Süddeutsche Zeitung

Brüssel:Eine Stadt mit zwei Fassaden

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Brüssel ist eine Stadt der Hochhäuser und Bürobauten. Nicht ganz: In einigen Stadtvierteln strahlt die Pracht von hundertjährigen Jugendstilbauten.

Diese Kunst der Architektur prägte zwischen 1893 und 1910 die belgische Metropole wie kaum eine zweite Stadt in Europa. Ein wenig zugig ist es an der Einmündung der Rue Blanche in die prachtvolle Avenue Louise.

"Doch hier ist der beste Treffpunkt für eine Zeitreise zum Jugendstil", begrüßt Annette Krohn die Besucher. Die gebürtige Berlinerin führt Gruppen durch die Welt des Jugendstils in der belgischen Hauptstadt. "In Deutschland spricht man vom Jugendstil, wir in Belgien nennen es Art Nouveau."

Mehr als 1000 Wohnhäuser, Hotels, Kontorbauten und Gaststätten entstehen in der nur 17 Jahre dauernden Periode in Brüssel.

Rund 500 Häuser in der belgischen Metropole haben alle Kriegszeiten und auch den Bauboom der fünfziger und sechziger Jahre überstanden. Nur wenige Schritte abseits der Avenue Louise ist das Wohnhaus des Geometrieprofessors Tassel zu bestaunen.

Im Jahre 1893 wurde es vom Jugendstil-Architekten Victor Horta erbaut und gilt als dessen Erstlingswerk. "Horta plante im Haus Tassel einen Lichthof, um die Sonnenstrahlen in die verschiedenen Etagen zu bringen", erzählt Krohn. Fließende Formen und Linien bestimmen das Bauwerk, riesige Fenster und blumige Verzierungen.

Details zählen

Kunstvolle Details fallen den Besuchern bei einer Stadtwanderung auf den Spuren des Jugendstils sofort ins Auge: Farbige Sgraffitto-Fassadenmalereien zeigen Motive aus der Pflanzenwelt.

Die eisernen Klappen der Briefkästen wurden oft üppig mit steinernen Schnörkeln umgeben. An vielen Häusern gibt es geschwungene Fußabtreter, die in die Hausfassade eingelassen wurden.

Voller Geheimnisse scheinen die Jugendstilbauten auf den allerersten Blick. Wer genauer hinschaut, kann oftmals die Namen der Architekten entdecken, die in die Fassade eingemeißelt wurden. Paul Hankar, Henry van de Velde und Josef Hoffmann sind bekannte Baumeister der Jugendstil-Zeit.

Eine Stadt mit zwei Fassaden

Besonders berühmt ist Victor Horta, der Initiator des Jugendstils. Unermüdlich planten er und später seine Schüler Wohnhäuser, Hotels und Bürobauten. Horta selbst errichtete ab 1898 in der Rue Américaine im Brüsseler Viertel St. Gilles sein Wohnhaus und Atelier, dessen Besuch Höhepunkt eines jeden Brüsseler Stadtspaziergangs auf den Spuren des Jugendstils ist.

Architekturhäppchen und Wein

"Victor Horta verwendete in seinem Haus auch Eisen und Gusseisen. Das galt zu der damaligen Zeit geradezu als revolutionär", sagt Annette Krohn bei einem Rundgang durch das elegante Bauwerk, das wie die ebenfalls von Victor Horta geplante "Maison Autrique" in der Chaussée de Haecht im Stadtteil Schaerbeek als Museum Besuchern offen steht.

Im genussfreudigen Brüssel verbinden sich Jugendstilarchitektur sowie gutes Essen und Trinken miteinander. Der Besuch von Restaurants, Cafés und Kneipen, deren Interieur Elemente des Jugendstils aufweist, runden die Tour ab.

Ein Muss für Jugendstilfreunde sind beispielsweise das 1895 erbaute "Hotel Métropole", das Café "Le Falstaff" an der Börse oder "De Ultieme Hallucinatie" in der Rue Royale am Rand von Schaerbeek, wo den Gästen ein spezielles Art-Nouveau-Menü serviert wird.

Informationen: Belgien-Tourismus Wallonie-Brüssel, Cäcilienstraße 46, 50667 Köln (Tel.: 0221/27 75 90, Fax 0221/27 75 91 00)

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