Süddeutsche Zeitung

IW-Studie:Armutsrisiko in München deutlich höher als gedacht

  • Eine aktuelle Studie zeigt: In vielen Städten ist das Armutsrisiko deutlich höher als gedacht.
  • Das liegt an den Lebenshaltungskosten. Sie führen dazu, dass das Armutsrisiko in München höher ist als in Teilen Sachsens.

München mag eine der wohlhabendsten Städte Deutschlands sein. Aber der Wohlstand hat auch eine Kehrseite: Das Armutsrisiko ist in München laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) besonders hoch. 18 Prozent der Münchner Bürger sind laut der Studie, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt, armutsgefährdet - beinahe doppelt so viele wie in offiziellen Berechnungen des Statistischen Bundesamts angegeben.

Der Grund: Die offiziellen Zahlen vergleichen lediglich das Haushaltsnettoeinkommen mit dem deutschlandweiten Mittelwert. Wer höchstens 60 Prozent des bundesweiten Durchschnitts verdient, gilt als armutsgefährdet. Nach dieser Berechnung fallen nur etwa zehn Prozent der Münchner unter diese Schwelle, in Ostsachsen hingegen sind es fast 20 Prozent.

Nach Ansicht der IW-Forscher hat diese offizielle Methode aber entscheidende Schwächen. Denn die regionalen Unterschiede beim Durchschnittseinkommen werden in der Berechnung ebenso vernachlässigt wie die Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten. Die Studie des IW bereinigt die offiziellen Zahlen um diese Faktoren. Und das Ergebnis sieht dann deutlich anders aus.

Mehr als jeder vierte Kölner ist armutsgefährdet

So ergebe sich für Ostsachsen ein Armutsrisiko von lediglich 15 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich in anderen deutschen Großstädten: In Hamburg, Frankfurt oder Stuttgart liege das Armutsrisiko laut IW bei mehr als 20 Prozent (offiziell etwa 15 Prozent). In Köln, wo auch schon die offizielle Quote von 21,4 Prozent deutlich über dem bundesweiten Schnitt (15,5 Prozent) liegt, sehen die IW-Forscher fast 27 Prozent der Bevölkerung an der Schwelle zur Armut. In Leipzig hingegen fällt die offizielle Armutsquote von etwa 25 Prozent in der Berechnung des IW um zwei Punkte.

Deutlich harmloser als nach offiziellen Berechnungen angenommen ist die Situation in ländlicheren Gegenden: Dort sind zwar die Einkommen oft vergleichsweise niedrig, aber auch die Lebenshaltungskosten sind deutlich geringer als in den Großstädten. So würden aus etwa 14,5 Prozent laut IW-Studie nur noch 13,7 Prozent. An der Spitze der Liste sowohl nach offizieller als auch nach IW-Berechnungsart liegen die baden-württembergische Region um den Bodensee sowie die Gegend um Ingolstadt: Hier sind lediglich etwa neun Prozent armutsgefährdet.

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