Süddeutsche Zeitung

Bundesliga:Leipzig glänzt in der Herbstsonne

  • Beim 0:3 in Leipzig spielt Bayer Leverkusen erneut viel zu schwach, um sich in der Bundesliga nach oben zu arbeiten.
  • Die Leipziger zeigen flotten Fußball und überholen in der Tabelle den FC Bayern.

Drei Tage nach der Europa-League-Niederlage im Glasgower Celtic-Park hat sich RB Leipzig am Sonntag mit einem Sieg in die Länderspielpause verabschiedet. Durch ein 3:0 (1:0) gegen Bayer Leverkusen setzte sich die Mannschaft in der Tabelle auf den Champions-League-Plätzen fest; für die Leipziger stehen nunmehr zehn Bundesligaspiele in Serie ohne Niederlage zu Buche. Die Leverkusener hingegen finden keinen wirklichen Weg aus der Krise: In den letzten fünf Liga-Spielen konnten sie gerade mal einen Sieg verbuchen, beim 6:2 in Bremen.

Leverkusens Trainer Heiko Herrlich, dessen Mannschaft am Donnerstag im Gegensatz zu Leipzig die K.-o.-Runde in der Europa League erreicht hatte, nahm fünf personelle Wechsel vor. Das war nichts im Vergleich zu seinem Leipziger Kollegen Ralf Rangnick, der zum wiederholten Mal kaum einen Spieler in seiner Elf beließ. Er wechselte im Vergleich zur Partie in Schottland auf acht Positionen. Unter anderen kehrte der zuletzt angeschlagene Timo Werner zurück in die Startelf - pünktlich zum DFB-Testspiel gegen Russland, das am Donnerstag in Leipzig stattfinden wird und bislang nur auf mäßiges Interesse stößt. Am Wochenende waren keine 30 000 Karten verkauft.

Sehr viel mehr Zuschauer waren auch am Sonntagnachmittag in Leipzig nicht zugegen, trotz hübscher Herbstsonne. Was sie sahen, war eine Partie, die erst vom Videoschiedsrichter (VAR) in Köln wachgeküsst werden musste. Denn was zunächst zu begutachten war, waren vor allem funktionierende Abwehrreihen.

Sowohl Herrlich wie auch Rangnick hatten ihren Mannschaften für die Partie erkennbar aufgetragen, vor allem den Rückspiegel zu fixieren - und sich erst in zweiter Linie um strukturierte Spielzüge nach vorne zu kümmern. Entsprechend waren Torgelegenheiten kaum zu sehen - mit Ausnahme eines 14-Meter-Schusses von Timo Werner (11.), den Leverkusens Torwart Lukas Hradecky zur Ecke lenkte, sowie eines Fast-Eigentors von RB-Verteidiger Stefan Ilsanker (14.) nach Flanke von Julian Brandt. Dann kam besagter Funkruf aus dem Keller in Köln.

Nach 27 Minuten hatte Leipzigs Diego Demme die erste Eingebung des Spiels gehabt. Er lupfte einen Ball in den Strafraum, den der Däne Yussuf Poulsen über den herausstürzenden Hradecky spitzelte. Der Schiedsrichterassistent hob die Fahne. Doch der Videoschiedsrichter hob die irrtümliche Abseitsentscheidung auf, verhalf den Leipzigern damit doch zur 1:0-Führung, die für Poulsen gleichbedeutend war mit dem fünften Saisontor, und der Partie zu einer neuen Perspektive.

Leverkusen viel zu schematisch

Denn mit einem Mal war Rhythmus spürbar. Erst hätte ein Konter über Timo Werner, der Leverkusens Innenverteidiger Jonathan Tah mit Rhythmuswechseln aus der Balance brachte, fast zum 2:0 geführt. Kevin Kampl, früherer Leverkusener und am Sonntag Kapitän der Leipziger, schoss aber nur ans Außennetz (31.). In der 35. Minute setzte sich dann Kai Havertz auf der linken Angriffsseite durch, schoss den Ball aber mit dem Außenrist über das Gehäuse der Leipziger.

Nach der Halbzeitpause brachte Herrlich den Jamaikaner Leon Bailey, um seinen Team zu größerer Tiefe und Schnelligkeit zu verhelfen. Abwehrspieler Tin Jedvaj musste weichen; Herrlich stellte von einer Dreier- auf eine Viererkette um. Doch RB nahm die Fanale der Leverkusener mit der Ruhe hin, die vier Bundesligaspiele in Serie ohne Gegentor verleihen.

Die Leipziger überließen ihren Gästen den Ball, doch die Minuten verstrichen, ohne dass die Leverkusener zu Chancen gekommen wären. Deren viel zu schematisch vorgetragenen Angriffe prallten an der kompakten Defensivformation der Leipziger ab wie Regentropfen an einer frisch gewachsten Jacke.

Bar jeder Idee versuchten es die Leverkusener verstärkt mit langen und hohen Bällen in die Spitze, die aber immer wieder von den Hünen der Leipziger Innenverteidigung zurückgeköpfelt wurden. "Wir hatten einen schlechten Spielaufbau, keine Struktur im Spiel nach vorn. Wir haben auch keine Torgefahr entwickelt", musste Coach Herrlich feststellen. Nachdem Leverkusens defensiver Mittelfeldmann Charles Aránguiz durch Dominik Kohr ersetzt wurde, schlug Leipzig zu. Nach einem Einwurf landete der Ball über Marcel Sabitzer bei Lukas Klostermann, der zum 2:0 traf (68.). Herrlich brachte noch den argentinischen Stürmer Lucas Alario (75.

). Doch erst nachdem wenig später Leipzigs Werner einen Konter zum möglichen 3:0 vergeben hatte und es nach menschlichem Ermessen zu spät war, drängten die Leverkusener mit Verve auf ein Tor. Erst scheiterte Bailey mit einem Freistoß aus 20 Metern am sensationell reagierenden RB-Torwart Gulacsi, dann taten es ihm Alario und Julian Brandt nach. Es war schließlich Poulsen, der mit seinem zweiten Treffer der Partie den 3:0-Endstand herstellte. Und die Fragezeichen bei den Leverkusenern nach dem schlechtesten Saisonstart seit 31 Jahren größer werden ließ.

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SZ vom 12.11.2018/jbe
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