Süddeutsche Zeitung

FC Bayern in der Bundesliga:Mit Bestimmheit und Ästhetik

  • Der FC Bayern gewinnt in der Bundesliga mit 5:0 gegen Schalke 04 und liegt in der Tabelle nur noch einen Punkt hinter Leipzig.
  • Lewandowski, Müller, Goretzka, Thiago und Gnabry treffen für die Münchner.

Leon Goretzka köpfelte den Ball zunächst, doch weil der Ball von Suat Serdar im hohen Bogen abprallte, versuchte es Goretzka gleich noch einmal. Diesmal allerdings entschied sich der ehemalige Schalker in Diensten des FC Bayern für eine besonders kunstvolle Lösung, die am Samstagabend durchaus stellvertretend stand für den Gesamteindruck in diesem sogenannten Topspiel der Bundesliga. Goretzka sprang ab, er lag schräg in der Luft und beförderte den Ball mit einem Seitfallzieher ins Tor.

Zum zwischenzeitlichen 3:0 hatte Goretzka getroffen, und sowohl der Nachdruck als auch die Ästhetik seines zweiten Versuchs nach dem abgeprallten Kopfball fügten sich ins übergeordnete Bild dieses 5:0 (2:0)-Sieges. Dominant und zuweilen hübsch anzusehen war der Vortrag des FC Bayern mit den Toren von Robert Lewandowski (6.), Thomas Müller (45.+2), Goretzka (50.), Thiago Alcántara (58.) und Serge Gnabry (89.) geraten.

Geprägt gewesen war er zudem von der unverkennbaren Bestimmtheit, die Steilvorlage des Tabellenführers Leipzig zu nutzen, der am Nachmittag 0:2 bei Eintracht Frankfurt verloren hatte. Die Gelegenheit, sich RB bis auf einen Punkt zu nähern, nutzten die Münchner eindrucksvoll gegen eine Schalker Mannschaft, die überfordert wirkte mit der Wucht des Leipzig-Jägers.

Coutinho sitzt zunächst auf der Bank - Odriozola 90 Minuten

Losgegangen war es ohne Philippe Coutinho in der Startelf der Bayern, was erstens daran lag, dass der Brasilianer beim 4:0-Sieg bei Hertha BSC am vergangenen Sonntag keine nachhaltige Eigenwerbung betrieben hatte. Vor allem aber lag es zweitens an der Rückkehr von Joshua Kimmich als Sechser nach seiner Gelbsperre und an Thiagos gutem Vertretungsdienst im defensiven Mittelfeld in Berlin, für den er nun mit der etwas offensiveren Rolle als Achter belohnt wurde.

Coutinho befand sich draußen immerhin in prominenter Gesellschaft und nicht zwischen lauter Nachwuchsspielern, die in der Personalnot vor der Winterpause noch die Münchner Bank bevölkert hatten. Nun saßen dort beispielsweise auch Gnabry, Corentin Tolisso und Real Madrids Rechtsverteidiger Alvaro Odriozola, der sich den Münchnern am Mittwoch auf Leihbasis angeschlossen hatte.

Viel Selbstgewissheit hatte Trainer Hansi Flick vor dem Spiel zum Ausdruck gebracht. Wenn man jedes Mal die eigene Leistung bringe, "dann wird es so wie in den vergangenen Jahren sein, dass die Meisterschaft nur über uns geht", hatte er befunden. Bestärkt fühlen konnten sich die Münchner in dieser Sichtweise durch Leipzigs Niederlage bereits vor dem Anpfiff. Danach allerdings waren es zunächst die Schalker, die mit der Selbstgewissheit von zuletzt vier Spielen ohne Niederlage auftraten und durch Serdars Schlenzer die erste Torannäherung zustande brachten.

Für Bayerns Torwart Manuel Neuer war dieser Versuch insofern angenehm, als dass er sich gleich einmal warmfliegen und nachweisen konnte, durch die andauernde Debatte um seinen künftigen Herausforderer Alexander Nübel nicht an Sicherheit einzubüßen. Von Markus Schubert ließ sich das nicht gänzlich behaupten. Mehrfach wirkte der Vertreter des letztmals rotgesperrten Nübel unsicher und leistete sich Fehler, vor allem zu Beginn und bei hohen Bällen, aber ebenso bei Abschlägen und Abwürfen.

Mit der Selbstgewissheit eines Meisters, der auch den achten Titel will

Auch die frühe Führung der Bayern ging aus solch einem Wackler hervor: Müllers Flanke von rechts unterlief Schubert mehr als sie abzulenken, weshalb Ivan Perisic den vor seine Füße geschubsten Ball zu Lewandowski weiterleiten konnte, der volley zum 1:0 einschoss und mit nun 21. Saisontoren zumindest in dieser Wertung Leipzigs Timo Werner (20 Tore) bereits hinter sich gelassen hat.

Kurz darauf hätte auch Neuer beinahe einen unglücklichen Moment erlebt, doch weil Rabbi Matondos abgefälschter Schuss im hohen Bogen über den Münchner Torwart hinweg an die Latte flog, erübrigten sich Diskussionen darüber, ob Neuer bei allem Pech zu weit vor seinem Tor gestanden habe. Beschäftigt wurde der Kapitän danach nur noch selten. Die Bayern traten klar spielbestimmend auf, zuweilen auch schwungvoll und spielfreudig, woraus ein Schuss von Perisic ans Außennetz sowie die beiden Abseitstore von Müller und Lewandowski hervorgingen.

Korrekt abgebildet hätte eine höhere Führung die Kräfteverhältnisse durchaus. Verhindert hatte das aber auch Schubert, der kurz vor der Halbzeit einen Kopfball von Lewandowski stark parierte, wobei er sich direkt danach einen Abwurf in die Füße von Perisic leistete. Kurz vor der Pause kamen die Münchner noch zum 2:0: Einen gechippten Ball von Perisic brachte Goretzka mit dem Kopf in die Mitte, wo Müller mit der Innenseite volley vollendete.

Vom angekündigten Mut der Schalker, von aggressivem Pressing und Gegenpressing, war auch in der zweiten Halbzeit kaum etwas zu sehen. Zwar bemühte sich die Mannschaft des Trainers David Wagner anfangs um mehr Initiative und Offensivaktionen. Doch die Bayern wirkten mit ihrer Führung ziemlich unerschütterlich und spielten mit der Selbstgewissheit eines Meisters, der auch den achten Ligatitel in Serie ganz unbedingt gewinnen möchte.

Die mögliche Vorentscheidung verpassten die Münchner zu Beginn der zweiten Halbzeit zwar zunächst, als Schubert David Alabas direkten Freistoß ebenso sehenswert von der Flugbahn in den Winkel abbrachte wie Sekunden später Thiagos wuchtigen Versuch. Doch dann kam ja Goretzka mit seiner Flugeinlage samt Seitfallzieher, nach dem der Ball zum 3:0 im Schalker Tor landete. Thiago erhöhte auf 4:0 und kurz vor Schluss gelang Gnabry das 5:0, bei dem der Ball Schubert durch die Beine rutschte.

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SZ vom 26.01.2020/chge
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