Süddeutsche Zeitung

Neuer Trainer bei Hertha BSC:Aus Moskau nach Berlin

Sandro Schwarz, der auch nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs Trainer bei Dynamo Moskau blieb, unterschreibt einen Zweijahresvertrag bei Hertha BSC - und soll dort für offensiven Fußball sorgen.

Von Javier Cáceres, Berlin

An Trainern hatte der Bundesligist Hertha BSC in letzter Zeit keinen Mangel. Am Ende der vergangenen Saison, in der sich die Berliner durch den Sieg in der Relegation gegen den Hamburger SV in der ersten Liga hielten, stand nicht nur Felix Magath auf der Gehaltsliste der Berliner, sondern auch noch Bruno Labbadia und Tayfun Korkut; Pal Dardai wiederum, der zu Beginn der Spielzeit bei der Hertha auf der Bank gesessen hatte, reaktivierte seinen unbefristeten Vertrag für den Akademie-Bereich.

Zur neuen Saison hat Herthas erste Mannschaft nun wieder einen Trainer: Sandro Schwarz, 43, ehedem Trainer bei Mainz 05 (Juli 2017 - November 2019) und bis zum Wochenende Coach beim russischen Meisterschaftsdritten und Pokalfinalisten Dynamo Moskau.

Wie die Hertha am Donnerstag mitteilte, unterschrieb Schwarz einen Vertrag bis 2024. Er soll "für aktiven, vorwärtsgewandten Fußball" sorgen, kündigte Manager Fredi Bobic an. "Der Verein hat eine schwierige Zeit hinter sich. Das mit Arbeit, Freude und viel Energie zum Positiven zu wandeln, darauf freue ich mich jetzt total", wurde Schwarz in der Hertha-Mitteilung zitiert. Die offizielle Vorstellung ist für den 20. Juni vorgesehen, am Freitag will sich Schwarz aber schon in einer digitalen Runde den Medien stellen.

Dabei dürfte es gewiss auch darum gehen, dass er bis zuletzt als Trainer in Russland verlieb, was von Teilen der Anhängerschaft kritisch gesehen wird - zumal von jenen, die Hilfsaktionen für die Ukraine ins Leben gerufen haben. Während Daniel Farke (FK Krasnodar) und Markus Gisdol (Lokomotive Moskau) unmittelbar nach dem Angriff auf die Ukraine ihre Engagements in Russlands beendeten, blieb Schwarz da. Sein Assistenztrainer wiederum, der bis heute von den Dynamo-Fans als Legende verehrte Ukrainer Andrej Voronin, hatte Russland Hals über Kopf verlassen. Dem Vernehmen nach hatte die Vereinsführung von Dynamo damit gerechnet, dass auch Schwarz geht. Die Mannschaft habe aber Schwarz bedrängt, bei Dynamo zu bleiben, sagen Schwarz-ferne Quellen, die mit dem Vorgang vertraut sind.

Voronin hatte unlängst in Interviews mit der BZ und dem offiziellen Hertha-Internetportal um Verständnis für Schwarz geworben. "Allen, die glauben, er wäre nur wegen des Geldes da, sage ich: Ihr kennt ihn nicht. Geld ist ihm sch...egal. Wenn es ihm nur um Geld gehen würde, könnte er ja einfach weitermachen. Er hat noch zwei Jahre Vertrag", sagte Voronin. Dem Vernehmen nach hatte er sich Hoffnungen auf eine neuerliche Zusammenarbeit mit Schwarz in Berlin gemacht; er war auch bei Hertha als Profi aktiv. Nach SZ-Informationen stand eine Verpflichtung Voronins nicht zur Debatte.

Schwarz hatte nach der Pokalniederlage in Moskau erklärt, "immer" gesagt zu haben, seiner "Verantwortung gerecht" werden zu wollen- "immer mit dem Wissen, ganz klar, was Schreckliches in der Welt passiert", wie seine den Umständen geschuldete, gedrechselte Anspielung auf den Krieg lautete. Er habe "sehr früh als Mensch, nicht als Trainer, die Entscheidung getroffen", besagte Verantwortung "nur bis zu einem gewissen Zeitpunkt erfüllen" zu können. Das sei nun vorbei, sagte Schwarz.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5596410
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/bek
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.