Süddeutsche Zeitung

Fastfood-Kette:Kentucky Fried Chicken dementiert Gerüchte um Mutantenhühner

  • Nutzt Kentucky Fried Chicken (KFC) Mutantenhühner? Das Unternehmen nennt solche Behauptungen Unfug.
  • KFC glaubt, dass solche Geschichten von chinesischen Unternehmen verbreitet werden und verklagt drei Firmen auf Schadensersatz.

Mutantenhühner mit acht Beinen und sechs Flügeln, ohne Schnabel und Federn, flüssigernährt und durchblutet per Sonde, optimiert für die Fleischproduktion. Gibt es die? Im Internet schon. Und zwar nur im Internet, sagt Kentucky Fried Chicken, und ganz bestimmt und auf gar keinen Fall in den Chicken Wings der Firma, auch nicht in China.

Die amerikanische Fastfood-Kette zieht nun vor Gericht in Shanghai, um zu beweisen, dass sie keine Frankensteinhühner züchtet. Sie verklagt drei chinesische Unternehmen, das Gerücht verbreitet und damit KFCs Ruf geschädigt zu haben. In Artikeln und Kettenmails mäandert die Geschichte um das Mutantenhuhn seit Jahren um die Welt. Die Labortiere seien der Grund, dass "die Regierung" dem amerikanischen Unternehmen verboten habe, das Wort "Chicken" im Namen zu tragen, seither müsse sich die Firma mit der Abkürzung "KFC" begnügen, heißt es.

Praktisch grillfertig

Angeblich habe die University of New Hampshire die genmanipulierten Organismen untersucht - was die Pressestelle der Uni allerdings schon dutzendfach dementierte. Auf einem falschen Foto sieht das sechsflügelige Spinnenhuhn mehr nach Fleisch als nach Tier aus, gerupft und rosa, grillfertig sozusagen. Allerdings stakst das Wesen über eine Wiese. Sollte es jemandem gelingen, so ein Tier in die Welt zu setzen, würde es vermutlich weder laufen können noch je einen Flecken Gras zu sehen bekommen.

KFC glaubt, dass die Geschichten von den chinesischen Internet- und Marketingunternehmen Ying Chen An Zhi Chenggong Culture Communications Ltd., Wei Lu Kuang Technology und Ling Dian Technology verbreitet wurden. Angeblich haben die Firmen über ihre sozialen Medien, vor allem die beliebte App WeChat, mehr als 4000 Falschmeldungen abgesetzt. Die Amerikaner fordern Schadenersatz in Höhe von bis zu 1,5 Millionen Yuan (220 000 Euro) und eine Entschuldigung. Das Gerücht ist so schlagkräftig, weil es zwei populäre Hassthemen verknüpft: Genmanipulation und Großkonzerngier.

Dreckiges Fleisch

Dass angeblich besonders viele Chinesen die Mutationsgeschichte glaubten und dem Hühnchenbrater fernblieben, hat einen Hintergrund in der wirklichen Welt: KFC hat in den vergangenen Jahren schon zwei Lebensmittelskandale hinter sich.

Einmal hatte ein Zulieferer dreckiges Fleisch mit abgelaufener Haltbarkeitszeit geliefert, das KFC verbraten hatte. Ein anderes Mal gab es eine Fernsehreportage und darauf folgende Prüfung der Regierung, weil zwei Zulieferer die Hühnchen mit Antibiotika und Wachstumshormonen vollgestopft haben sollen. KFC entschuldigte sich und versprach, die Zulieferer besser auszuwählen und zu kontrollieren; die Fast-Food-Kette züchtet ihre Tiere nicht selbst, sondern kauft sie als Fertigfleisch. In China, dem wichtigsten Markt für die Kette mit mehr als 4800 Filialen, schrumpfen seither die Umsätze.

Nach etlichen Lebensmittelskandalen (zum Beispiel mit giftigem Milchpulver, an dem Babys starben) haben die Chinesen mehr Angst vor Ekelessen als die Amerikaner, die ihren Traditionsbratern weiter vertrauen.

Chinas Regierung hat nun eine Initiative gegen Internetgerüchte gestartet, sie will "das Internet aufräumen" - sehr zur Freude von KFC-China-Chefin Qu Cuirong. Die gab der Nachrichtenagentur AP zu Protokoll: "Die verstärkten Bemühungen der Regierung, die Online-Atmosphäre zu reinigen, und einige gerichtliche Interpretationen haben uns Hoffnung und Waffen gegeben."

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SZ vom 03.06.2015/hgn/kabr
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