Süddeutsche Zeitung

Carsharing:Schwerer Rückschlag

Daimler und BMW hatten große Hoffnungen, jetzt geben sie das Carsharing in mehreren Städten auf. Jeder vierte Kunde geht dadurch verloren.

Mit großen Hoffnungen haben die beiden großen deutschen Automobilhersteller Daimler und BMW ihre Aktivitäten im Carsharing gebündelt, dabei werden Fahrzeuge, die in den Städten parken, kurzfristig auf Minutenbasis und per App vermietet. Jetzt gibt es für den Dienst, der jetzt unter dem Namen Share-Now läuft, einen empfindlichen Rückschlag. Die Aktivitäten in Nordamerika sowie in wichtigen europäische Städten werden eingestellt. Wie aus einer Mitteilung an die Kunden hervorgeht, wird es von Ende Februar an kein Share-Now mehr in Brüssel, London und Florenz geben, auch die Dienste in New York City, Montreal, Seattle, Washington DC und Vancouver werden eingestellt. Man wolle sich nun auf die verbleibenden 18 Städte in Europa konzentrieren, diese würden "profitables Wachstum" versprechen, sagte eine Sprecher.

Es ist ein tiefer Schnitt: Share-Now verliert dadurch etwa ein Viertel seiner Kunden. In Europa seien etwa 150 000 Kunden betroffen, in Nordamerika 800 000, teilte das Unternehmen mit. Insgesamt kam Share-Now zuletzt auf etwa vier Millionen Klienten. "Diese Entscheidung war nicht einfach", teilte Share-Now mit. Trotz aller Bemühungen und Investitionen sei es aber nicht gelungen, genügend Kunden zu finden. Bislang wurden in den betroffenen Städten insgesamt fast 4700 Fahrzeuge betrieben.

Auf dem Carsharing ruhen eigentlich große Hoffnungen der gesamten Branche. Menschen in den Städten, die kein eigenes Auto besitzen, sollen das Angebot nutzen, meist wird nach Minuten abgerechnet. BMW und Daimler hatten deshalb ihre beiden Dienste Drive-Now und Car2go zusammengelegt. Zuvor musste BMWs Partner, die Autovermietung Sixt, herausgekauft werden, diese hat mit dem Geld nun einen eigenen Carsharing-Service aufgebaut und wirbt mit niedrigeren Preisen und weiteren Angeboten um Kunden. Dazu kommen weitere Konkurrenten wie We-Share von VW und Oply. Laut Bundesverband Carsharing gibt es in Deutschland in 740 Städten und Gemeinden entsprechende Angebote. Vorne liegt dabei Karlsruhe mit 3,2 Carsharing-Fahrzeugen pro 1000 Einwohnern (davon der größte Teil allerdings stationsgebunden). Es folgen München, Hamburg, Berlin und Freiburg.

Die Zusammenführung von Drive-Now und Car2go, die schon im Februar angekündigt wurde, lief ohnehin schleppend. Erst im November wurde eine gemeinsame App fertig. Viele Kunden hatten in der Vergangenheit die beiden Dienste sowieso parallel genutzt. Ein Problem ist unter anderem die Verfügbarkeit von Parkplätzen in den Städten. Grund für den Rückzug aus Nordamerika seien "extrem schwierige Realitäten", teilte Share-Now mit.

BMW und Daimler haben ihre Mobilitätsdienstleistungen in einer Holding mit drei Bereichen gebündelt, eine davon ist Share-Now, die beiden anderen Free-Now mit Taxiservice und Park-Now und Charge-Now für die Elektro-Ladeinfrastruktur. Die gesamte Plattform komme mit 90 Millionen Kunden auf einen Umsatz von gut 3, 5 Milliarden Euro, ein Großteil davon entfällt dabei auf die Vermittlung von Taxis. Investiert werden soll insgesamt eine Milliarde Euro. Daimler und BMW hatten zuletzt außerdem mitgeteilt, dass externe Partner zum weiteren Aufbau des Geschäftes denkbar seien.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4730288
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 20.12.2019
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.