Süddeutsche Zeitung

Absatzkrise:Jobkahlschlag bei Nissan

Toyota und Honda leiden unter der Absatzkrise und auch bei Nissan sieht es nicht gut aus. Jetzt muss Konzernchef Ghosn drastische Verluste ankündigen - und einen massiven Stellenabbau.

Die schlechten Nachrichten für Japans Autoindustrie nehmen keine Ende. Nach Toyota und Honda läuten die Alarmglocken jetzt auch beim drittgrößten Autokonzern des Landes. Nissan rechnet wegen der globalen Absatzkrise mit einem Jahresverlust - und reagiert darauf mit einem drastischen Stellenabbau.

Weltweit fallen dem Sparprogram 20.000 Stellen zum Opfer. Bis Ende März 2010 will Nissan 8,5 Prozent der Belegschaft abbauen, überwiegend durch Fluktuation in Japan. Bislang hat das Unternehmen dort schon 2000 Zeitarbeitsstellen gestrichen und in den USA 1200 Mitarbeiter in den freiwilligen Vorruhestand geschickt. Insgesamt will Nissan seine Personalkosten in Japan, den USA und Europa um ein Fünftel senken. Dabei sollen auch die Gehälter der führenden Manager um zehn Prozent gekürzt werden. Bonuszahlungen an die Führungskräfte sollen in diesem Jahr entfallen. Diese Maßnahmen seien nicht nur kurzfristig ausgerichtet, sagte Konzernchef Ghosn. Ziel sei es, das Unternehmen auch nach dem Ende der gegenwärtigen Krise zu stärken.

Wie der Konzern ankündigte, wird das operative Minus im Geschäftsjahr bis Ende März 1,5 Milliarden Euro (180 Milliarden Yen) betragen. Es ist der erste Betriebsverlust seit 14 Jahren und auch das erste Minus seit Carlos Ghosn 1999 das Ruder bei Nissan übernommen hat. Die Produktion soll im bis Ende März laufenden Geschäftsjahr um insgesamt 20 Prozent sinken. Beim Absatz erwartet Nissan einen Rückgang von 10,3 Prozent auf 3,4 Millionen Fahrzeuge.

In der vergangenen Woche hatte bereits Toyota wegen des Absatzeinbruchs auf den wichtigsten Märkten seine Prognose abermals nach unten geschraubt. Der weltgrößte Autobauer erwartet nun einen Betriebsverlust von 3,8 Milliarden Euro für das Gesamtjahr. Auch Honda hatte seine Gewinnprognose im vergangenen Monat erneut gesenkt. Im Gegensatz zu Toyota rechnet Japans Nummer zwei aber noch mit schwarzen Zahlen.

Bei Nissan wird das Minus den Angaben zufolge im Gesamtjahr netto bei rund 2,2 Milliarden Euro liegen. Ursprünglich hatte der Autokonzern einen Nettogewinn von 1,4 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 2,3 Milliarden Euro angepeilt. Im dritten Geschäftsquartal wies Nissan bei einem Umsatz von rund 15 Milliarden Euro einen operativen Verlust von 840 Millionen Euro aus. Unter dem Strich stand ein Minus von 70 Millionen Euro zu Buche.

Der globale Wirtschaftsabschwung macht der Autoindustrie weltweit schwer zu schaffen. Der Absatz ist eingebrochen, weil sich die Kreditbedingungen für Privat- und Geschäftskunden verschärft haben und die Kunden größere Ausgaben scheuen. In Japan leiden die Exportunternehmen wie etwa die Autobauer zudem unter einem Anstieg des Yen, der ihre Produkte im Ausland verteuert.

Die Aktien japanischer Autohersteller sind daher im vergangenen Jahr auf breiter Front gefallen. Die Papiere von Nissan sind jedoch noch stärker eingebrochen als die seiner Rivalen, da Toyota und Honda gesündere Bilanzen und eine bessere Liquiditätslage aufweisen. Nissan-Aktien haben in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 70 Prozent verloren. Seit dem Amtsantritt Ghosns hat Nissan zwölf Milliarden Dollar an Marktwert eingebüßt. Ghosn ist auch Chef des französischen Autoherstellers Renault, der 44 Prozent an Nissan hält.

Branchenexperten warnten vor anhaltenden Problemen für die japanische Autoindustrie. Die Autohersteller könnten auch in den kommenden Quartalen Verluste schreiben, sagte Analyst Tomomi Yamashita von Shinkin Asset Management. Gründe seien unter anderem der hohe Yen-Kurs und das Ausmaß der anstehenden Produktionsanpassungen.

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