Süddeutsche Zeitung

Geldwäsche-Kontrolle:Deutsche Bank muss sich von Tausenden Kunden trennen

  • Die Deutsche Bank muss sich von mehreren Tausend Kunden trennen. Viele davon sind im Investmentbanking.
  • Hintergrund ist, dass die Bank es teilweise nicht rechtzeitig geschafft hat, bestimmte Informationen zu ihren Kunden zu beschaffen.
  • Nur so kann ansatzweise verhindert werden, dass Konten für Geldwäsche, Terrorfinanzierung oder andere Verbrechen missbraucht werden.
  • Die Deutsche Bank und verschiedene andere europäische Banken mussten in letzter Zeit hohe Strafen zahlen.

Wenn die Deutsche Bank an diesem Dienstag ihren Aktionären erklärt, ob der Umbau des Instituts greift, wird es allen voran um die Erträge gehen: Erwirtschaftet das Institut genug, um langfristig ausreichend profitabel zu sein? In welchem Dilemma die Bank dabei allerdings steckt, zeigt der Kampf gegen Geldwäsche: Nach SZ-Informationen hat das Geldhaus auf diesem Gebiet zwar große Fortschritte gemacht, muss sich dafür aber von mehreren Tausend Kunden trennen, vor allem im Investmentbanking.

Bis Juni dieses Jahres sollte die Bank etwa 20 000 Akten von besonders riskanten Kunden im Investmentbanking auf den neuesten Stand bringen. Die groß angelegte Übung ist Kernstück eines Aufgabenheftes, das die Bafin der Bank vorgegeben hat, um den aus ihrer Sicht mangelhaften "Know-Your-Customer"-Prozess (KYC) zu verbessern, also die Durchleuchtung von Kundenverbindungen in der Transaktionsbank wie auch im Wertpapierhandel. "Die Bank hat ihre KYC-Ziele, einschließlich der Bearbeitung von Kundenakten gemäß der vierten Geldwäscherichtlinie, im geforderten Zeitrahmen erreicht", sagte ein Sprecher. Darüber hinaus habe die Bank ihre Verpflichtungen zu besseren KYC-Kontrollen erfüllt, hieß es.

Dem Vernehmen nach gelang es der Bank aber bei Tausenden Kunden nicht, rechtzeitig die nötigen Daten zu beschaffen, weswegen sie sich von diesen trennen musste. Die Bafin wollte sich nicht dazu äußern. Banken sind verpflichtet, zahlreiche Informationen ihrer Kunden zu dokumentieren. Nur so können sie ansatzweise verhindern, dass ihre Konten für Geldwäsche, Terrorfinanzierung oder andere Verbrechen missbraucht werden.

Die Probleme der Deutschen Bank mit zu laxer Aufsicht sind nicht neu

Die deutsche Finanzaufsicht hatte vergangenes Jahr die Geduld mit der Deutschen Bank verloren und dem Institut einen Sonderbeauftragten ins Haus geschickt. Im Auftrag der Bafin überwachen seither Wirtschaftsprüfer von KPMG, ob das Institut bei der Geldwäsche-Bekämpfung Fortschritte macht. Bis Juni 2020 muss die Bank weitere 40 000 Kundenakten mit mittlerem Risiko überprüfen. Für weitere 90 000 mit geringem Risiko hat sie bis Sommer 2021 Zeit. Weniger Zeit hat die Bank zur Überprüfung von 3000 Akten in Mexiko, die bis Ende des Jahres abgeschlossen sein müssen. "Die Deutsche Bank hat 2016 angekündigt, das Mexiko-Geschäft zu verkaufen, und hat dafür in diesem Jahr einen beschleunigten Ansatz gewählt", sagte der Sprecher. Daher wird nun auch das Kundenportfolio des Treuhandgeschäfts in Mexiko überprüft.

Im Vorstand verantwortlich ist Frank Kuhnke. Die Probleme der Bank mit zu laxer Aufsicht über ihre Kunden sind nicht neu. Wegen unzureichender Geldwäsche-Kontrollen in der Niederlassung in Russland musste das Institut 2017 rund 590 Millionen Euro an angelsächsische Behörden zahlen. Erst am Freitag hatte sich die Bank außerdem mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt auf die Zahlung von 15 Millionen Euro geeinigt, unter anderem wegen "Versäumnissen im Kontrollumfeld der Bank". In dem Verfahren ging es um einen Geldwäscheverdacht im Zusammenhang mit Offshore-Geschäften einer früheren Tochterfirma namens Regula.

Schlamperei und Vorsatz

Die Strafermittlungen gegen zwei Mitarbeiter des Geldhauses wurden hingegen ohne Auflagen "mangels hinreichenden Tatverdachts" eingestellt. Auch andere europäische Banken wie die niederländische ING oder die französische BNP Paribas mussten zuletzt hohe Strafen bezahlen. Im Blick haben die Aufseher aber allen voran die Danske Bank, über deren estnische Niederlassung bis 2015 mehr als 200 Milliarden Euro gewaschen sein sollen - offenbar mit Hilfe der Deutschen Bank als Korrespondenzbank.

Warum so viele Banken ihrer Aufgabe als Schleusenwärter des Finanzsystems nicht gerecht werden, hat neulich die EU-Kommission untersucht: Anhand von Stichproben bei zehn europäischen Banken - darunter auch die Deutsche Bank - haben die Beamten eine Mängelliste erstellt. Probleme seien nicht nur die rechtlichen Unterschiede in den Mitgliedstaaten sowie die laxe Prüfung durch nationale Aufseher, sondern auch Schlamperei und Vorsatz der Banken, hieß es in dem Bericht von Juli 2019. Auch die Aufseher hätten nach der Finanzkrise das Thema Geldwäsche nicht im Blick gehabt.

Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing muss an diesem Dienstag nun erst einmal darlegen, wie die Geschäfte in den einzelnen Sparten des Instituts laufen. Dazu hat er die wichtigsten Investoren in die Frankfurter Zwillingstürme eingeladen. Analysten und Anleger hoffen auf Hinweise, ob das Geschäft besser läuft als im dritten Quartal 2019. Im Juli hatte Sewing einen weiteren Konzernumbau angekündigt, dem mittelfristig 19 000 Stellen zum Opfer fallen sollen.

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SZ vom 09.12.2019/saul
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