Süddeutsche Zeitung

Wasserspringer Hausding:Beinahe Bronze

Patrick Hausding zeigt im Finale vom 3-Meter-Brett einen starken Wettkampf. Doch vier kleinere Wackler bedeuten Rang vier - die undankbarste aller Platzierungen. Dennoch war er begeistert.

"Ein Amateur", so hatte der Schwimmer Ryan Lochte in der vergangenen Woche erklärt, "ein Amateur übt so lange, bis er es richtig macht. Ein Profi dagegen trainiert so lange, bis er es nicht mehr falsch machen kann." Das ist ein schöner Satz, er trifft auf viele Sportarten zu - auch und vor allem für die Disziplin Wasserspringen vom Drei-Meter-Brett.

Knapp zwei Sekunden dauert ein Versuch, sechs davon darf jeder im Finale absolvieren. Wer in diesen insgesamt zwölf Sekunden auch nur einen kleinen Fehler macht, der gewinnt keine Medaille.

Der Chinese Qin Kai und Ilya Zakharow aus Russland waren an diesem Abend im Aquatic Centre die professionellsten aller Teilnehmer, sie zeigten nicht nur komplizierte und teils atemraubende Sprünge, sie machten einfach keinen einzigen Fehler und kämpften bis zum letzten Sprung um Gold. Es gewann am Ende Zakharow, mit 555,9 Punkten und exakt 4,15 Zählern Vorsprung.

Zakharow hatte sich das schwierigste Finalprogramm ausgesucht: Während alle Springer mindestens einen Versuch mit dem Schwierigkeitsgrad 3,0 im Repertoire hatten, besaßen die Sprünge des Russen jeweils mindestens einen Multiplikator von 3,4. Er agierte wie Qin Kai sowohl in der Luft als auch beim Eintauchen nahe an der Perfektion, aufgrund der höheren Schwierigkeit lag er am Ende vorne.

Bronze gewann He Chong, der gemeinhin nicht nur als Profi bekannt ist, sondern gar als "supernatural boy", als übernatürlicher Junge, versemmelte gleich seinen ersten Sprung. Er war kaum zu beruhigen, er schaffte nur noch solide Versuche.

Patrick Hausding leistete sich keine großen Fehler, bei vier Sprüngen jedoch jeweils einen kleinen, was am Ende auf Rang vier bedeutete. Hausding, beim Synchronspringen vom Zehn-Meter-Turm in London Siebter, hatte im Halbfinale den sechsten Platz erreicht, dabei aber wie schon im Vorkampf auf seinen schwersten Sprung verzichtet, den zweieinhalbfachen Vorwärtssalto mit dreieinhalb Schrauben.

Den wollte er erst beim dritten Durchgang im Finale präsentieren: "Ich bin bislang sehr zufrieden und habe mir fürs Finale auch noch ein bisschen Luft gelassen." Sein Trainer Lutz Buschkow hatte ergänzt: "Das war eine sehr starke Leistung. Für den Medaillenbereich muss man aber im Finale alles riskieren."

Der 33 Jahre alte Hausding wusste also, dass er bei allem Risiko nur keinen Fehler machen durfte, um eine Chance zu haben. Er begann mit zwei eher unkomplizierten Sprüngen - ein zweieinhalbfacher Rückwärtssalto und ein dreieinhalbfacher Vorwärtssalto -, die er souverän, aber eben nicht fehlerfrei absolvierte.

Dann kam dieser schwierige Sprung. Und Hausding schaffte ihn mit kleinem Wackler beim Abtauchen. Zur Hälfte des Finales lag er auf Platz sechs, eine Medaille war durchaus möglich. Nach dem vierten Durchgang dann blickte er nach oben zu Buschkow und wackelte mit der Hand - eine Geste, die bedeutete: Richtig zufrieden war er nicht, es waren eben stets kleinere Ungenauigkeiten dabei.

Ihm gelangen noch zwei sehenswerte und beinahe perfekte Sprünge, doch waren die Konkurrenten vor ihm einfach ein wenig besser. Weniger zufrieden war er deswegen nicht: "Das war ein super Wettkampf. Ich habe mit der Weltspitze gut mitgehalten und habe Hoffnung, dass es weiter aufwärts geht", sagte Hausding. "Es ist lange her, dass wir im Kunstspringen so knapp eine Medaille verpasst haben. Patrick hat gezeigt, dass er zur absoluten Weltspitze gehört", sagte Bundestrainer Buschkow.

Natürlich, das muss an dieser Stelle gesagt werden, agierten alle Finalteilnehmer äußerst professionell, doch im Weltbild des Ryan Lochte gilt wohl nur Zakharow als wahrer Profi.

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