Süddeutsche Zeitung

Neue Bundesländer:Im Osten viel Neues

Es gibt wenige große Konzerne mit Sitz im Osten. Für einen Platz im Top-100-Ranking reicht es nirgendwo. Trotzdem sind die Zuwachsraten der ostdeutschen Industrie der vergangenen Jahre durchaus beachtlich.

Von Jens Schneider

Die Jenoptik AG ist das Lieblingskind der Wirtschaft in den neuen Bundesländern. Ihr Name gilt als Symbol für den ostdeutschen Erfolg.

Denn der Konzern in Jena hat im Grunde alles, was Unternehmen für die Öffentlichkeit interessant macht: Tradition, weltweites Engagement und vor allem innovative Technologie.

Die Gründung nach der Wende im Jahr 1991 durch den früheren Politiker Lothar Späth knüpfte — obwohl weite Teile der alten Großkombinate nur noch abgerissen werden konnten — an die großen Zeiten der Jenaer Firmengründer im optischen Bereich an.

Der seit 1998 an der Börse notierte Konzern engagiert sich inzwischen weltweit mit Spitzentechnologie, etwa mit Reinraumtechnik für die Chip-Produktion.

Zu einem international bedeutenden Konzern ist die Jenoptik allerdings dadurch geworden, dass Lothar Späth dynamische Firmen mit Sitz im Westen erwarb und in den Konzern eingliederte.

Von den mehr als 10.000 Mitarbeitern sind am Firmensitz nur 1.200 tätig, in Thüringen 1.400. Gleichwohl zählte die Jenoptik mit 1,982 Milliarden Umsatz im Jahr 2003 zu den wenigen Unternehmen mit Sitz in Ostdeutschland, die es überhaupt in die Nähe der Spitzenplätze der umsatzstärksten Firmen schaffen — neben großen Energieversorgern oder der Total-Raffinerie bei Leuna in Sachsen-Anhalt.

Hohe Zuwachsraten

Generell gibt es wenige große Konzerne mit Sitz im Osten. Für einen Platz im Top-100-Ranking, der einen Umsatz von 2,3 Milliarden erfordern würde, reicht es nirgendwo.

Das überrascht angesichts der desolaten Situation nach der Wende im Jahr 1989 kaum. Doch sollte der Blick auf große Konzerne nicht die Zuwachsraten der ostdeutschen Industrie in den vergangenen Jahren außer Acht lassen.

Insbesondere Sachsen und Thüringen weisen ein überdurchschnittliches Wachstum auf. Dabei boomen Regionen, in denen es seltener zu spektakulären Neuansiedlungen kommt, wie etwa der Raum Chemnitz mit dem Kraftfahrzeug- und Maschinenbau.

Die Erfolgsgeschichten schreiben häufig Unternehmen mittlerer Größe und die neuen und besonders produktiven Werke von westdeutschen Konzernen. So hat sich der Osten etwa mit Opel in Eisenach oder auch VW in Zwickau, Chemnitz und Dresden zu einem starken Automobilstandort entwickelt.

Mit dem großen Infineon-Werk mit etwa 5.000 Mitarbeitern und dem amerikanischen Weltunternehmen AMD mit 2.000 Mitarbeitern hat sich Dresden zum europäischen Spitzenstandort der Mikroelektronik entwickelt.

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Quelle:
SZ vom 29. Juli 2004
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