Süddeutsche Zeitung

Hindelanger Klettersteig:Panorama im Breitwandformat

Immer oben entlang statt unten vorbei: Höhenwege bieten ein Maximum an Landschaftseindrücken. Das gilt auch für den Hindelanger Klettersteig.

Stefan Herbke

Rund vier Kilometer liegen zwischen dem Nebelhorn und dem Großen Daumen, vom Oberstdorfer Hausberg aus betrachtet ein Katzensprung. Doch der erste Eindruck täuscht, zumindest wenn man den Hindelanger Klettersteig über den felsigen Grat der Wengenköpfe wählt. Eine Panoramatour ersten Ranges, die immer dem Gratverlauf folgt und durchwegs mit 360-Grad-Rundblicken begeistert. Das kann durchaus ein Problem werden, denn das Gelände ist exponiert und erfordert trotz reichlich Sicherungen vollste Aufmerksamkeit.

Perfekt gesicherter Klettersteig

Der Hindelanger Klettersteig zählt zu den beliebtesten Klettersteigen am Nordrand der Alpen. Seit einer kompletten Sanierung im Jahr 2003 weist er nach der Klettersteignorm den höchstmöglichen Sicherheitsstandard auf. Schwierige Stellen wurden mit insgesamt 800 Meter Stahlseilsicherungen "entschärft", mehrere Steilstufen sind mit Leitern problemlos zu bewältigen, zusätzlich helfen zahlreiche eiserne Stifte, Griffe und Trittklammern über Felsstufen hinweg.

Insgesamt zählt der Hindelanger Klettersteig zu den leichteren Exemplaren seiner Gattung, doch unterschätzt werden darf er nicht. Man bewegt sich durchwegs in exponiertem Gelände und es gibt zahlreiche einfache, jedoch ungesicherte Passagen, die ohne Trittsicherheit und Schwindelfreiheit zur Zitterpartie geraten.

Zum Warmlaufen bleibt kaum Zeit, vom Nebelhorn sind es nur wenige Meter bis zum Einstieg. Wer auf dem kurzen Stück bis zum Westlichen Wegenkopf (2235 m) bereits Probleme hat, der sollte unbedingt den nächsten Notausstieg wählen, der problemlos durch eine Wiesenflanke zum Normalweg führt. Die Fortsetzung des Klettersteigs über den Östlichen Wengenkopf (2206 m) ist ein optischer Augenschmaus. Im ewigen Auf und Ab folgt der Steig den Felszacken des Grates, er sucht geradezu die Grathöhe und bietet an steilen Leitern so manch fotogenes Motiv. Immer neue spektakuläre Abschnitte kommen, bis man schließlich einen Wiesensattel unter dem Großen Daumen erreicht.

Abstieg mit Zeitdruck

Der Rest ist ein Kinderspiel. Ein Steig führt durch die Wiesen hinauf auf den exzellenten Aussichtsgipfel, wo nur der Blick auf die Uhr für Unruhe sorgen kann. Schließlich möchte man keineswegs die letzte Gondel der Nebelhornbahn zurück ins Tal versäumen. Also rechtzeitig an den Abstieg denken, der Steig am Laufbichel- und Koblatsee vorbei zurück zur Seilbahnstation beim Edmund-Probst-Haus zieht sich.

Infos/Wissenswertes

Anfahrt: Mit dem Auto auf der Lindauer Autobahn bis Ausfahrt Jengen/Kaufbeuren, über Kaufbeuren, Kempten und Sonthofen nach Oberstdorf zur Talstation der Nebelhorn-Seilbahn (www.nebelhorn.de). Mit der Bahn nach Oberstdorf, in wenigen Minuten zu Fuß zur Talstation der Nebelhornbahn. Zeit: 6 - 7 Std. Schwierigkeit: Bestens gesicherter, aber langer und durchaus luftiger Klettersteig, der unbedingt Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erfordert. Komplette Klettersteigausrüstung erforderlich. Mehrere Notabstiege zum Hochplateau Koblat und damit zum Normalweg vorhanden. Einkehr: Edmund-Probst-Haus (1932 m) Karte: BLVA UK L 8, Allgäuer Alpen (1:50 000).

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