Süddeutsche Zeitung

Playoff-Viertelfinale in der BBL:Bayern-Basketballer erzwingen fünftes Spiel

Sogar Usain Bolt, der schnellste Mann der Welt, war gekommen und konnte eine deutliche Leistungssteigerung der Bayern-Basketballer bewundern: Das Team von Coach Dirk Bauermann besiegt die Artland Dragons 82:71 und erzwingt im Playoff-Viertelfinale das entscheidende Spiel fünf.

Andreas Burkert

In der Halbzeitpause sollten die 6243 Besucher im Münchner Basketball-Dome eigentlich einem sogenannten "König der Jongleure" zuschauen, der da im Scheinwerferlicht Kunststücke vorführte. Aber wem sie wirklich zusahen, brachte der Jubel über einen Mann ans Licht, der im Dunklen mit erheblichem Ehrgeiz auf den Korb warf: Usain Bolt, der schnellste Mann der Welt, hatte einen Dreier-Versuch versenkt, die Menschen schrien begeistert.

20 Spielminuten später ist ihre Laune noch besser gewesen, denn mit dem 82:71 im vierten Playoff-Viertelfinale gegen die Artland Dragons glich der FC Bayern die Serie zum 2:2 aus. Die Saison des ambitionierten BBL-Neulings ist damit noch nicht vorbei - an diesem Donnerstag, 17.05 Uhr, kommt es nun in Quakenbrück zum entscheidenden fünften Duell um den Halbfinaleinzug.

Die Brose Baskets aus Bamberg werden sicher ganz genau hinschauen, wie der Showdown endet. Denn der deutsche Meister gewann seine vierte Partie in Bonn 84:82 (44:38), schaffte damit das 3:1 und wartet nun auf der Couch auf den nächsten Gegner.

Auch das zweite Semifinale ist bereits fix: Der Vorrunden-Zweite Ulm trifft nun tatsächlich auf den zweiten starken Aufsteiger aus Würzburg, die Baskets entschieden mit dem 66:60 in eigener Halle die Serie gegen den ewigen Titelkandidaten Alba Berlin für sich; der Mannschaft von Coach John Patrick gelang durch das 3:1 über den zuletzt nur noch mit Larmoyanz ("Metzger-Basketball") auffälligen Hauptstadtklub ein echter Coup - im Duell mit Ulm kämpfen jetzt die beiden Überraschungsteams dieser BBL-Saison um den Finaleinzug.

In München begannen die Bayern um Coach Dirk Bauermann, als habe sie das 67:83 in Spiel drei am Wochenende in ihrer Ehre verletzt. Vor allem Spielmacher Steffen Hamann, den sie ja in Quakenbrück zur Unperson erklärten nach seiner Einlage gegen den später sanktionierten Artland-Guard David Holston, trat daheim befreit auf. Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der sich vor dem Knüller seiner Fußballer gegen Chelsea selbstverständlich beim Thriller gegen die Drachen ablenkte, hatte vor der Partie mit Holston, Fans und dem eigenen Hallensprecher gesprochen, damit diesmal keine feindselige Atmosphäre aufkam.

Holston sagte er: "Wir wollen hier Sport machen - und sonst gar nichts." Hamann gehorchte der Vorgabe unbedingt. Sieben Punkte gelangen dem Kapitän im ersten Viertel (am Ende 13), in dem sich die Bayern über 19:9 bis auf 30:16 absetzten.

Im Gegensatz zur dritten Partie trafen die Gastgeber zumindest zu Beginn sicher aus der Distanz und beherrschten diesmal die Bretter. Allein Jared Homan sammelte dort schon bis zur Pause zehn Rebounds und ebenso viele Punkte. Demond Greenes Verteidigung sorgte auf der anderen Seite dafür, dass Holston bis Mitte des zweiten Abschnitts auf seine ersten Zähler warten musste.

Erst kurz vor der Halbzeit fanden die Dragons besser in die Partie, und in die Kabine gingen die Bayern mit einem seltsamen Gefühl: Nur fünf Punkte Vorsprung (44:39), trotz einer guten Leistung. Das konnte eng werden.

Und nach dem Wechsel wurde es eng Holston traf seinen ersten Dreier, Kollege Brandon Thomas noch einen zum 50:52, Darren Fenn verkürzte zum 57:58 (29.) - die Gäste drängten auf die Führung. Aber vor allem Homan (20 Punkte) hatte etwas dagegen, der kräftige US-Center gab zwischendurch fast den Alleinunterhalter in der Zone. Er traf mit seinen einfachen Bewegungen am Brett oder im Nachsetzen, die sprungstarken Artland-Athleten wie Nathan Peavy fanden einfach nie die richtige Distanz. Entlastung lieferten außerdem der 35-jährige Altmeister Aleksandar Nadjfeji (11 Punkte) und Jonathan Wallace (13), der in Bauermanns wechselhafter Rotation nach dem späten Einsatz vom Samstag wieder früh mehr Spielanteile erhielt.

Auch Chevon Troutman (12) und Je'Kel Foster (13) punkteten zweistellig. Diese Ausgeglichenheit und eine sehr leidenschaftliche Manndeckung zeigten Wirkung: 69:57 führten die Bayern nach einem 11:0-Lauf (34.), und statt Greene legte nun Bastian Doreth den zunehmend entnervten Holston (6 Punkte) an die Kette. "Die Mannschaft hat ihre Aggressivität und Herz zurückgefunden", lobte Bauermann sein Team. Artland-Coach Stefan Koch bezeichnete dagegen das eigene Spiel als "pomadig und arrogant", seine Männer hätten "dieses Spiel begonnen, als ob wir in dieser Serie schon etwas erreicht hätten". Aber so weit ist es noch nicht - die Playoff-Bärte, die sich die Münchner haben stehen lassen, bleiben dran.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1358723
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 16.05.2012/ebc
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.