beispiel für gelungene Arbeit von Private-Equity-Firmen.

Überhaupt werden diese Investoren, deren Geschäftsmodell darin besteht, ein Unternehmen zu kaufen, zu sanieren und nach wenigen Jahren mit 100 Prozent Gewinn und mehr zu verkaufen, heute häufiger positiv gesehen. Der Cevian-Fonds, der jetzt bei Thyssen-Krupp einstieg, wird vom Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesinger willkommen geheißen. Er kann sich darüber freuen, dass der neue schwedische Aktionär auch andere Anleger für das Essener Krisenunternehmen begeistern wird, dessen Aktie unter die Räder gekommen war.

Geschäftsmodell der Investment-Manager sorgte für Empörung

Lange Zeit haben Private-Equity-Firmen für Verunsicherung gesorgt. In Deutschland, wo die Sicherung der Arbeitsplätze meist wichtiger genommen wurde als die Steigerung des Aktienkurses, musste das Geschäftsmodell der schnellen Investment-Manager auf Empörung stoßen. Die kaufen Firmen oft auf Kredit, bürden ihnen die Schulden auf, feuern Arbeitskräfte, sparen bei Investitionen, treiben den Gewinn für kurze Zeit nach oben und verkaufen die Opfer möglichst schnell mit hohem Gewinn weiter.

Als besonders infam gilt die Zerschlagung von Unternehmen und der profitable Verkauf der Einzelteile. Weil auf diese Weise manches Unternehmen ruiniert wurde, festigte sich in Deutschland der Eindruck, Privat-Equity-Firmen seien die Totengräber der sozialen Verantwortung in der Wirtschaft. Sie haben das Ansehen der Marktwirtschaft beschädigt.

Bei pauschaler Ablehnung der Fonds-Investoren gerät aber in Vergessenheit, dass die schnellen Investoren oft nur Schwächen von Unternehmen nutzen, die durch schlechte Führung entstanden sind. Gut geführte Firmen sind für die Private-Equity-Fonds uninteressant.

Auch Chefs fliegen

Der Armaturenhersteller Grohe oder der Brillenmacher Rodenstock waren einst erfolgreiche Familienunternehmen. Doch die Eigentümer waren entweder unfähig oder zu zerstritten, um ihren Firmen eine Zukunft bieten zu können. Zum Schrecken der Belegschaften boten sich allein private Investment-Gesellschaften als Retter in der Not an. Viele bekannte Namen gäbe es ohne Private-Equity-Investoren gar nicht mehr. Ein prominentes Beispiel ist der amerikanische Autohersteller Chrysler, der nach der Trennung von Daimler im Jahr 2007 von einer vermeintlichen Heuschrecke gekauft wurde.

Der Einstieg von Cevian bei Thyssen-Krupp dürfte auf die realistische Einschätzung zurückgehen, dass der Traditionskonzern durch Missmanagement in die Krise getrieben wurde und in Wahrheit noch Reserven in dem Unternehmen stecken. Das sollten auch die Gewerkschaften gelassen sehen. Wo schlechtes Management die Sicherheit der Arbeitsplätze gefährdet, kann die Zerschlagung und der Weiterverkauf einzelner Unternehmensteile für Mitarbeiter besser sein als das krampfhafte Festhalten an der alten Unternehmensstruktur.

Positive Ergebnisse

Private-Equity-Firmen sorgen für Druck auf das Management. Sie suchen eine gute Verzinsung für ihr Kapital und müssen verhindern, dass es sich die Chefs in ihren Gewohnheiten bequem machen. Das muss kein Fehler sein. Die Investoren haben zunehmend eingesehen, dass es nicht immer sinnvoll ist, den letzten Prozentpunkt aus der Gewinnmarge herauszuquetschen, wenn damit die langfristige Perspektive beschädigt wird. Untersuchungen zeigen, dass heute der größte Teil der Investitionen von Private-Equity-Firmen positive Ergebnisse bringt.

Übrigens müssen sich, wo Privatinvestoren am Werk sind, nicht nur die Arbeitnehmer Sorgen machen. Die Chefs fliegen in Heuschrecken-Firmen schneller raus als anderswo. Auch das muss nicht immer ein Fehler sein.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1781810
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 27.09.2013
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.