Süddeutsche Zeitung

Comdirect:Bankirrtum macht Kunden über Nacht zum Millionär

Lesezeit: 2 min

Von Nils Wischmeyer

"Ich wär' so gerne Millionär, dann wär mein Konto niemals leer", sangen die Prinzen einst und wer Comdirect-Kunde war und am frühen Donnerstag in sein Depot geschaut hat, dürfte die Zeile direkt im Kopf gehabt haben: Die Comdirect machte viele ihrer Kunden zumindest zwischenzeitlich zu Millionären - oder zu millionenschweren Schuldnern. Grund dafür war, wieder einmal, eine IT-Panne, die offenbar die falschen Zahlen im Depot der Kunden anzeigte.

Dort tauchten teils aberwitzige Depotstände von zwei, drei oder vier Millionen Euro auf, einige rutschten in derselben Größenordnung aber auch ins Minus, zumindest laut der Anzeige auf der Webseite. Der eigentliche Verfügungsrahmen sei davon aber nicht beeinträchtigt gewesen, hieß es bei der Bank. Wer also versucht hätte, sich die Millionen aus dem Depot schnell auszahlen zu lassen, würde enttäuscht werden: Der Direktbank zufolge müsse das Institut solche Buchungen auch nicht erstatten.

Lange Kette an Ausfällen

Defekt war, das betonte die Comdirect, nicht das IT-System an sich, sondern lediglich die Anzeige der Kurse. Als Grund für die erneute IT-Panne gab die Tochter der Commerzbank einen Fehler bei einem Dienstleister an.

Dieser beliefere die Comdirect mit den entsprechenden Kursen. Als die Börsen um neun Uhr öffneten, sei das Problem bereits behoben gewesen, bestätigte eine Sprecherin der Comdirect.

Die meisten Nutzer nahmen es mit Humor und posteten in den sozialen Medien die unglaublichen Beträge, die angeblich auf ihren Depots lagen.

Einer etwa war plötzlich vermeintlich im Besitz von rund 1,2 Millionen Euro. Einer anderer schrieb: "Über Nacht mehrfacher Millionär geworden. Danke, liebe @comdirect für den unverhofften Geldsegen! Bei Monopoly wäre das wohl "Bankirrtum zu Deinen Gunsten".

Die kurzzeitige Störung ist zwar harmlos, doch reiht sich der Vorfall damit in eine lange Kette an Unglücksfällen, Ausfällen und Pannen bei Banken in den vergangenen Monaten ein. Verschiedene Institute hatten Probleme, Buchungen richtig anzuzeigen. Besonders hart traf es in den vergangenen Wochen die Kunden der Commerzbank, deren IT-Systeme gleich mehrmals ausfielen. Teils war das Online-Banking nicht zu erreichen, teils waren sogar Karten und Auszahlungen an Geldautomaten blockiert. Gründe für die Ausfälle in den deutschen Geldhäusern gibt es viele. Über Jahre hinweg haben die Institute es versäumt, ihre IT-Systeme auf den neuesten Stand zu bringen.

Teilweise laufen einige Systeme im Kern noch mit Programmcodes aus den 1980er Jahren und auch sonst standen Wünsche der Techniker in den vergangenen Jahren selten an erster Stelle. "Das ist wie ein Auto, das Sie seit 30 Jahren fahren", sagt Sebastian Steger, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger. "Sie schrauben ständig daran rum, bleiben irgendwann mal am Straßenrand liegen, und eigentlich ist es nicht mehr tauglich."

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