Süddeutsche Zeitung

Football:Das Wunder von Minnesota

  • Im American Football könnte es in diesem Jahr erstmals ein Finale daheim geben: Die Profiliga NFL hat den 52. Super Bowl nach Minneapolis vergeben, wo die Minnesota Vikings zu Hause sind.
  • Die Vikings haben am Sonntag die New Orleans Saints aus dem Rennen geworfen, in einem spektakulären Spiel.

Von Joachim Mölter

Ein Wort, ein Begriff, das reicht oft, um im Sport ein Drama zusammenzufassen. Fans des FC Bayern München muss man nur "Finale dahoam" entgegenhalten, um sie an das 2012 im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea verlorene Champions-League-Endspiel in ihrer heimischen Arena zu erinnern. Es war damals das erste Mal, dass ein Fußball-Klub im eigenen Stadion um Europas wertvollste Trophäe kämpfte; der Finalort wird ja lange vorher bestimmt.

Im American Football könnte es in diesem Jahr erstmals ein Finale daheim geben: Die Profiliga NFL hat den 52. Super Bowl nach Minneapolis vergeben, wo die Minnesota Vikings zu Hause sind. Und die nähern sich dem Endspiel am 4. Februar. Im Viertelfinale warfen sie am Sonntag die New Orleans Saints aus dem Rennen, in einem Drama, das unter dem Begriff "Minnesota Miracle" in die Historie dieses Sports eingehen wird: das Wunder von Minnesota. Selbst Menschen, die nicht wundergläubig sind, werden zugeben, dass es zumindest spektakulär war: In den letzten drei Minuten wechselte die Führung viermal.

Die Abwehr weiß, was kommt - und kann es nicht verhindern

Die gastgebenden Vikings waren zur Pause 17:0 vorn, danach holten die favorisierten Saints auf - und übernahmen drei Minuten vor Schluss die Führung, 21:20. Minnesota konterte mit einem Field Goal, 1:29 Minuten vor dem Ende, 23:21. New Orleans schlug zurück, ebenfalls mit einem Feldtor, nun zeigte die Anzeigetafel 23:24 und nur noch 25 Sekunden auf der Uhr. Ein paar Aktionen später war die verbliebene Spielzeit auf zehn Sekunden geschrumpft und die Siegchance der Vikings auf fast null: Sie hatten keine Auszeit mehr, um die Uhr anzuhalten, und noch einen weiten Weg vor sich, um ihrem Kicker wenigstens eine winzige Chance für ein letztes, siegbringendes Field Goal zu verschaffen. In so einer Situation folgt für gewöhnlich ein Pass in Richtung Außenlinie, damit dort einer den Ball fängt und mit ihm ins Aus geht - die letzte Gelegenheit, die Uhr zu stoppen und den Kicker einzuwechseln. Weil das aber auch die Abwehr weiß, ist so ein Spielzug in der Regel leicht zu verteidigen.

Vikings-Quarterback Case Keenum warf den Ball zu Stefon Diggs an die Außenlinie, wo freilich schon Saints-Verteidiger Marcus Williams wartete. Doch der tauchte unter Diggs durch und brachte stattdessen einen Mitspieler zu Fall, der Minnesotas Passempfänger ebenfalls noch hätte aufhalten können. Diggs schaffte es, auf den Beinen und zudem innerhalb des Spielfeldes zu bleiben- und wundersame Weise war der Weg in die Endzone und somit ins Halbfinale frei geworden; dazu müssen die Vikings am nächsten Sonntag bei den Philadelphia Eagles antreten. Diggs ließ sich ausgiebig für seinen Touchdown zum 29:24 feiern, der Wundermann fühlte sich mit Recht im siebten Himmel. Denn unter genau diesem Namen firmiert die letzte Aktion in Minnesotas Buch der Spielsysteme: seven heaven.

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Quelle:
SZ vom 16.01.2018/ska
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