Süddeutsche Zeitung

Verhandlungen mit Kreditgebern:Varoufakis will Moratorium vorschlagen

Von Cerstin Gammelin, Brüssel

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis will den Euro-Finanzministern ein Moratorium vorschlagen, mit dem Zeit gewonnen wird, um über die weitere finanzielle Zusammenarbeit mit Griechenland zu verhandeln. Wie die Süddeutsche Zeitung aus Athener Verhandlungskreisen am Montagmittag erfuhr, will Varoufakis vorschlagen, dass sich die neue griechische Regierung und die Euro-Partner zusammen mit den europäischen Institutionen verpflichten, in den kommenden drei oder vier Monate keine einseitigen Schritte zu unternehmen.

Konkret will sich die griechische Regierung verpflichten, keine Maßnahmen des Wahlprogramms des Linksbündnisses Syriza zu realisieren, die zusätzliche Ausgaben verursachen. Die Euro-Partner sollen dafür garantieren, über die Europäische Zentralbank (EZB) die griechischen Banken mit Liquidität zu versorgen.

Varoufakis traf am späten Mittag in Brüssel ein. Zunächst stand ein Treffen mit Jeroen Dijsselbloem, dem Vorsitzenden der Euro-Gruppe auf dem Programm. Um 15 Uhr sollen die Beratungen aller 19 Euro-Finanzminister beginnen. In der Euro-Gruppe hieß es, von einem Moratorium sei noch nichts bekannt. Das Ziel der Beratungen sei weiterhin, das bestehende Hilfsprogramm zu verlängern. Der Ausgang der Beratungen gilt als offen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dämpfte die Hoffnung auf eine rasche Lösung. Er sei "sehr skeptisch", ob es in Brüssel eine Einigung geben werde, sagte er am Morgen im Deutschlandfunk. Um weitere Hilfen von den Euro-Ländern zu erhalten, müsse das Land nun einen Weg aufzeigen, wie es in Zukunft Geld erwirtschaften wolle, um die eigenen Ansprüche bezahlen zu können. Es sehe nicht danach aus, dass das Links-Rechts-Kabinett von Premier Alexis Tsipras solch einen Vorschlag vorlegen werde, sagte Schäuble.

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