Süddeutsche Zeitung

Apple-Präsentation:Apple präsentiert das Turbo-iPad

Wer sich schon immer gefragt hat, was Apple eigentlich mit seinen eigenen Prozessoren vorhat: die neuen iPads der Pro-Reihe und die neuen iMacs zeigen es.

Von Helmut Martin-Jung, München

Man kann nur darüber spekulieren, was wohl losgewesen wäre, wenn die ohnehin leicht entflammbaren Fanboys und -girls live bei der Präsentation hätten dabei sein können, die Apple am Dienstagabend deutscher Zeit in gewohnt perfekter Manier zelebrierte - nur eben bloß als Online-Stream. Und ja, dieses Mal hätten sie einigen Grund dazu gehabt, zumindest anerkennend zu nicken.

Das weniger wegen Produkten wie den AirTags, mit denen sich verlegte Gegenstände wiederfinden lassen (35 Euro oder 119 Euro im Viererpack). Auch nicht unbedingt wegen des leicht auffrisierten TV-Zuspielers Apple TV, der nun Videos mit hohem Kontrastumfang (HDR) auch mit schnellerer Bildwiederholfrequenz abspielt und dem Fernsehgerät per Messung mit einem iPhone zu besseren Farben verhelfen soll.

Nein, es waren zwei andere Neuigkeiten, die aufhorchen lassen. Die Neuauflage des All-in-one-Computers iMac könnte auch manchen hartnäckigen Windows-Nutzer schwach machen. Sein reduziertes Design ist gelungen, das Innenleben vielversprechend. Verantwortlich dafür ist der von Apple auf der Basis des Chipdesigns der britischen Firma ARM entwickelte M1-Chip, der eine ganze Reihe von Einheiten versammelt.

Weil der ziemlich energieeffizient ist, konnte Apple das Gehäuse komplett flach halten, nur 11,5 Millimeter ist es dick. Eigentlich sieht es aus wie ein riesiges iPad, das einen 24-Zoll-Bildschirm bekommen hat. Genaueres über die Leistungsfähigkeit müssen allerdings Tests zeigen. Das trifft auch auf die Kamera und das Mikrofonsystem zu, das Apple stark verbessert haben will - schließlich verbringen viele zurzeit viel Zeit vor dem Bildschirm in Videokonferenzen. Die Preise für den iMac beginnen bei 1450 Euro.

Neuer Chip auch in den iPads

Die ohnehin schon sehr leistungsfähigen iPads der Pro-Reihe erhalten durch den M1-Chip, der nun auch sie antreibt, einen weiteren deutlichen Leistungsschub. Etwas Besonderes hat sich Apple für das größere der beiden Modelle einfallen lassen. Beim iPad pro mit 12,9-Zoll-Bildschirm beleuchten mehr als 10 000 winzige LEDs den Bildschirm von hinten. Dies erlaubt es, die Helligkeit sehr differenziert zu steuern, wodurch der Kontrastumfang steigt, die Darstellung also brillanter wird.

Apple hat sich auf dem Markt für Tablets von Anfang an die Spitzenposition gesichert. Im vierten Quartal 2020 setzte der Konzern nach Zahlen der Marktforscher von IDC 19 Millionen iPads ab, das entspricht einem Anteil am Gesamtmarkt von 36,5 Prozent. Verfolger Samsung erreicht nur gut die Hälfte dieser Menge (gut zehn Millionen Geräte, 19,4 Prozent Marktanteil). Lenovo, der Dritte im Bunde, ist wiederum nur gut halb so groß in diesem Segment wie Samsung.

Apple zieht in dem Wettbewerb einen großen Vorteil daraus, dass im eigenen Konzern sowohl Hard- als auch Software entwickelt werden. Besonders der selbst entwickelte M1-Chip verschafft Apple einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Allerdings sind Apples Pro-Geräte auch preislich in einer anderen Liga angesiedelt. Das kleine Modell (elf Zoll) gibt es von 880 Euro an, das 12,9-Zoll-Modell von 1200 Euro an. Für ein Mobilfunkmodul, das nun auch 5G beherrscht, sind jeweils 170 Euro Aufpreis fällig. Den iPads hat Apple seit Herbst 2019 auch ein eigenes Betriebssystem spendiert. Davor hatten iPhones, die iPod-Musikspieler und eben die iPads dasselbe System genutzt, iOS.

Insgesamt war die ganze Präsentation ein Beleg dafür, wie sehr (und wie erfolgreich) Apple sich darum bemüht, sein Angebot aus Geräten und Diensten untereinander immer stärker zu verweben. Vom iPhone lassen sich Inhalte nahtlos auf den iMac verschieben. Am Fernsehgerät kann man mit dem iPhone über AppleTV die Farbwiedergabe anpassen. Am iMac lassen sich iPhone- und iPad-Apps nutzen. Mit den AirTags lassen sich Gegenstände finden - wozu natürlich ein iPhone nötig ist. Apples Erfolg allerdings spricht für dieses Konzept.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5270213
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.