Süddeutsche Zeitung

Bayern-Trainer Pep Guardiola:"Entweder Thiago oder nichts"

Pep Guardiola macht ernst: Auf der Pressekonferenz im Trentino bestätigt er Gerüchte aus Spanien, wonach er Barcelonas Nachwuchsspieler Thiago Alcántara nach München locken will. Weitere Transfers im Sommer schließt er aus.

Die Pressekonferenz begann vorsichtig, doch schon nach wenigen Minuten folgte der große Knall. "Guten Tag, ich glaube, wir sind ein bisschen besser als vor einer Woche", sagte Pep Guardiola zum Aufwärmen. Nur ein paar Sätze später wurde der neue Bayern-Coach überraschend direkt.

Spanische Medien hatten zuvor berichtet, der FC Bayern habe Interesse an Thiago Alcántara, dem großen Talent des FC Barcelona, der zuletzt bei der U-21-EM für Aufsehen sorgte. Ob das stimme? Guardiola sagte klipp und klar: "Ja." Gefolgt von: "Ich will diesen Spieler." Dies habe er Sportvorstand Matthias Sammer und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge mitgeteilt.

Nun müsse man abwarten, was passiert. Das sind deutliche Worte, ungewohnt deutlich für einen Trainer des FC Bayern. Guardiola versucht gar nicht erst, aus seinen Plänen ein Geheimnis zu machen - ein neuer Ton im sonst so geheimnisumwobenen München.

Thiago, 22, spielt seit 2005 für den FC Barcelona. Er stammt aus einer Fußballerfamilie, sein Vater Iomar do Nascimento, genannt Mazinho, wurde 1994 mit der brasilianischen Nationalelf Weltmeister. Als Guardiola in Barcelona die zweite Mannschaft trainierte, lernte er auch Thiago schätzen. "Ich kenne ihn sehr, sehr gut", sagte Guardiola am Donnerstag. Dann pries der Coach Thiago mit den gleichen Worten, mit denen er schon Arjen Robben lobte: "Er ist ein super, super Spieler."

Bei der U-21-EM in Israel vor ein paar Wochen zeigte Thiago beeindruckende Auftritte, wurde zum besten Spieler des Turniers gekürt. Auch Manchester United hat offenbar Interesse an Thiago, es kursierte bereits eine Ablösesumme von 20 Millionen Euro. Bislang gingen Branchenbeobachter davon aus, dass Thiago Barcelona nicht verlassen wolle. Sein Vertrag läuft noch bis 2015.

Bereits am Donnerstagmorgen waren Gerüchte aufgekommen, Thiago könnte seinem früheren Lehrer Guardiola nach München folgen. Dem spanischen Radiosender Cope berichtete der Journalist Juanma Castaño, der Mittelfeldspieler habe sich nach einem Gespräch mit Guardiola für einen Wechsel nach München entschieden. Nach der Verpflichtung von Neymar könnte Thiago um seine Einsatzzeiten in Barcelona fürchten. "Und er will spielen", sagte Guardiola.

Die Konkurrenz im Mittelfeld des FC Bayern würde mit der Verpflichtung des Spaniers noch größer. Selbst Bastian Schweinsteiger und Javier Martínez, die bislang als gesetzt galten, müssten sich dem neuen Konkurrenzkampf stellen. Thiago sei vielseitig einsetzbar, sagte Guardiola: "Er kann drei, vier, fünf Positionen spielen." Nicht nur auf der Zehn, auch auf der Sechs, der Acht, der Elf und der Sieben.

Einen zu breiten Kader - vor allem in der Offensive - fürchtet Guardiola trotzdem nicht. "Wir haben sechs Wettbewerbe zu spielen, wir brauchen die ganze Mannschaft", sagte der Trainer und betonte: "Ich brauche die Qualitäten von Thiago im Mittelfeld. Ich glaube, er ist gut für uns und nicht nur für mich."

Weitere Transfers schloss Guardiola im Sommer aus. "Entweder Thiago oder nichts", sagte er. Wieder so ein eindeutiger Satz, an den sich die Münchner erst noch gewöhnen müssen.

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