Süddeutsche Zeitung

Investor Honda beim SV Horn:Japaner erobern Niederösterreich

  • Japans Fußballnationalspieler Keisuke Honda steigt als Investor beim österreichischen Regionalligisten SV Horn ein.
  • Honda will sogar in die Champions League - und bringt viele japanische Talente mit.

Sein Verein ist gerade erst in die dritte österreichische Liga abgestiegen, trotzdem muss Rudolf Laudon nun immer wieder Fragen zur Champions League beantworten. Der 48-Jährige ist Vorstandsobmann beim SV Horn - und der ist alles andere als ein gewöhnlicher österreichischer Regionalligist.

Der Klub aus dem beschaulichen Waldviertel erlebt gerade den größten Umbruch in seiner 93-jährigen Geschichte. Denn der SV Horn wird japanisch. Keisuke Honda, japanischer Nationalspieler und Spielmacher des AC Mailand, ist im Juni mit seiner Firma Honda Estilo als Investor eingestiegen.

Meldungen über Investoren im Fußball gibt es nahezu wöchentlich, doch wenn ein aktiver und noch dazu so prominenter Spieler nach Horn kommt, ist das doch ungewöhnlich. Horn hat gerade einmal 6500 Einwohner, der Verein ist regional extrem verwurzelt.

Keisuke Honda hält mit seiner Firma jetzt 49 Prozent des SV Horn, im Vorstand sitzt neben Laudon auch Youji Honda, ein Cousin des berühmten Fußballers. Die Ziele der Familie Honda lauten: Horn soll zurück in die Bundesliga und womöglich bald Champions League spielen.

Um diese Ziele zu verwirklichen, bringt Honda nicht nur Geld mit, sondern eine Vision. "Es kann sein, dass irgendwann 50 Prozent Japaner hier spielen", sagte der 29-Jährige bei seiner Vorstellung.

20 000 Japaner schauen um 2:30 Uhr via Livestream zu

Von der Homepage des SV Horn, die inzwischen auch in der Landessprache der Hondas verfügbar ist, grüßt der erste Zugang: Shota Sakaki, der aus Japans zweiter Liga gekommen ist. Die Verpflichtung sei eine Entscheidung für den Spieler, kein Gefallen an den Investor gewesen, sagt Laudon. "Den hätten wir schon auch so verpflichten wollen. Der hat Qualität."

Hondas Firma betreibt in Japan 50 Fußballschulen, in denen 1500 Jugendliche ausgebildet werden. Die Rechte an ihnen könnten teuer werden, wenn sie einmal in Europa Fuß gefasst haben. Horn soll der Marktwertbeschleuniger werden.

Doch wie kam Honda ausgerechnet auf den kleinen Klub im Waldviertel? Honda entschied sich für einen österreichischen Verein, weil das Land eine flexible Ausländerregelung hat; es gibt keine Obergrenze für Ausländer im Kader. In Deutschland müssen mindestens zwölf einheimische Spieler in der Mannschaft stehen. Horns Co-Trainer Masaki Morass stellte den Kontakt zu Honda her. Laudon, der Banker ist, handelte den Deal aus.

Ein positiver Nebeneffekt für den SV Horn: Der Klub erreicht nun neue Fans. Jedes Kind in Japan kennt Keisuke Honda. Der quirlige Dribbler mit den blondierten Haaren ist ein Nationalheld. Das erste Heimspiel vor einer Woche, das die Niederösterreicher 2:1 gewannen, wurde nach Japan übertragen. "Dabei haben wir gemessen, dass 20 000 Menschen zugeschaut haben", sagt Laudon. "Und das ist ja um 2:30 Uhr in der Früh gar nicht so schlecht." Zum Vergleich: Das Stadion in Horn bietet 4000 Zuschauern Platz, der Verein hat 500 Mitglieder.

Erst zweite Liga, dann Champions League

Vor Beginn der Saison wechselte der SV Horn zudem seinen Trikothersteller: Statt in Puma-Leibchen kicken die Spieler jetzt in Mizuno-Trikots. "Das war ein großer Wunsch unserer Kollegen", sagt Laudon. Mizuno richtete dann auch die Saisonstart-Party beim ersten Heimspiel aus.

Obwohl Horn abgestiegen ist und die Einnahmen geringer sind, konnte der Verein sein Budget des Vorjahres halten. Das liegt neben der Unterstützung der Hondas auch an neuen Geldquellen. "Für den Trikotärmel haben wir jetzt einen Sponsor aus Japan, einen Matratzenerzeuger", sagt Laudon und fügt schmunzelnd an: "Für die dritte Liga zahlt er gut. Ich darf leider nicht mehr dazu sagen."

Das Investment von Honda wird jedoch nicht nur den Fußballverein verändern, sondern den ganzen Ort. Der japanische Nationalspieler plant, für die Nachwuchsspieler, die nach Horn kommen sollen, eine internationale Schule aufzubauen. Die Gespräche mit dem Bürgermeister laufen. Schon bald werden womöglich die ersten Urlauber aus Fernost mit ihren Kameras durch die Innenstadt spazieren. "Ein Ziel ist es, dass wir den japanischen Touristen Horn schmackhaft machen", sagt Honda.

Lässt Honda seine Karriere in Horn ausklingen?

Für Obmann Laudon war schon zu Beginn der Verhandlungen klar: "Drei Dinge bleiben: unser Standort, das Waldviertel in Niederösterreich, die Vereinsfarben Blau-Weiß und der Vereinsname SV Horn." Er hat sich durchgesetzt. Hondas Einstieg wurde im Anschluss einstimmig beschlossen. Auch weil Laudon und seine Kollegen der Meinung waren: "Wenn wir Profifußball spielen wollen, dann müssen wir professioneller werden."

Was besonders der japanische Investor beherzigt, der bei seiner Präsentation schon von Bundesliga und Champions League sprach. Laudon musste da schmunzeln. Der Verein spielte noch nie in der höchsten Liga, geschweige denn in Europas Königsklasse: "Aber über solche Aussagen freuen sich natürlich die Österreicher, wenn man sieht, wie Salzburg Jahr für Jahr an der Qualifikation zur Champions League scheitert."

In dieser Saison peilt er aber erst einmal den Aufstieg in die zweite Liga an. Horn gilt als Favorit, der ärgste Konkurrent dürfte der First Vienna FC sein, der älteste Fußballklub Österreichs. Wenn das Team bis in fünf Jahren tatsächlich zweimal aufgestiegen ist, könnte sich auch ein ganz persönlicher Traum von Rudi Laudon erfüllen. Er fände es schön, wenn Keisuke Honda beim SV Horn seine Karriere ausklingen lassen würde.

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