Süddeutsche Zeitung

Fifa:Infantino hat vorerst ausgeträumt

  • Der Fifa-Boss sucht verzweifelt neue Geldquellen - doch Gianni Infantino findet kaum jemanden, der seine Pläne mitträgt.
  • Eine Klub-WM mit 24 Teams und eine Weltliga - wie von Infantino geplant - werden erstmal nicht kommen.
  • Der Widerstand in der Szene war zu groß. Nur drei Klubs hatten sich für Infantinos Ideen begeistert.

Von Thomas Kistner

Gianni Infantinos Milliarden-Traum ist vorerst ausgeträumt. Seit März war der Fifa-Präsident auf Achse, um die Fußballwelt für ein Projekt zu gewinnen, das wie ein Fantasiegespinst anmutet: Eine bis heute unbekannte Investorengruppe wolle 25 Milliarden Dollar bezahlen, über zwölf Jahre für neue Turnierformate, die diese Summe wohl niemals refinanzieren könnten: eine Klub-WM mit 24 Teams, eine Weltliga der Nationalteams.

Bis zuletzt kämpfte Infantino mit allen Tricks für den Milliarden-Coup, am Ende ging er Europas Spitzenklubs gar direkt an. Seinen Vertrauten Zvonimir Boban schickte er auf Klingeltour durch Italien und England. Am Freitag musste der Vize-Generalsekretär nun das vorläufige Ende der Aktivitäten mitteilen. In der Europa-Union Uefa herrschte Verwunderung, dass Infantino Boban vorschickte und die Absage nicht selbst Präsident Aleksandar Ceferin überbrachte.

Infantino sucht verzweifelt neue Geldquellen

Auch bei anderen Beteiligten wie dem FC Bayern trug der Kroate die Nachricht vor. Boban habe mitgeteilt, dass der Druck aus der Sache erst einmal raus sei, bestätigte ein Bayern-Vertreter der SZ am Freitag.

Während die Münchner Infantinos Geschacher mit gemischten Gefühlen verfolgt hatten - auch in Bezug auf die Eilbedürftigkeit, die geltend gemacht wurde für ein Projekt, dessen Geldgeber niemand kennt -, hatten sich insgesamt nur drei Klubs für die Pläne begeistert: Real Madrid, Barcelona und Manchester City. Letzterer Klub gehört der Herrscherfamilie der Vereinigten Arabischen Emirate. Diese sollen wiederum dem mysteriösen Investorenkreis angehören, zu dem nach bisherigen Erkenntnissen auch Geldgeber aus Saudi-Arabien, China, den Vereinigten Staaten und Japan zählen.

Auf der Gegenseite stand fast die ganze Fußballwelt: Die Dachverbände der Ligen und Klubs sowie die Spielergewerkschaft Fifpro. Überdies hatte es sich Infantino, der die Fifa im autokratischen Stil des Vorgängers Sepp Blatter führt, mit seinem Vorstand verscherzt, dem Council. Dieser Fifa-Rat hatte schon bei einer Sitzung im März in Bogota dem Vorstoß eine Abfuhr erteilt - weil der Chef nichts zu Investoren und Motiven sagte, dafür aber auf ein Ultimatum (30. Mai) verwies.

Seither verfestigte sich der Eindruck, dass Infantino verzweifelt neue Geldquellen sucht. Die Fifa-Reserven schmelzen ab, für die WM im rauen Russland ist das Sponsoren-Tableau nur gut zur Hälfte gefüllt; die Imagewerte der Fifa signalisieren keinen Aufschwung. So hat sich bei den Kontinentalpräsidenten der Konsens herausgebildet, dass man ein angedachtes Votum über den Milliarden-Deal per Sondersitzung gleich zu einer Vertrauensabstimmung über Infantino machen werde: Eine klares Nein hätte die Forderung nach seinem Abgang nach sich gezogen. Dies habe, sagte ein hoher Uefa-Vertreter am Freitag der SZ, Infantino wohl erfahren und als zu riskant eingeschätzt. Im Fifa-Rat hätten den Boss nur die Vertreter Südamerikas sowie eventuell Ozeaniens unterstützt.

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SZ vom 19.05.2018/ebc
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