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Golf: Martin Kaymer:Karriere im Schnelldurchgang

Platz 13 in Dubai genügt Martin Kaymer, um sich den Titel als bester europäischer Golfprofi 2010 zu sichern. Der Gewinn der Geldrangliste dokumentiert die enorme Dominanz eines noch jungen Ausnahmegolfers.

Petra Himmel

Das Lächeln zum Ende der Runde fiel erleichtert aus. Martin Kaymer hat die Dubai World Championship hinter sich gebracht - und das Race to Dubai gewonnen. Damit gilt der Deutsche offiziell als bester Golfer Europas 2010. "Ich bin sehr glücklich. Ich habe heute noch mal alles gegeben. Das war das Maximum, was ich herausholen konnte", bilanzierte er am Ende einer 72er Runde, die Rang 13 bei dem Turnier bedeutete.

Das mit Spannung erwartete Duell zwischen ihm und seinem Verfolger im Race to Dubai, Graeme Mc Dowell, hatte am Sonntag keine Rolle mehr gespielt. Dem Nordiren fehlte nach vier Turnierwochen in Serie die Energie, um noch einmal einen Angriff zu starten. Nach der dritten Runde lag er zehn Schläge hinter Ian Poulter zurück, der das Turnier nach Stechen gegen den Schweden Robert Karlsson am zweiten Loch doch noch verlor (beide 274 Schläge). "Dieser Platz liegt mir einfach nicht", resümierte McDowell. "Er hat mich schon letztes Jahr frustriert, und unglücklicherweise hätte ich genau hier gut spielen müssen."

Ohne McDowells Gegenwehr konnte Martin Kaymer, der mit einer vorzüglichen 65er Runde begann und dann Ergebnisse von 70, 73 und 72 Schlägen nachlegte, das Turnier in Ruhe zu Ende bringen, um sich seinen ersten Sieg in der europäischen Geldrangliste zu sichern. 1,5 Millionen Dollar aus dem Bonuspool ist der Erfolg wert. Über den Wert seines Sieges will der 25-Jährige in den nächsten Wochen nachdenken: "Ich werde mit meinem Bruder Urlaub machen und alles sinken lassen."

Beträchtliche Dominanz

Aus dem deutschen Blickwinkel betrachtet, ist der Erfolg eine Sensation, weil derartige Siege von Deutschen extrem rar sind; Bernhard Langer entschied 1981 und 1984 die Wertung für sich. Der Sieg dokumentiert zudem die Dominanz eines Spielers, der sich im Verlauf einer Saison gegen die komplette europäische Konkurrenz behaupten musste. Und die war im Falle von Kaymer in diesem Jahr beträchtlich: Er hat Kollegen wie Lee Westwood, Ian Poulter, Paul Casey oder die Molinari-Brüder auf die Plätze verwiesen, sich gegen seine Teammitglieder des Ryder Cups durchgesetzt und obendrein ein Major-Turnier gewonnen, die US PGA Championship von Whistling Straits.

"Man darf nicht vergessen, ich bin erst 25 Jahre alt", versuchte Kaymer auch in Dubai darauf hinzuweisen, wie schnell diese Erfolge auch für ihn kommen. Ende 2005 erst wechselte er mit einem Handicap von +4,8 ins Profilager, spielte im Juni 2006 die 59er Runde bei der Habsberg Classic auf der EPD-Tour, die ihn zum ersten Mal ins Licht der Öffentlichkeit rückte. 2007 war er auf der European Tour angekommen, wurde Ende der Saison als bester Neuling ausgezeichnet. Und jetzt die Saison 2010: Drei Siege in Abu Dhabi, Schottland und den Niederlanden, dazu der Major-Erfolg. Er hat mit Europas Team den Ryder Cup gewonnen und nun das Race to Dubai für sich entschieden. "Das ist ein Märchen, ich habe alle meine Ziele in einem Jahr erreicht", resümierte er.

Es ist eine Karriere im Schnelldurchgang, die Martin Kaymer kaum Zeit zum Durchatmen lässt. Auch deshalb wird er, anders als erwartet, nächste Woche nicht die World Challenge zu Gunsten der Tiger Woods Foundation in Kalifornien bestreiten. Er sei zu müde, die Saison sei zu lang gewesen, ließ er wissen. Seine Ziele für das nächste Jahr hat er bereits gesteckt: "Ich will versuchen, mich als Europas Bester zu beweisen. Dann würde ich gerne wieder ein Major gewinnen, am liebsten die British Open. Und ich habe noch nie ein Hole-in-One geschossen. Wäre schön, wenn das 2011 passiert."

Den Trainingsplan dafür hat er fertig. "Beim kurzen Spiel kann man immer besser werden. Das ist meine Aufgabe für die nächsten sechs, sieben Wochen in Arizona." Ob es dann klappt mit Position 1 in der Weltrangliste? "Das ist nicht wirklich eines meiner Ziele. Das ist einfach noch zu weit weg für mich. Ich glaube noch nicht daran, dass ich das erreichen kann", sagte Kaymer: "Aber wenn es passiert, nehme ich es natürlich mit."

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Quelle:
SZ vom 29.11.2010/jbe
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