Süddeutsche Zeitung

Jürgen Klopp als möglicher Bayern-Trainer:"Wieso soll ich mir das nicht vorstellen können?"

  • Seine Dortmunder Zeit ist zu Ende, doch Jürgen Klopp denkt schon an die Zukunft. Auf die Frage, ob er eines Tages den FC Bayern trainieren könnte, findet der Coach eine klare Antwort.
  • In München zieht Karl-Heinz Rummenigge euphorisch Bilanz.

Trainer Jürgen Klopp kann sich prinzipiell vorstellen, irgendwann den großen Dortmunder Rivalen FC Bayern zu betreuen. "Ja klar, wieso soll ich mir das nicht vorstellen können? Ich bin Fußballtrainer. Ich will noch eine Weile arbeiten, aber im Moment ist es schwierig", sagte der 47-Jährige am Samstag vor seinem letzten Heimspiel als Coach des BVB gegen Werder Bremen bei Sky. Bei den Bayern stößt dieses Ansinnen auf offene Ohren. Ehrenpräsident Franz Beckenbauer äußerte: "Ich denke auch, dass wir Jürgen Klopp irgendwann mal beim FC Bayern sehen werden. Aber wann ist der Zeitpunkt? Es wird noch eine Weile dauern, er muss dann frei sein und auch bereit sein, so eine Herausforderung anzunehmen. Vielleicht legt er auch jetzt ein Jahr Pause ein."

Ein günstiger Zeitpunkt wäre, so der Kaiser, "wenn Guardiola irgendwann mal den Verein verlassen sollte. Aber es muss passen". Auch ein Engagement Klopps beim spanischen Rekordchampion Real Madrid kann sich der 69-Jährige durchaus vorstellen. "Jürgen Klopp passt überall hin", sagte Beckenbauer, "ich kenne seine Spanischkenntnisse nicht. Aber jetzt rein vom Fachlichen her - unbedingt! Es gibt neben dem FC Bayern schon noch ein paar Steigerungen."

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat sich derweil vor der Meister-Mannschaft seines Klubs verbeugt. "Ich verneige mich vor euch, ich bin sehr glücklich mit euch", rief Rummenigge dem Team von Trainer Pep Guardiola bei seiner Festrede auf der Feier im Münchner Postpalast zu. "Ich denke, wenn man diese Schale gewinnt, muss man sehr stolz sein", betonte Rummenigge, der von einer "großartigen Leistung" sprach. Während die Spieler den 25. Titel ausgelassen feierten, musste Trainer Pep Guardiola von Rummenigge zu etwas mehr Engagement animiert werden.

"Komm' vor, versteck' dich nicht", sagte er zu dem Spanier, der sich auf der Bühne hinter seinen Spielern verborgen hielt. Guardiola sei mit dem ersten Triumph nach einer WM seit 1987 Außergewöhnliches geglückt. "Normalerweise bist du ein Jahr tot, du läufst keinen Meter mehr, du bist nicht motiviert. Das, was unser Trainer mit seinem Team dieses Jahr geleistet hat, ist großartig. Vielen Dank dafür, lieber Pep."

Rummenigge schwärmt und hadert

Am Ende seiner rund sechsminütigen Rede gab Rummenigge die Richtung für die Party auf dem "schönsten Balkon der Welt" am Sonntag am Marienplatz vor: "Lasst es krachen, wir geben Vollgas, das hat die Mannschaft verdient!" Unter den Festgästen war neben DFB-Präsident Wolfgang Niersbach auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer. Der CSU-Politiker betonte, die "Weltmarke" FC Bayern habe seinen Fans mit "Weltklassefußball viel Freude bereitet". Am Ende seines Auftritts hatte er noch einen "ganz persönlichen Wunsch": "Denken wir bitte heute Abend auch an unseren Freund Uli Hoeneß."

Für ihre Weltmeister-Profis würden die Bayern eine Pause bei den anstehenden Länderspielen befürworten. "Wir haben jetzt drei Jahre hintereinander, in denen wenig Regeneration stattfinden kann", sagte Rummenigge mit Blick auf die EM 2016, den Confed Cup 2017 und die WM 2018. "Die Burschen werden in den nächsten drei Jahren nach dieser Sommerpause sehr gefordert sein", mahnte er. Er wünsche sich auch eine Zeit zum Durchschnaufen für die vielbelasteten Akteure, weil diese nach dem WM-Triumph nur eine kurze Erholungspause gehabt hätten.

Bundestrainer Joachim Löw wird seinen Kader für die Testpartie gegen die USA am 10. Juni in Köln und drei Tage später in der EM-Qualifikation in Faro gegen Gibraltar am Dienstag nominieren. Man werde sich austauschen, sagte Abwehrchef Jérôme Boateng. "Ob ich frei habe oder noch zu der Nationalmannschaft fahre, entscheidet sich dann. Egal wie es ist: Wir freuen uns alle drauf, dass mal ein bisschen Pause ist." Trainingsstart der Münchner ist der 1. Juli, die jetzt in Länderspielen eingesetzten Nationalspieler steigen am 11. Juli ein.

"Mal schauen, wer irgendwo hin muss oder wer dann fünf Wochen Pause bekommt. Vor allem für die Nationalspieler, die die letzten Jahre sehr viel gespielt haben, wäre es schön, wenn manche eine Pause bekommen würden", sagte der aus dem Nationalteam zurückgetretene Kapitän Philipp Lahm. 14 Bayern-Profis hatten an der WM teilgenommen. Sieben Münchner, darunter auch der später zu Real Madrid gewechselte Toni Kroos, wurden Weltmeister.

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