Süddeutsche Zeitung

Barcelona gegen Bayern:Barças Leiden wirken nach

Vor dem Champions-League-Auftakt kreisen die Debatten um das Verhältnis zwischen Trainer Koeman und Präsident Laporta - und um die Revanche für das schauderhafte 2:8. Die Bayern könnten nahezu in Bestbesetzung auflaufen.

Von Javier Cáceres, Barcelona

Wenn der Trainer des FC Barcelona spricht, steigt in der katalanischen Hauptstadt der Brotpreis; das ist immer so gewesen und wird wohl immer so sein. Ronald Koeman, 58, weiß das, weil er den Klub bestens kennt; der Niederländer war in den 90er Jahren Spieler in Barcelona und avancierte wegen seines Tores aus dem Landesmeister-Finale von 1992 zur Klub-Legende.

Am Sonntag wurden ein paar Äußerungen Koemans beim niederländischen TV-Sender NOS publik, die es für Barça-Verhältnisse in sich hatten. "Ich finde, man sollte immer Klarheit schaffen", sagte also Koeman, denn wenn man als Klub die Dinge treiben lasse und sich über die Zukunft des Trainers eben nicht im Klaren sei, kämen Spekulationen auf. Und das sei für den Betroffenen "nicht schön".

Koeman und Laporta sprechen öffentlich übereinander

Das bot keine schlechte Grundlage für die Pressekonferenz, die Koeman am Montagmittag gab, sie kreiste natürlich um sein Verhältnis zu Präsident Joan Laporta, der ihn im Sommer lange hinhielt und später eine an Bedingungen geknüpfte Verlängerung der Zusammenarbeit in Aussicht stellte. Wenn Koeman das richtige System spielen lasse und die Spielphilosophie des Klubs respektiere, dürfe er bleiben.

Bei NOS klang Koeman so, als würde ihn das ärgern. "Er hat zu viel geredet, er hat suggeriert, dass der Trainer keine Macht hat", klagte Koeman. Am Montag klang er freilich schon wieder milder: "Die Beziehung (zum Präsidenten Laporta; d. Red.) ist gut, in meinen Augen perfekt. Wir haben ein paar kleine Dinge miteinander gehabt", sagte er und meinte offenkundig: Problemchen. "Aber dann reden wir, er ist oft hier", sagte Koeman. Der Niederländer verwahrte sich vor allem gegen den Eindruck, er habe sich in der Heimat auch anmaßend geäußert: "Wenn der Klub eine Zukunft hat, dann meinetwegen!", war er zitiert worden.

Gemeint habe er lediglich, dass er ein Trainer sei, der Barcelona eine Zukunft geben könne. Weil er eben auf junge Leute setze, auch gegen den FC Bayern. Es sei eine komplizierte Situation im Klub, zum Beispiel durch die Abschiede von Lionel Messi (Paris Saint-Germain) oder Antoine Griezmann (Atlético Madrid). Und was seine persönliche Zukunft als Coach bei Barcelona anbelangt: sie interessiere ihn gerade gar nicht; wenn es an der Zeit sei, werde man darüber reden. Jetzt gelte sein Fokus allein dem FC Bayern, den er mit Lobhudeleien überzog.

Es sei ein "interessantes Spiel" weil man "gute Rückschlüsse ziehen kann, wie wir uns gegen einen mächtigen Gegner schlagen", sagte Koeman. Im Sommer 2020 war der FC Bayern so mächtig, dass er den FC Barcelona schredderte: 8:2 lautete das Endresultat. Ob eine Revanche möglich sei, lautete eine der Fragen an ihn. Und als er eigentlich kundtun wollte, dies sei ein Ergebnis aus dem Pleistozän, fiel Koeman noch ein, dass es doch nicht so lange her ist. Gut ein Jahr erst, tatsächlich ist noch eine Reihe von Spielern dabei, "die damals sehr gelitten haben." Barça könne nun einiges geraderücken.

Bayern-Trainer Nagelsmann betont die Strahlkraft Barcelonas

Dass dies nötig ist, bezweifelte indes Julian Nagelsmann bei seinem abschließenden Auftritt vor der Presse. Barcelona verfüge auch ohne Messi immer noch über eine große "Strahlkraft", befand der Bayern-Trainer. Natürlich werde die Heimelf nun "anders" auftreten, aber nicht zwingend mittelloser. Nagelsmann räumte ein, dass ein Barça ohne den Argentinier immer noch nicht "greifbar" sei. "Eine strahlende Figur ist weg. Messi ist ein Spieler gewesen, der sehr viel Bälle anzieht", so der 34-Jährige.

Aber deshalb dürften nun andere Profis bei Barça bemüht sein, sich zu zeigen. "Der FC Barcelona wird nie schwach sein", bekräftige auch Bayern-Kapitän Manuel Neuer. Für ihn sei die Partie im Nou Camp natürlich "ein Kracher zum Start." Und das 8:2? "So ein Spiel vergisst man nicht", dieses Jahrhundertspiel habe Barcelona "geschmerzt".

Personell sieht es bei den Bayern gut aus. Serge Gnabry wird trotz Rückenproblemen und nur einer Laufeinheit beim Abschlusstraining mit nach Barcelona reisen, noch besser sieht es bei Robert Lewandowski aus: er kann nach seinen Adduktorenproblemen definitiv spielen. Im Gegensatz zu einer Reihe an Spielern beim Gegner. Sergio Agüero, Ousmane Dembélé, Ansu Fati, Sergiño Dest und Martin Braithwaite fallen allesamt aus - Koeman wird also tüfteln müssen.

"Wir haben eine gute Mannschaft, und wenn wir unseren Stil zeigen, können wir dem Gegner Schaden zufügen", hofft er. Es sei wichtig, den Ball zu haben, denn der FC Bayern sei physisch. "Wenn sie den Ball rauben, sind sie sehr schnell vorne." Was ein Hinweis sein könnte, dass er doch wieder mit drei Innenverteidigern spielen lassen möchte, also genau so, wie es dem Präsidenten nicht behagt. Wo Barcelona gerade steht, ist dennoch ein Rätsel. Die Mannschaft hat am Wochenende nicht spielen müssen, die Liga-Partie beim FC Sevilla wurde verlegt. "Wir sind physisch gut drauf", erklärte Koeman.

Auch Kapitän Sergio Busquets stellte sich den Medien, er war einer der Spieler, die in Lissabon das 2:8 auf dem Feld erlebt hatten. "Das sind Dinge, die passieren und schwierig hinzunehmen sind", blickte er zurück. Es sei "Zeit vergangen, die Umstände und auch die Teams haben sich verändert", nun sei das Team "mental darauf eingestellt, dass es diesmal anders sein muss und anders sein wird. Hoffentlich."

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5409023
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/bek
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.