Süddeutsche Zeitung

01:59:40:Eliud Kipchoge läuft als erster Mensch den Marathon unter zwei Stunden

  • Der Kenianer Eliud Kipchoge ist als erster Mensch der Geschichte den Marathon unter zwei Stunden gelaufen.
  • Bei einer Art "Laborrennen" am Samstag in Wien brauchte der 34-Jährige 1:59:40 Stunden für die 42,195 Kilometer.
  • Ein offizieller Weltrekord ist die Zeit jedoch nicht, da die Bedingungen nicht den Regeln des Leichtathletik-Weltverbandes entsprechen.

Der Kenianer Eliud Kipchoge ist als erster Mensch einen Marathon in weniger als zwei Stunden gelaufen. Der 34-Jährige brauchte für die 42,195 Kilometer am Samstag in Wien 1:59:40 Stunden. Damit hat Kipchoge eine der berühmtesten Schallmauern im Sport durchbrochen - ein Weltrekord ist die Zeit aber nicht. Kipchoge lief quasi unter Laborbedingungen und unter anderem von 41 Tempomachern unterstützt durch die österreichische Hauptstadt. Der offizielle Weltrekord liegt bei 2:01:39 Stunden, aufgestellt von Kipchoge selbst 2018 beim Marathon in Berlin.

Die Zeit von 1:59:40 Stunden entspricht 422 Mal nacheinander 100 Meter in etwa 17 Sekunden oder 42 Mal in Serie einen Kilometer in 2:51 Minuten. Kipchoge gilt schon lange unter Experten als bester Marathonläufer der Geschichte.

"Ich bin der glücklichste Mensch", sagte Kipchoge im Ziel bei Eurosport. "Ich habe gezeigt, dass es kein Limit gibt, wenn man nur will." Über seine Vorbereitung sagte er: "Ich bin gegen 21 Uhr ins Bett gegangen und um 3.00 Uhr aufgewacht. Ich bin dann nur kurz zur Toilette gegangen und habe mich wieder hingelegt. Um zehn vor 5.00 Uhr bin ich dann aufgestanden. Ich denke, die härteste Zeit meines Lebens war zwischen 5.00 und 8.15 Uhr. (...) Zum Frühstück gab es Haferflocken."

Mit dem Erfolg vom Samstag hat der Rio-Olympiasieger seiner medaillenreichen Karriere die nächste, vielleicht schillerndsten Bestmarke hinzugefügt. Der Chemiekonzern Ineos als Veranstalter hatte enorm viel Zeit und Geld in die Bemühungen investiert, Kipchoge bei der "ineos159challenge" perfekte Bedingungen zu ermöglichen. Erst am Mittwoch wurde der Tag des Versuchs endgültig festgelegt, die Startzeit nach genauer Analyse der zu erwartenden Wetterbedingungen sogar erst am Freitag.

Dass Wien als Austragungsort gewählt wurde, lag unter anderem an dem geringen Zeitunterschied von nur einer Stunde zwischen Österreich und Kenia. So musste Kipchoge seine alltäglichen Gewohnheiten nicht großartig umstellen. Zudem war laut den Veranstaltern die Wahrscheinlichkeit für niedrige Temperaturen und niedrige Luftfeuchtigkeit am Morgen hoch. Kipchoge startete letztlich bei neun Grad Außentemperatur auf der Reichsbrücke im vernebelten Wien.

Die Strecke im Wiener Prater war zudem dank Asphaltierungsarbeiten in bestem Zustand, die vielen Bäume ringsherum boten Kipchoge und seinen Tempomachern zudem Schutz. Der Lauf wurde auf einem 9,6 Kilometer langen Rundkurs ausgetragen. Beim mehrfachen Wendepunkt wurde zur Schonung Kipchoges eine kleine Steilkurve geschaffen. Dadurch seien etwa 13 Sekunden einzusparen, hieß es vor dem Lauf. Kipchoge und die Tempomacher wurden auf der gesamten Strecke zudem von einem Auto begleitet, von dem aus per Laser eine Orientierungshilfe für die nötige Geschwindigkeit auf die Straße projiziert wurde.

Um den Rekord zu schaffen, musste Kipchoge jeden der fast 42 Kilometer in durchschnittlich 2:51 Minuten zurücklegen. Das entspricht einer Geschwindigkeit von etwas mehr als 21 Stundenkilometern - eine Marathondistanz lässt sich für Hobbysportler selbst auf dem Fahrrad nicht selbstverständlich in diesem Tempo zurücklegen. "Ich laufe, um Geschichte zu schreiben", hatte Kipchoge gesagt. "Ich will den Menschen zeigen, dass es keine Grenzen gibt." Einen Erfolg in Wien verglich er gar mit den ersten Schritten auf dem Mond.

Auch wenn die neue Bestmarke von Kipchoge nicht als Weltrekord anerkannt wird, war dem Kenianer die mediale Aufmerksamkeit sicher. Mehr als 300 Medienvertreter hatten sich nach Veranstalterangaben angekündigt, um das Spektakel zu verfolgen. Entlang der gesamten Strecke wurde Kipchoge zudem von zahlreichen Fans und auch vielen Sportlern nach deren eigenen Morgenläufen angefeuert.

Das Ziel, die Zwei-Stunden-Schallmauer zu durchbrechen, verfolgt der Kenianer, der 2003 vor seinem Wechsel auf die Marathon-Distanz Weltmeister über 5000 Meter geworden war, bereits seit einigen Jahren. Einen ersten Versuch absolvierte der Weltrekordler, der seine Strecke seit Jahren nach Belieben dominiert, 2017 bei einem vom Ausrüster Nike vermarkteten Rennen auf der Formel-1-Strecke in Monza (Italien). Er verpasste das Ziel jedoch denkbar knapp - für die 42,195 Kilometer brauchte er damals 2:00:25 Stunden.

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Sz.de/dpa/schm
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