Süddeutsche Zeitung

Künstliche Intelligenz:Was KI schon kann - und was nicht

Lesezeit: 1 min

Von Helmut Martin-Jung

Jürgen Schmidhuber meint das völlig ernst: Künstliche Intelligenz (KI) werde dereinst nicht bloß schlauer sein als Menschen, sie werde auch den Weltraum erobern, sagt der deutsche Wissenschaftler, der in Lausanne forscht und lehrt. Seit Jahrzehnten verfolgt er seinen Jugendtraum, an dieser Entwicklung einer Superintelligenz mitzuarbeiten.

Die grundlegenden Konzepte der künstlichen Intelligenz wurden schon vor Jahrzehnten entwickelt, unter anderem von Schmidhuber und seinen Schülern. Erst die gigantischen Fortschritte in der Computertechnik und bei den Algorithmen machten es allerdings möglich, diese Konzepte auch praktisch einzusetzen.

Genau das passiert jetzt. Radiologen etwa lassen sich von KI-Systemen bei der Suche nach Krebszellen in Geweben helfen. Oder - viel gängiger - Online-Händler schlagen Produkte vor, die ihre Kunden interessieren könnten. Spracherkennungssysteme wie Apples Siri oder Amazons Alexa können Sprache so gut erkennen wie Menschen - nur wenn es um die Bedeutung und Interpretation dessen geht, was da gesagt wurde, tun sie sich noch schwer.

KIs sind Inselbegabungen

Doch sie lernen ständig dazu. Und darum geht es bei der künstlichen Intelligenz. Es muss nicht im Vorhinein alles programmiert werden - wenn dies, tu das, wenn das, tu dies. Das System lernt vielmehr aus jeder seiner Handlungen und verändert dementsprechend eigenständig sein Verhalten. Das grundlegende Verständnis eines Problems wird meist über maschinelles Lernen erworben. Aus Massen von Daten lernen die Systeme mittels Algorithmen zum Beispiel, wie sie Katzen und Hunde unterscheiden können. Genügend Trainingsbilder vorausgesetzt, schaffen sie das recht gut.

Das Einsatzgebiet von künstlichen Intelligenzen ist heute allerdings immer auf bestimmte Zwecke begrenzt. Eine KI, die für die Erkennung von Krebszellen oder Anomalien in Geschäftsprozessen optimiert wurde, kann eine Siamkatze nicht von einer Bulldogge unterscheiden, dafür müsste sie erst trainiert werden. Ob überhaupt und, wenn ja, bis wann eine Superintelligenz entstehen kann, das ist unter KI-Experten umstritten.

Bei den heutigen Systemen geht es vielmehr darum, in bestimmten Aufgabenfeldern, die sich durch viele gleichförmige Aufgaben auszeichnen, menschliche Arbeitskraft zu ersetzen, und Menschen stattdessen das machen zu lassen, was Maschinen nicht können - Empathie und Kreativität zu zeigen. Wie sich das auf den Arbeitsmarkt auswirken wird, auch das ist unter Experten noch sehr umstritten.

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Quelle:
SZ vom 23.01.2019
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