Süddeutsche Zeitung

Folgen des Hochwassers:Landwirte befürchten Millionenschaden

250.000 Hektar Landwirtschaftsfläche stehen deutschlandweit unter Wasser. Die Bauern befürchten Schaden in Höhe von 250 Millionen Euro. Deshalb fordern sie Geld für den Wiederaufbau - und warnen vor Auswirkungen auf den Milchpreis.

In Deggendorf und Straubing haben sich die Landwirte einfach selbst geholfen. Bevor die Wassermassen ihre Höfe erreichten, brachten sie ihre Mastschweine in Sicherheit. Bauern in höher liegenden Gebieten haben die Tiere ohne Zögern aufgenommen.

In Sachsen-Anhalt war das bei einem Milchvieh-Betrieb nicht mehr möglich. Freiwillige bauten um den Bauernhof einen Ringwall aus Sandsäcken und retteten so 850 Kühe vor dem Ertrinken. "Obwohl es teilweise sehr schnell gehen musste, haben wir kaum unmittelbare Tierschäden", sagt Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands (DBV).

Bei der kurzfristig einberaumten Pressekonferenz im Haus der Landwirtschaft in Berlin entschuldigt sich Born zunächst einmal. Die Landwirte seien erheblich betroffen vom Hochwasser der vergangenen Tage. Man sei so beschäftigt gewesen, die drohenden Gefahren zu verhindern, dass der Verband erst jetzt dazu gekommen sei, eine erste Bestandsaufnahme zu machen.

Und die sieht düster aus: Etwa 15.000 Betriebe kämpfen mit der Flut. 250.000 Hektar Grünland und Ackerfläche stehen deutschlandweit unter Wasser. Für die Landwirte bedeutet das einen Schaden von 250 Millionen Euro. Am schlimmsten traf es Sachsen-Anhalt, wo bis zu 100.000 Hektar überflutet sind, Sachsen mit bis zu 70.000 Hektar und Bayern mit 50.000 Hektar.

Nicht eingerechnet in diese Bilanz sind die Zerstörungen an den Betriebsstätten selbst. Etwa 500 Betriebe seien betroffen, es geht um 75 Millionen Euro. "Die Dimensionen sind ungefähr vergleichbar mit 2002", sagt Born.

Deshalb weiß der Verbandsvertreter schon jetzt, dass die Soforthilfen, die Kanzlerin Angela Merkel zugesagt hat, nicht reichen werden. Er fordert ein zusätzliches Wiederaufbauprogramm nur für Landwirte. In seiner Vorstellung soll es von Ländern, Bund und EU bezahlt werden und "mindestens 200 Millionen Euro" umfassen. "Den Betrieben muss unbürokratisch unter die Arme gegriffen werden", sagt Born. Denn eine Versicherung gegen Hochwasserschäden, die erst seit etwa sechs Monaten existiere, hätten die Wenigsten in diesem kurzem Zeitraum bereits abgeschlossen.

Dieses Jahr hat ohnehin nicht gut für Deutschlands Landwirte begonnen. Der lange Winter mit Schnee bis nach Ostern, die kalten Temperaturen und dann der nasse Mai mit wenig Sonnenschein werden zu Ernteausfällen führen. "Die Superernte können wir auf jeden Fall vergessen", sagt Born. Der Schaden, der den Bauern dadurch entstehe, sei in den jetzt errechneten Summen nicht enthalten, betont Born. Ob Lebensmittel dadurch auch für den Verbraucher teurer werden, wollte er konkret nicht sagen. Nur so viel: "Bei der Milch werden wir einen starken Dämpfer bekommen."

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SZ vom 08.06.2013/rela
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