Süddeutsche Zeitung

Kurz gesichtet:Entwürfe für die Zukunft

Was dieses Jahr alles so bringt? Keine Ahnung, in jedem Fall aber Klassiker für morgen: Jacken von Burberry, wassergrüne Prada-Taschen und Teekannen von Marimekko.

Von Anne Goebel, Julia Rothhaas und Silke Wichert

Klein, rundlich, schnörkellos - die neue Schultertasche von Prada vereint vieles, was man sich für 2021 nicht nur von der Mode wünscht: Leichtigkeit zum Beispiel und Klarheit, die aber nicht unterkühlt wirken soll. Kein Wunder, dass das Modell Cleo mit geschwungener Silhouette schon jetzt zum Renner des Jahres gekürt wurde, für die französische Vogue ist sie "le sac star", die Star-Tasche. Mit dem Entwurf hat Miuccia Prada einen Klassiker des Hauses aus den Neunzigern neu aufgelegt, dazu der frische Farbton "Aqua", ein helles Wassergrün - so lässt es sich zumindest modisch mit Optimismus in Richtung Frühling starten. Für das italienische Modehaus läuft es ohnehin gerade nicht schlecht, trotz anhaltender Corona-Krisenstimmung im Luxusbereich: In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres habe man die Einbußen aus dem Frühjahr zumindest teilweise wettmachen können, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. Grund seien die hohen Zuwächse in China (prada.com).

Mancher verlässt die sozialen Medien eher unfreiwillig, andere hingegen von sich aus. Bottega Veneta hat also seinen Instagram-Account abgeschaltet, und diese Nachricht sorgte für solches Erstaunen, oder besser Entsetzen, als würde hier jemand aufmerksamkeitstechnischen Freitod begehen. Geht das denn in der Mode überhaupt noch, dass man nicht ständig Bilder, Videos, Produkte teilt? Möglichst viele Follower einsammelt? Andererseits, wenn sich eine Marke gerade einen gewissen Social-Snobismus leisten kann, dann wohl die, deren Taschen, Gürtel und Schuhe ständig ausverkauft sind. Tatsächlich gehörte der Designer Daniel Lee nie zu den Fans der sozialen Medien, sein früherer Arbeitgeber Céline war eines der letzten Häuser ohne Instagram-Zugang - damals. Ob andere nun dem Beispiel folgen werden? Eher unwahrscheinlich. Weniger überraschend hingegen wäre, wenn hinter dem Ganzen vielleicht doch nur ein Reset und kein Abgang stünde. Nichts liebt die Mode schließlich so sehr wie ein gutes Comeback.

Archive bestehen ja eigentlich aus Dingen der Vergangenheit, bei Burberry neuerdings auch aus Entwürfen für die Zukunft: "The Future Archive" heißt die frisch lancierte, limitierte Kollektion, und die Idee von Creative Director Riccardo Tisci ist zur Abwechslung ziemlich schlau. Wenn spätestens seit der Pandemie alle von "Investmentpieces" sprechen, die möglichst nie aus der Mode kommen - warum dann nicht einfach genau solche Klassiker von morgen entwerfen, beziehungsweise sie einfach mal genau so nennen? Die 27-teilige Kollektion besteht nicht nur aus Trenchcoat-Varianten, sondern umfasst auch moderne Versionen der ewigen Steppjacke und Bomberjacken, mal mit großer Kapuze oder überlanger Knopfleiste. Vieles davon würde man nicht erst morgen, sondern gleich heute anfangen zu tragen (über burberry.com und mytheresa.com).

Manches bleibt, wie es ist, auch nach einem Ausnahmejahr: Das ist ganz gut zu wissen, jeder hat so seine eigenen Bedürfnisse nach Verlässlichkeit - und für Freunde edler Vintagestücke gehört eben eine Versteigerung an der französischen Riviera zu den Säulen der Stabilität. Das Pariser Auktionshaus Artcurial enttäuscht die Erwartungen seiner internationalen Klientel nicht und präsentiert in Monaco noch bis zum 20. Januar Ringe des britischen Hoflieferanten Garrard, exklusive Sammleruhren und Taschen von Hermès in verschiedenen Größen, wobei schon die Kleinen selbstverständlich ein Vermögen kosten. Allein die Adresse klingt nach Grace Kelly beziehungsweise Fürstin Grazia: Hôtel Hermitage, Monte Carlo, gelegen an der Place Beaumarchais. Geboten wird aber leider nur telefonisch oder online, zu den Highlights zählt Panther-Schmuck von Cartier und eine seltene Patek-Philippe-Uhr aus dem Jahr 1943 (artcurial.com).

Abwarten und Tee trinken aka: geduldig bleiben. Das gilt auch in 2021. Das mit dem Tee darf aber gerne wörtlich verstanden werden. Der schmeckt dann auch gleich besser in der Teekanne Oiva des finnischen Designhauses Marimekko, bekannt für seine farbenfrohen Kreationen. Richtig bunt ist Oiva zwar nicht, sondern stattdessen mit dunkelgrünen Kacheln auf braunem Steingut versehen, ein Entwurf der 1979 verstorbenen Marimekko-Gründerin Armi Ratia. Doch dank des geschwungenen Griffs aus Holz wirkt die Kanne dennoch frisch und verbreitet gute Laune im Homeoffice. Und die kann bekanntlich nie schaden, erst recht nicht im ellenlangen Januar 2021 (fasst 0,7 Liter, 89 Euro, marimekko.com).

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5174096
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/kar
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.