Süddeutsche Zeitung

Batteriezellen-Produktion:Deutsch-französische Kooperation rückt näher

  • Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam den Bau einer Batteriezellen-Fabrik fördern, eine entsprechende Absichtserklärung haben die beiden Länder nach Brüssel geschickt.
  • Es drohe gerade beim Bau von Elektroautos ein großer Teil der Wertschöpfung nach Asien abzuwandern, wo derzeit ein Großteil der Batteriefertigung stattfindet, warnt Bundeswirtschaftminister Peter Altmaier.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Kommenden Donnerstag wird Peter Altmaier in Paris erwartet, und wenn alles glatt läuft, liegt das Okay aus Brüssel dann schon vor: grünes Licht für eine deutsch-französische Kooperation in der Produktion von Batteriezellen. Gemeinsam wollen beide Länder die Errichtung einer solchen Fabrik fördern, eine entsprechende Absichtserklärung haben der CDU-Politiker Altmaier und sein französischer Amtskollege Bruno Le Maire schon nach Brüssel geschickt. Wenn die Zusage der EU-Kommission bis zum Treffen am Donnerstag vorliege, "begrüße" man das, heißt es aus dem deutschen Wirtschaftsministerium. "Es ist zutreffend, dass die Pläne für eine europäische Batteriezellfertigung immer konkretere Gestalt annehmen", sagt eine Sprecherin. Dies betreffe vor allem das deutsch-französische Projekt.

Allein das deutsche Wirtschaftsministerium will eine Milliarde Euro für die Batterie-Fertigung locker machen, Altmaier sieht darin eine Schlüsseltechnologie. "Wenn wir gute Arbeitsplätze in der Industrie erhalten und neue schaffen wollen, müssen wir bei der innovativen Batteriezellfertigung führend sein", sagt er. Andernfalls drohe gerade beim Bau von Elektroautos ein großer Teil der Wertschöpfung nach Asien abzuwandern, wo derzeit ein Großteil der Batteriefertigung stattfindet. Nach einem ersten Förderaufruf hatten sich immerhin 30 Unternehmen gefunden, die über Konsortien in die Batteriefertigung einsteigen wollen.

Den Zuschlag für das deutsch-französische Projekt könnte dabei ein Konsortium aus dem französischen Autokonzern PSA, zu dem auch Opel gehört, und dem ebenfalls französischen Batteriehersteller Saft bekommen. Dies berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Saft gehört zum Mineralölkonzern Total, ist aber abgesehen von Batterien für Busse bisher kaum im Geschäft mit der Elektromobilität engagiert. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte den Bericht am Montag nicht. Einzelheiten sollen erst am Donnerstag bekannt werden - wenn Altmaier in Paris weilt.

Unterdessen kündigte der Autozulieferer Bosch an, sich vermehrt auf Brennstoffzellen zu konzentrieren - die bislang noch recht teure Alternative zu Batteriezellen. Mit dem schwedischen Unternehmen Powercell wolle man so genannte Stacks für die Zellen weiterentwickeln und sie später in Serie produzieren, teilte Bosch mit. "Bosch steigt in den Markt für mobile Brennstoffzellen ein und treibt die Industrialisierung konsequent voran", erklärte Stefan Hartung, Chef der Autosparte. Spätestens 2022 wolle Bosch die Brennstoffzellen-Systeme auf den Markt bringen. Sie kommen zunächst vor allem für Lkw in Frage.

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SZ vom 30.04.2019/lüü
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