Süddeutsche Zeitung

Außenhandel:Exporte in Russlands Nachbarstaaten mehr als verdoppelt

Deutsche Firmen liefern deutlich mehr Waren in GUS-Staaten, zeigen neue Daten des Statistischen Bundesamts. Vor allem Fahrzeuge und Maschinen waren stark nachgefragt.

Die deutschen Exporte in benachbarte Staaten Russlands haben sich im ersten Jahresdrittel mehr als verdoppelt. Die Ausfuhren in die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) ohne Russland summierten sich von Januar bis April auf 2,9 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Das seien 1,5 Milliarden Euro mehr als im gleichen Zeitraum des Vorkriegsjahres 2021, was einem Plus von 106,4 Prozent entspreche. Russland hat im Februar 2022 einen Krieg gegen die Ukraine begonnen und wird seither mit Sanktionen belegt.

Viele Experten gehen davon aus, dass diese zumindest teilweise durch Lieferungen in benachbarte Staaten umgangen werden, von wo aus sie nach Russland weitergeleitet werden. Die meisten deutschen Warenexporte in diese GUS-Staaten gingen in den ersten vier Monaten des Jahres nach Kasachstan (1,1 Milliarden Euro). Sie fielen damit um 0,7 Milliarden Euro höher aus als im gleichen Zeitraum 2021. In der Rangfolge der wichtigsten Empfängerstaaten deutscher Waren kletterte Kasachstan damit von Rang 62 auf 51. Auch die Exporte nach Belarus und Usbekistan nahmen von 440 auf 617 Millionen Euro beziehungsweise von 176 auf 315 Millionen Euro spürbar zu. Kirgisistan verzeichnete eine Exportsteigerung von 15 Millionen auf 230 Millionen Euro.

Ausfuhren in die Russische Föderation sanken dagegen

Aus Deutschland in die anderen GUS-Staaten exportiert wurden hauptsächlich Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile im Wert von 865 Millionen Euro. "Damit hat sich der Export dieser Güter gegenüber dem Vergleichszeitraum des Jahres 2021 mehr als verfünffacht", so die Statistiker. Weitere wichtige Exportgüter waren Maschinen für 597 Millionen Euro (Januar bis April 2021: 397 Millionen Euro) und chemische Erzeugnisse für 282 Millionen Euro (147 Millionen Euro).

Die Exporte in die Russische Föderation sanken dagegen von 8,4 Milliarden Euro in den ersten vier Monaten 2021 auf nunmehr 3,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Einbruch von 58,3 Prozent. "Der Exportanstieg in die GUS-Staaten machte damit weniger als ein Drittel des Exportrückgangs nach Russland aus", so das Statistische Bundesamt.

In der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) haben sich verschiedene Nachfolgestaaten der Sowjetunion zusammengeschlossen. 2022 gehörten Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Kasachstan, Kirgisistan, die Republik Moldau, Russland, Tadschikistan und Usbekistan als Mitglieder dazu. Turkmenistan ist nur noch beigeordnetes Mitglied. Moldau strebt den Austritt an. Georgien und die Ukraine waren zeitweise Mitglieder, die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen gehörten nie dem Bündnis an.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5927058
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/Reuters/mri
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.