Süddeutsche Zeitung

BVB mit 0:0 in Hannover:Ein kleiner Dämpfer für Dortmunds Euphorie

Für den sonst so besonnenen Lucien Favre war es beinahe ein Wutausbruch. Schimpfend und mit ausgestreckter Hand stapfte der Dortmunder Trainer in Richtung Auswechselbank, weil er sich doch sehr über den Auftritt seines BVB am Freitagabend bei Hannover 96 ärgerte. Zum "Meisterschaftsfavoriten" hatte sein Hannoveraner Kollege André Breitenreiter den BVB schon erkoren - dieser Rolle wurde Dortmund kaum gerecht. Ein paar Chancen konnte sich der BVB erarbeiten, die Partie endete jedoch 0:0. Ein erster kleiner Dämpfer für die Dortmunder Euphorie.

Vielleicht mit der Partie aus der Vorsaison im Hinterkopf, als der BVB - damals noch unter Peter Bosz - in Hannover ein 2:4 kassierte, wählte Dortmund einen arg vorsichtigen Beginn. Favre hatte erneut seinen 20-Millionen-Einkauf Axel Witsel in die Startelf beordert, nicht im Kader dagegen stand Paco Alcácer, der Zugang aus Barcelona, für den die Eingewöhnungszeit zu kurz war. Hannover konnte den BVB, der zum Saisonstart gegen Leipzig viermal getroffen hatte, zunächst erstaunlich effektiv am Stürmen hindern. Bis zur ersten Chance verging fast eine halbe Stunde. Nach einem Flachschuss von Maximilian Philipp lag der Ball zwar im 96-Tor, wegen Abseits wurde der Treffer aber zurecht nicht anerkannt (25.).

Kurz vor der Pause war dann Marco Reus nah am Führungstreffer. Zunächst, als er auf der rechten Seite entwischte, mit seinem Schuss aber an der Fußspitze von 96-Torwart Michael Esser scheiterte (41.). Eine Minute später drosch der Stürmer den Ball dann an die Latte (42.). "Ich hatte die beiden größten Möglichkeiten, eine hätte ich machen müssen. Das tut mir natürlich leid für die Mannschaft. Das war ein komisches Spiel, ein typisches 0:0 - das geht vom Ergebnis her auch so in Ordnung", sagte BVB-Kapitän Marco Reus. Hannovers Waldemar Anton meinte: "Wir sind mit dem 0:0 zufrieden und haben ein gutes Spiel gemacht. Der Punkt ist verdient."

Erst als Wood kommt, wird Hannover gefährlich

Hannover gefiel sich in der Rolle, mit großem Einsatz das Dortmunder Spiel zu verhindern. Der Abend hatte stimmungsvoll begonnen, mit der vom Stadionsprecher verkündeten Vertragsverlängerung von Niclas Füllkrug bis ins Jahr 2022. Ein Wechsel nach Gladbach war Füllkrug im Sommer verwehrt worden, er dürfte nun zum Topverdiener bei 96 aufsteigen. Gefährlicher wurde Hannover erst, als Füllkrug in der Spitze Unterstützung von Bobby Wood bekam. Die HSV-Leihgabe hatte die erste Chance der zweiten Halbzeit, sein Ball landete am Außennetz (50.).

Auf der anderen Seite setzte Philipp den Ball per Kopf an den Pfosten (60.) - der zweite Dortmunder Aluminiumtreffer des Abends. Wenig später rutschte Reus noch an einer Hereingabe von Marius Wolf vorbei (68.). In der abschließenden Vietelstunde wirkte 96 dann sogar lebhafter, Anton vergab nur knapp (78.). Ob das half, die Laune von Lucien Favre zu heben?

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SZ vom 01.09.2018/tbr
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