Süddeutsche Zeitung

Ladies & Gentlemen:Diese Baldwins

Spanische Affären, großer Altersunterschied und viele Kinder: Hilaria und Alec Baldwin sehen blendend aus, sorgen für Unterhaltung und für ein bisschen Klatsch und Tratsch.

Von Julia Werner und Max Scharnigg

Voller Energie: Hilaria Baldwin

Hier eine kurze Zusammenfassung des anderen Dramas, das in den vergangenen Wochen die USA in Atem hielt: Hilaria, der schönen Frau des Alec Baldwin, wurde vorgeworfen, sie habe über ihre Herkunft gelogen. Sie sei gar nicht in Spanien aufgewachsen, und ihr Akzent sei eine Show! Hilaria - also eigentlich Hillary aus Boston - verteidigte sich auf Instagram. Und tauchte ab. Was eigentlich normal wäre, wenn man gerade ein Kind geboren hat, immerhin schon das fünfte "Baldwinito", wie die Yoga-Influencerin ihre Kinder sehr rassig nennt. Aber nicht für diese Hausfrauengranate und Spanierin im Herzen. Wenn man ihr folgt, wird man sofort verrückt: fünf Kinder, Hund, Stargatte, tägliche Po-Stählungsübungen und eine Karriere als Staubsauger vermarktende Influencerin, das schafft doch keine Frau, ohne spätestens nach drei Tagen so fertig auszusehen wie, sagen wir: Amy Schumer! Der Erfolg dieser in Wahrheit ja gar nicht so lustigen Komikerin basiert vor allem darauf, ihre eigenen Unzulänglichkeiten als typisch weiblich darzustellen, fettige Haare und überschüssigen Bauch zum Beispiel. Amy Schumer war es auch, die die Baldwin-Hasswelle lostrat, mit einem bösen Post über ein Foto von Hilaria, auf dem sie Unterwäsche und ihr Neugeborenes trägt. Es ging also in Wahrheit nie um kulturelle Aneignung, sondern um die Todsünde, nach einer Geburt so auszusehen wie ein Supermodel. Im Kosmos der Frauen, die predigen, dass alle Frauen schön sind, wie sie sind, ist wohl kein Platz für die, deren Bindegewebe nicht durchhängt. Dabei ist das Einzige, was wirklich hässlich macht, der Neid.

Ganz bei sich und Zegna: Alec Baldwin

Alec Baldwin ist so ein Typ, der man selbst nicht unbedingt sein möchte, den man aber gerne zum Freund hätte. Auf jeden Fall nicht zum Feind. Denn man ahnt und hat es in seiner Gerichtsbiografie ja auch gelesen, dass hinter seinem süffisant-jovialen Auftreten immer auch der Jähzorn lauert. Nein, am liebsten hätte man ihn auf Long Island zum Nachbarn, denn über seine gelegentliche Großspurigkeit könnte man hinwegsehen, und bei seinen Barbecues ist er dafür sicher großzügig und boxt einem fröhlich das Schlüsselbein kaputt. Wie kaum ein anderer US-Schauspieler verkörpert Baldwin diesen faszinierend zeitlosen Ostküsten-Stil, der sich zwischen Hamptons-Wochenenden in Ralph-Lauren-Shorts und Manhattan-Meetings in Brooks Brothers abspielt. Viel Navyblau und Oxford-Hemdstoffe sind in so einem Schrank typischerweise vereint, aber eben auch Yankees-Kappen, Segelschuhe und charmant ausgebeulte Khaki-Chinos. Baldwin ist auch ein großer Fan von Button-Down-Hemden, die einst bei Brooks Brothers in New York populär gemacht wurden, seine Anzüge aber trägt er europäisch. Er hat eine dankbare Anzugfigur, wie gemacht für Armani, die er jahrelang bevorzugte, später schwenkte er komplett auf Zegna um. Diese stilistische Treue zur Alten Welt passt natürlich auch zu den aufgeklärten WASPs an der Ostküste. Dass er in der Seniorenklasse noch mal vielfach Vater wurde, steht ihm aber noch besser als jeder Anzug, jedenfalls wirkt er auf den zügellosen Familienfotos auf Instagram von jeglicher Anspannung befreit und wie der Papa-Bär, den jedes Kind haben möchte: groß, knuffig, niemals böse. Dazu passt, dass er in den vergangenen Jahren besonders mit TV-Parodien und Comedyrollen reüssierte. Ein ehemals verbissener Typ, der jetzt gerne über sich selbst lacht - das ist eine der wenigen sympathischen Wandlungen, die ein alter, weißer Mann noch durchleben kann.

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