Süddeutsche Zeitung

Skurrile Verletzungen von Sportlern:Die Gefahr lauert hinterm Duschvorhang

Die Tennisspielerin Beatriz Haddad Maia verletzt sich so schwer im Bad, dass sie nicht zum Turnier antreten kann - die Brasilianerin ist nicht die Einzige aus der Welt des Sports, die auf skurrile Weise außer Gefecht gesetzt wird.

Von Gerald Kleffmann

Der Moment muss höllisch wehgetan haben. Man stelle sich vor: Da ist man beim Duschen, öffnet die Tür, ein Knall - plötzlich steht man blutüberströmt da! So erging es gerade der armen Beatriz Haddad Maia, die eigentlich schon einiges erlebt hat. Einmal hatte die Brasilianerin wegen einer positiven Dopingprobe für zehn Monate pausieren müssen, keine Ahnung, wo das bisschen Anabolika herkam, geht jedem so. In diesem Jahr stand sie bei den French Open im Halbfinale, sie ist in ihrem Beruf inzwischen richtig gut, ja, 18. der Welt gar, tudo bem! Tudo bem? Nein, nein, denn so etwas wie in Guadalajara ist ihr noch nie passiert.

"Als ich aus der Dusche steigen wollte, ist die Tür einfach aufgeschlagen", teilte die 27-Jährige nun mit. Die Glasscheibe sei quasi explodiert. Ein Foto auf Instagram zeugte von der Schwere der Verletzung an den Händen. Im Krankenhaus nahm man sich ihrer an, die Schnittwunden wurden verarztet, natürlich musste sie aufs WTA-Turnier in Mexiko verzichten. "Nach dem Schrecken geht es mir wieder gut", ließ sie ihre 373 000 Follower wissen, "das hätte noch ernster sein können." Eines Tages, hoffentlich, kann sie darüber schmunzeln. In die Liste der skurrilsten Verletzungen, die Sportlern abseits ihres Berufs widerfahren, schafft es wirklich nicht jeder.

Um kurz ernster zu werden, sei auf eine Überschrift eines Online-Textes bei einem bedeutenden Unfallversicherer verwiesen, der höchstwahrscheinlich nicht ohne Grund seinen Stammsitz in Hannover hat, wo die leidgeplagten Kicker der 96er oft Schadensfall an Schadensfall reihen. Die Hannoversche jedenfalls titelte: "Ihr Zuhause - der gefährlichste Ort der Welt", und wer das für eine Dramatisierung hält, sollte sich diese Zahlen zu Gemüte führen: Weltweit verunfallen, so der Versicherer, 2,8 Millionen Menschen in den eigenen vier Wänden. 8000 sterben gar dabei.

Lustig ist dieses Thema also nur bedingt, aber insofern eben doch relevant, weil diese Statistiken vielleicht auch als Trost für all die berühmten Sporthelden und -heldinnen da draußen dienen können. Sie sind wahrlich nicht alleine mit ihren tölpelhaft anmutenden Schicksalen, keinesfalls müssen sie sich ihrer Unfälle, die ein verstohlenes "Hö-Hö" beim normalsterblichen Erdenbürger hervorlocken, schämen. Wir wissen doch: Ihr Stars und Superstars seid auch nur Menschen, die im Bad ausrutschen!

Einmal Müll wegbringen - Hexenschuss! Mit dem Fuß nach der Fernbedienung angeln - Bänderriss!

Frag nach bei Roger Federer, seines Zeichens Tennisgott, im Frühjahr 2016 indes war er nur ein Vater, der den Zwillingstöchtern Badewasser einließ. Eine unglückliche Bewegung, zack - da habe er, der sonst über die Plätze schwebte, ein "Klicken" im Knie gehört. Der Meniskus hatte sich verabschiedet. Natürlich, so ist das bei überirdischen Wesen, wurde Federers Auferstehung 2017 bei den Australian Open umso größer. Ein derartiges Happy End war dem Footballer Chris Hanson nicht vergönnt, der in die Schlagzeilen geriet, weil ihm und einem Kollegen ein Fonduetopf entglitt und er sich verbrannte. Seine Karriere musste er beenden, weil er sich beim Hacken eines Holzblocks verletzte, angeblich während einer Teambesprechung.

Es gibt offenbar nichts, was es nicht gibt: Der Ex-Fußballer Michael Schulz brachte Müll weg - Hexenschuss. Torwart Oliver Reck fiel die Seifenschale auf den Fuß - Platzwunde. Der Brite Darius Vassell wagte sich an Heimarbeit - Zehnagel mit der Bohrmaschine durchbohrt. Der Spanier Carlos Busquets, einst Torwart beim FC Barcelona und Vater von Sergi, fing ein umgekipptes glühendes Bügeleisen auf - Hände verbrannt (es gab aber auch das Gerücht, er sei beim Motorradfahren gestürzt). Santiago Cañizares, auch Torwart aus Spanien, wollte sich frisch machen, das Eau de Cologne fiel runter - Splitter im Bein, WM-Aus 2002.

Glimpflich fast der Fall des Basketballers Lionel Simmons. Der zockte zu viel Gameboy - Sehnenscheidenentzündung. Zu erwähnen auch diese Begebenheit, die der Spiegel so bündelte: "Besonders schön war aber dieser Wohnzimmer-Unfall: Robbie Keane von den Wolverhampton Wanderers angelte, sich lässig auf dem Sofa vor dem Fernseher lümmelnd, mit dem Fuß nach der Fernbedienung. Die niederschmetternde Diagnose des herbeigerufenen Arztes: mehrfacher Bänderriss." Ist da ein Hö-Hö zu hören?

Übrigens, auch kurz austreten und ums Haus rennen, birgt Risiken. Der norwegische Fußballer Svein Grøndalen kollidierte beim Joggen mit einem Elch, ein Länderspiel verpasste er, also Grøndalen, nicht der Elch. Man kann nur jedem Athleten raten: Augen auf nach Abpfiff und Matchball. Zu Hause lauern die wahren Gegner.

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