Süddeutsche Zeitung

Fußball-Bundesliga:Ancelottis Systemwechsel erfreut die Bayern

  • Der FC Bayern besiegt den VfL Wolfsburg locker mit 5:0 und erobert die Tabellenführung zurück.
  • Das Spiel zeigt: Trainer Carlo Ancelotti ist inzwischen von seinem zunächst bevorzugten taktischen System abgewichen.
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Vergnügt zogen die Spieler und ihre Vorgesetzten später aus der Arena, weiter zum zweiten Programmpunkt des Samstags. Die Weihnachtsfeier des FC Bayern stand am Abend an, und dass dieser Zusammenkunft der Mannschaft ein lockeres 5:0 (2:0) gegen den VfL Wolfsburg samt Rückkehr an die Tabellenspitze vorausgegangen war, sorgte für die nötige Partylaune bei den Münchnern.

"Es ist schön, so auf die Weihnachtsfeier gehen zu können", sagte Torwart Manuel Neuer. "Das ist ein schöner Tag für den ganzen FC Bayern", befand Franck Ribéry. Und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach wegen Leipzigs 0:1-Niederlage 70 Kilometer nördlich in Ingolstadt und wegen Dortmunds 1:1 in Köln von einem "wunderbaren Spieltag", ehe er dem oberbayerischen Nachbarn FCI gar "eine Wagenladung Weißwürste und Weißbiere" in Aussicht stellte.

Eine viel bessere Einstimmung auf den eigenen geselligen Abend hätten die Münchner wohl kaum hinbekommen können. Früh hatten Arjen Robben (18.) und Robert Lewandowski (21.) mit ihren Toren ja nebenbei auch den Rekord von 15 Heimsiegen gegen Wolfsburg hintereinander auf den Weg gebracht. Später erhöhten erneut Lewandowski (58.), Thomas Müller mit seinem ersten Ligator der Saison (76.) und Douglas Costa (86.) zum Endstand.

"Die Spieler fühlen sich mit dem 4-2-3-1 am wohlsten"

Danach stand nicht nur der zweithöchste Saisonsieg in der Bilanz, sondern auch das erste Ligaspiel ohne Gegentor seit dem 2:0 gegen Mönchengladbach vor immerhin sieben Wochen. "Unsere Performance war gut", lobte Trainer Carlo Ancelotti und gab zugleich zu erkennen, am modifizierten System in der Offensive festhalten zu wollen. "Wir können beide Systeme spielen, aber die Spieler fühlen sich mit dem 4-2-3-1 am wohlsten", sagte der Italiener.

Das ganz große Spektakel war das Spiel zwar nicht geworden wie vor gut einem Jahr, als Lewandowski in neun Minuten fünf Tore erzielt hatte. Dafür darf ebenjenes 4-2-3-1-System der Bayern mittlerweile als etabliert angesehen werden. Wie erstmals beim 3:1-Sieg in Mainz vor gut einer Woche und danach zumindest teilweise beim 1:0 gegen Atlético Madrid agierten die Münchner in dieser Anordnung. Vollzogen ist damit zumindest für die aktuelle Phase eine Abkehr von Ancelottis zunächst bevorzugtem 4-3-3, das sich nach einem guten Saisonbeginn als zunehmend schwerfällig erwiesen hatte.

Endlich wieder Spielfreude

Endlich wieder Spielfreude

Dass sich die Mannschaft mit einem klar offensiv agierenden Spieler wohler fühlt, war gegen die kriselnden Wolfsburger rasch zu erkennen. Wesentlich variabler und weniger leicht ausrechenbar wirkten die Münchner auch diesmal im Vergleich zu ihrer zwischenzeitlichen Formdelle. Die Kombinationen gerieten flüssiger, die Aktionen für die Offensivkräfte weniger aufreibend, und insgesamt war eine große Spielfreude zu beobachten.

Viele Chancen sprangen dabei heraus, was weniger mit den grundsätzlichen Wolfsburger Problemen zu tun gehabt haben dürfte als vielmehr mit den zusätzlichen Optionen der Münchner Offensivabteilung durch Müller als Zehner hinter Lewandowski. "Wir sind die letzten Male gut gefahren mit einer hängenden Spitze", erinnerte sich Kapitän Philipp Lahm besonders an Mainz. "Wir tun uns damit in der Offensive etwas leichter", ergänzte er, und auch wenn man beide Systeme spielen könne - "aktuell passt es so vielleicht etwas besser."

Auch bei Lahms Kollegen war viel Lob für die neue Formation zu vernehmen. Besonders Robben sprach sich klar für eine Fortsetzung aus, zumal die Mannschaft in den Vorjahren ähnlich gespielt habe. Die jüngsten drei Spiele in dieser Anordnung seien "sehr gut" gewesen, Müller habe "heute und gegen Mainz auf seiner besten Position gespielt". Der Niederländer findet, "die kleine taktische Umstellung" habe zu den jüngsten Erfolgen beigetragen, und übergeordnet könne er sagen: "Dieses System ist besser, aber der Trainer muss entscheiden."

Eine Wahl bleibt Ancelotti bei dieser klaren Empfehlung und den weiteren positiven Stimmen aus der Mannschaft allerdings vorerst kaum. Zumal auch Rummenigge feststellte: "Wir haben jetzt wieder die Stabilität, die wir brauchen."

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