Süddeutsche Zeitung

1860 München:Blut und Käse

Die Löwen erwarten im Aufstiegskampf den offensivstarken Aufsteiger SC Verl. Stephan Salger und Daniel Wein stehen wieder zur Verfügung.

Von Christoph Leischwitz

Als er den Blick vom Bildschirm durchs Fenster richtete, wurde Michael Köllner überrascht. "Während der Videositzung hat Frau Holle nochmal die Betten aufgeschüttelt", berichtete der Trainer des TSV 1860 München. So mussten die Spieler unter der Woche eben noch einmal mit Schneeschaufeln auf dem Trainingsplatz anrücken, ehe man sich auf dem grünen Rasen auf den nächsten Gegner vorbereiten konnte. Auch wenn diese Wetterbedingungen nicht so recht zur Situation passen: Nur noch sechs Wochen und acht Partien, dann ist die Drittliga-Saison bereits zu Ende und die Frage geklärt, ob die Aufholjagd der Löwen gelungen ist.

Kürzlich sind die Chancen darauf wieder gestiegen, weil die Mannschaft nach einer mehrwöchigen Ergebnisdelle aktuell ihren x-ten Frühling erlebt. Allen voran natürlich der 36-jährige Sascha Mölders, der beim 3:1-Sieg über den KFC Uerdingen seinen Vorsprung in der Torjägertabelle mit zwei Treffern ausbauen konnte. Aktuell steht er bei 18 Treffern; Mölders ist drauf und dran, der älteste Torschützenkönig im deutschen Profifußball zu werden. Und das, obwohl er sich nach einem Spiel schon auch gerne mal eine Pizza reinstellt, wie er kürzlich dem Bayerischen Rundfunk verriet.

Verl hat als Aufsteiger die meisten Tore der Liga geschossen

So hätte der Trainer bestimmt auch nichts dagegen, wenn der Kapitän sich am Samstagabend nach der Partie gegen den SC Verl (14 Uhr, Grünwalder Stadion) wieder eine Belohnungspizza genehmigen kann. Köllner hat viel Respekt vor dem nächsten Gegner, der sich in einer Art Dauerfrühling befindet: Die Mannschaft von Guerino Capretti ziehe ihr offensives 4-3-3-System konsequent durch. Verl hat als Aufsteiger ligaweit die meisten Tore geschossen (55), eines mehr als die Löwen; so stehen Zlatko Janjic (14 Tore) und Aygün Yildirim (13) auf Rang drei und vier der Torjägerliste. Das hat zur Folge, dass Begegnungen mit Verler Beteiligung oft sehr mitreißend daherkommen. Die Ostwestfalen fangen sich zwar auch viele Gegentore, drehen aber gerne auch in der Schlussphase das Spiel nochmal.

Köllner meint, dass es deshalb umso wichtiger sein wird, seinen eigenen Stil durchzuziehen und zweikampfstark zu agieren: "Eins-gegen-eins-Situationen gewinnst du, wenn du stark in der Birne bist", sagt der 51-Jährige. Dabei fehlen wird sehr wahrscheinlich Keanu Staude, der sich im Training "mit Semi angelegt hat" (Köllner), der Verteidiger Belkahia blieb Sieger, der Flügelspieler zog sich eine Prellung zu. Dafür steht Innenverteidiger Stephan Salger nach Gelbsperre wieder zur Verfügung. Und wohl auch Daniel Wein, der seit seiner Muskelverletzung von Anfang März nur Kurzeinsätze hatte.

Ob die Spieler denn Blut geleckt hätten, wurde Köllner noch gefragt, Phillipp Steinhart habe sich zuletzt so angehört. "Lippenbekenntnisse sind Käse", sagte Köllner, aber seine Fußballer dürften ihm das am Samstag auf dem Platz gerne beweisen. Die Schneeschippen dürften in der Kammer bleiben, es soll frühlingshaft werden.

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