Süddeutsche Zeitung

Stefan Effenberg in Paderborn:Ja, er ist es wirklich!

  • Stefan Effenberg wird in Paderborn als neuer Trainer vorgestellt, das Interesse ist riesig.
  • Der Ex-Nationalspieler startet mit selbstbewussten Sprüchen.

Von Saskia Aleythe

Erste Arbeitstage sind nicht immer ein Vergnügen. Stefan Effenberg war noch auf Mallorca, als er entschied, der Mittelmeersonne dauerhaft den Rücken zu kehren, um seine Trainerkarriere zu starten. Beim Zweitligisten SC Paderborn. Also stieg Effenberg ins Flugzeug, flog von der Urlaubsinsel nach München, von dort ging es weiter Richtung Ostwestfalen. Statt Sonnenstrahlen gab es dort: viele kleine Schneeflöckchen. "Das Wetter war hervorragend, alles war weiß", sagte Effenberg auf seiner ersten Pressekonferenz in Paderborn. "Ich dachte, ich lande in Norwegen".

Getrocknet und frisch frisiert erschien Effenberg im grauen Anzug auf dem Podium. Die Kameras klickten, Effenberg schaute ernst, mit leicht süffisantem Lächeln. Sein erster Satz: "Ja, ich bin es wirklich!" Und er war es wirklich. Präsident Wilfried Finke hatte mit der Verpflichtung des extrovertierten Ex-Nationalspielers Fragen aufgeworfen: Passt einer wie Effenberg zu diesem unaufgeregten Zweitligisten? Und wie soll einer ohne Trainererfahrung einem strauchelnden Klub wieder nach oben helfen?

Effenberg soll der Motivator sein

Er habe sich mal in der Historie zurückbewegt, holte Finke aus, "113 gelbe Karten hat Stefan Effenberg in seiner Karriere bekommen, das heißt also auch: Da war der Angriff des Gegners vorbei. Das ist das, was unserem Team zuletzt gefehlt hat." Finke meinte das auch im übertragenen Sinne, offiziellen Angaben zufolge waren es sogar 114 gelbe Karten, aber worauf es ihm ankam, ist die Entschlossenheit des neuen Trainers. Er wollte Effenberg als Motivator: "Nur Alphatiere eignen sich zur Führung einer Gruppe."

Dass er seine Mission klar verstanden hat, gab Effenberg sogleich zu verstehen. "Es ist meine Aufgabe, die Jungs wieder zu Helden zu machen. Dafür werden wir hart arbeiten, aber auch wieder mit Spaß und Freude, das hat mir gefehlt", sagte er in seiner Amtsansprache. "Man sollte nie aufgeben, egal was man macht." Der Bundesliga-Absteiger ist auf Rang 15 abgerutscht, nur zwei von zehn Spielen konnte die neu formierte Mannschaft bisher gewinnen. Das Ziel für die kommenden Monate? "Wir werden den Blick immer nach vorne richten, nicht zur Seite oder nach hinten. Ich bin überzeugt, dass es so viel Qualität im Kader gibt, dass es nach oben geht."

The New One

Welcher Trainertyp er denn nun sei, wurde der Ex-Bayern-Spieler noch gefragt, in Anlehnung an Jürgen "The Normal One" Klopps Vorstellung in Liverpool. Er sei "The New One", sagte Effenberg, definierte sich aber dann doch noch stärker: "Die höchste Priorität hat, dass man mit den Spielern redet, durch die Gespräche werden sie das Selbstbewusstsein zurückgewinnen." Wobei es ihm schon darauf ankomme, eine gute Mischung mit ins Team zu bringen, zwischen Taktiktüfteleien und Führungsqualitäten. Für Ersteres hat er Sören Osterland als Co-Trainer an seine Seite geholt, "er ist ein Experte am Laptop".

2012 machten beide zusammen den Trainerschein "er hat auch viel für mich geschrieben beim Lehrgang", sagte Effenberg und musste gleich wieder ein Missverständnis aus dem Weg räumen: "Also, ich habe es vorgegeben und er hat es abgetippt. Nicht, dass wir uns da falsch verstehen. Hätte ich selber getippt, würde ich heute noch sitzen in dem Lehrraum."

"Fahrradfahren kann ich auch ohne Stützräder"

Effenberg liebt den öffentlichen Auftritt, ob in München oder Paderborn, das scheint ihm tatsächlich egal zu sein. Überhaupt sei da gar kein großer Widerspruch zwischen einem wie in ihm und dieser überschaubaren Stadt, natürlich werde er in Paderborn leben, sagte Effenberg. Dass er auch ohne Führerschein gut zum Trainingsgelände finden werde, darüber müsse man sich ebenso keine Gedanken machen. "Ich bin auch noch ganz gut zu Fuß, Fahrradfahren kann ich auch ohne Stützräder."

Der Temperatursturz am ersten Arbeitstag schien Stefan Effenberg dann doch nicht so viel auszumacht. Er habe sich sofort wohl gefühlt bei seiner Ankunft. Dass er Paderborn nur als Sprungbrett in die Bundesliga sehen würde, davon distanzierte er sich. Eine Ausstiegsklausel im bis Juni 2017 laufenden Vertrag gebe es nicht. "Da ist kein Hintertürchen drin", sagte Effenberg. "Ich bin erst mal nur froh, hier zu sein."

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