Süddeutsche Zeitung

Handball bei Olympia:Zwei verhängnisvolle Fehler

Die deutschen Handballer kämpfen sich gegen Frankreich zurück - und verlieren doch wieder mit einem Tor Unterschied. Mancher Spieler stellt nun die Frage: Können wir es einfach nicht gegen die Großen?

Von Saskia Aleythe, Tokio

Ein Handballtrikot ist kein guter Ort zum Verstecken - die Aufdrucke, der Platz - aber Paul Drux versuchte es trotzdem. Er zog sich das T-Shirt über den Kopf, doch als er wieder daraus hervorlugte, war der Endstand des dritten Gruppenspiels bei Olympia immer noch derselbe. 29:30 (13:16) gegen Frankreich, das war ein mehr als respektables Ergebnis, aber klar war auch: Das hätte viel besser enden können für die deutsche Mannschaft. Frankreichs Kentin Mahé gab sogar zu: Ein Unentschieden wäre "vielleicht gerechter gewesen".

Dass nichts daraus wurde, hat mit Drux zu tun und auch wieder nicht, so ist das in dieser Mannschaft: Gerade noch sind die Spieler dabei, mit großen Schritten den Gipfel zu erklimmen, doch kurz vor dem Gipfelkreuz folgt dann ein Stolpern, und sie rutschen den Berg wieder hinab. Oder, um es mit den Worten von Hendrik Pekeler zu sagen: "Wir sind am Ende einfach immer nicht cool genug."

Wenige Minuten vor Schluss hatte Drux für die Szene des Spiels gesorgt: Nach einer Parade von Torhüter Andreas Wolff schickte er den Ball über das ganze Feld in hohem Bogen zu Rechtsaußen Timo Kastening; es war ein perfekter Pass, ein mutiger dazu. Kastening verwandelte zum 28:28. Dann folgten die entscheidenden Minuten, gegen Drux verteidigte die französische Abwehr hart, zwei Pässe des Berliners landeten im Seiten-Aus. Frankreich nahm das Geschenk zum Sieg gerne an. Schon in der Auftaktpartie gegen Spanien hatte ein 27:28 die Gemüter der Deutschen getrübt. Was bei manchem jetzt das Gefühl verstärkte, es gegen die großen Teams einfach nicht packen zu können. "Welche Mannschaft macht schon so einfache technische Fehler am Schluss?", fragte Pekeler.

Das Team steht nun gegen Norwegen am Freitag und Brasilien am Sonntag unter Druck

Ein Problem mit den Nerven wollte Bundestrainer Alfred Gislason nicht als Ursache für die Niederlage gelten lassen, er betrachtete die ganze Partie: Nach schlimmem Start mit vielen Fehlpässen und schlecht platzierten Würfen hatte sein Team mit 7:14 (23. Minute) hinten gelegen, es kämpfte sich dann beachtlich zurück gegen den Rekordweltmeister. Erfolgreichster Torschütze war Kastening mit sieben Treffern. In der zweiten Halbzeit hielt Steffen Weinhold im Zusammenspiel mit den Kreisläufern die deutsche Auswahl im Rennen, auch Drux stürzte sich furchtlos in die Abwehrreihen. Am Ende habe ihnen die Kraft gefehlt, sagte der 26-Jährige, der Bundestrainer stimmte zu.

Nach der zweiten Niederlage steht das Team nun gegen Norwegen am Freitag und Brasilien am Sonntag unter Druck, die besten Vier der Sechsergruppe kommen ins Viertelfinale. "Wenn man Vierter wird, ist es so gut wie sicher, dass man auf Dänemark trifft", sagte Gislason. Der Weltmeister also. Noch so eine große Mannschaft.

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