Privatdarlehen

Ein Handschlag reicht nicht

Sollen Eltern ihrem Kind Geld leihen? Was, wenn die Freundin um eine Finanzspritze bittet? Privatkredite können Beziehungen sprengen. Ein simpler Vertrag hilft, Ärger zu vermeiden – und womöglich Steuern zu sparen.

Von Berrit Gräber
22. August 2022 - 4 Min. Lesezeit

Ist auch der letzte Notgroschen aufgebraucht, hilft manchmal nur noch die Unterstützung aus dem privaten „Bankhaus“ Family & Friends: Wer kennt keine Familie, in der sich erwachsene Kinder nicht schon Geld von Mutter, Vater, Geschwistern, notfalls auch von guten Freunden geliehen haben? Mal, um beruflich auf die Beine zu kommen, mal, um auszuziehen oder das Eigenkapital für den Immobilienkauf zusammenzukriegen. Für Eltern und Freunde ist ein Privatdarlehen meist Ehrensache – selbst wenn es um viele Zehntausend Euro geht. „Alles schriftlich festzuhalten, wird aber oft genug vergessen“, sagt Sascha Straub, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern. „Und dann funkt das Leben dazwischen, und am Ende sind Familien zerstritten, Freunde verfeindet.“ Je höher die Summen, desto unabdingbarer sei ein klarer Vertrag auf Papier, sagt auch der Erlanger Rechtsanwalt Olaf Beismann. Zumal Privatkredite unter Umständen von der Steuer abgesetzt werden können.

Rechtssicherheit schaffen

Grundsätzlich kann ein Darlehen unter Angehörigen oder Freunden mündlich und per Handschlag geschlossen werden. „Das ist aber nicht rechtssicher und birgt hohe Risiken, dass es später zu Missverständnissen und Streit kommt“, warnt Straub. Sein Rat: Wer Beträge verleiht, die nicht locker kurze Zeit später wieder zurückgezahlt werden können, sollte es schwarz auf weiß festhalten – genau so, wie es auch unter Fremden bei Sparkasse und Bank gemacht wird. „Den Vertrag kann man als Privatperson problemlos selbst auf einem Bogen Papier aufsetzen, das ist auch eine Urkunde“, erläutert Rechtsanwalt Beismann. Ein Anwalt oder Notar ist nicht dafür nötig. Wichtig sind die Namen und Adressen der Vertragspartner, die Höhe des Darlehens, das Datum der Auszahlung. Außerdem: Eine Regelung, wie zurückgezahlt werden soll, in Raten oder am Stück – und bis wann die Schuld beglichen sein muss. „Mit dem Privatvertrag muss klar werden, was beide Parteien wollten“, so Beismann. Und dass das geliehene Geld kein Geschenk ist und zurückgezahlt werden muss. Nötig ist die Unterschrift aller Beteiligten. Wer sich die Formulierungen nicht zutraut, kann kostenfrei auf Muster des Ratgeberportals www.finanztip.de zurückgreifen.

Zinsen – ja oder nein?

Ob die Finanzspritze zinsfrei gegeben wird oder nicht, kann der Geldgeber frei entscheiden. Angehörige setzen häufig darauf, dass sie von privat keine oder zumindest deutlich weniger Zinsen als bei einem Kreditinstitut zahlen müssen. Die übliche Bonitätsprüfung fällt ohnehin weg. Doch aufgepasst: Gewähren Eltern, Geschwister oder Freunde einen hohen Privatkredit zinslos, kann das vom Finanzamt als Schenkung gewertet werden und unangenehme Konsequenzen haben, mahnt Christina Georgiadis von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH) zur Vorsicht. Sind die Schenkungsfreibeträge überschritten und der Kredit läuft länger als zwölf Monate, werden Steuern fällig. Deshalb sei es für den Geldgeber ratsam, nicht auf Zinsen zu verzichten und sich etwa am aktuell geringen Tagesgeld-Zinssatz zu orientieren, empfiehlt Max Herbst von der unabhängigen Finanzberatung FMH in Frankfurt. Aber auch volle vier oder fünf Prozent und mehr seien möglich, so Beismann: „Solange sie nicht sittenwidrig hoch sind, kann man so viel Zinsen verlangen, wie man möchte.“ Wer seinem Kind viel Geld für den Kauf einer Immobilie leiht, sollte das Darlehen sicherheitshalber nachrangig ins Grundbuch eintragen lassen, rät Herbst.

Transparenz ist wichtig

Wer Bedenken hat, einer guten, aber permanent abgebrannten Freundin Geld zu leihen, sollte es sich lieber zweimal überlegen, so Straub. Bei Geld hört die Freundschaft schnell auf. In der Familie fällt verzeihen oft leichter, sollte der Schuldenabbau nicht klappen. Aber auch unter Verwandten können Finanzspritzen heikel sein. Entschließen sich Eltern mehrerer Kinder dazu, einem ihrer Sprösslinge eine höhere Summe zu leihen, sollte das auf keinen Fall geheim abgewickelt werden. „Alle aus der Familie sollten erfahren, dass es nicht um ein Geldgeschenk geht, sondern um einen Kredit, der zurückgezahlt werden muss“, rät Beismann. Nur durch Transparenz sei vermeidbar, dass es später unter den Erbberechtigten zu Streit um den Nachlass kommt. „Geschwister sollten wissen, dass ein Privatkredit kein vorweggenommenes Erbe ist“, betont auch Straub. Wird nicht kommuniziert, entsteht Misstrauen.

An die Steuer denken

Kreditnehmer können Steuern sparen, und zwar immer dann, wenn sie sich Geld geliehen haben, um damit Geld zu verdienen. Die gezahlten Zinsen lassen sich zum Beispiel absetzen, wenn jemand etwa mit dem schriftlich fixierten Privatdarlehen seiner Mutter eine Wohnung zur Kapitalanlage kauft. Oder mit dem Geld seiner Ehefrau ein Mietshaus saniert. Oder aus beruflichen Gründen ein Auto respektive eine Zweitwohnung finanziert. Zugleich gilt: Wer viele Tausend Euro an Sohn, Tochter oder Freundin verleiht und ordentlich Zinsen verlangt, verdient damit. Das Geld muss als Einkünfte aus Kapitalvermögen in die Steuererklärung hinein (Anlage KAP) und mit der Abgeltungsteuer von über 25 Prozent versteuert werden, wie Georgiadis erläutert. Hat der Kreditgeber seinen Sparerpauschbetrag von 801 Euro nicht ausgeschöpft, dürfen die Zinsen steuerfrei eingestrichen werden.

Wenn die Rückzahlung platzt

Wer privat Geld verleiht, sollte es entbehren können, sagt Herbst. Das Risiko, die Summe nicht mehr voll zurückzubekommen, sei nicht gerade gering. Wird die Kreditnehmerin krank, verliert sie ihren Job und hat letztendlich nicht genug Mittel, die Schulden wie vereinbart abzustottern, sitzt der Verleiher auf Verlusten. Vor allem, wenn keine Sicherheiten vereinbart waren. Das Minus lässt sich jedoch unter Umständen steuerlich geltend machen, sollte der Kreditnehmer das Geliehene definitiv nicht zurück­zahlen können, wie der Bundesfinanzhof entschied (Az. IX R 5/20). Es darf dann womöglich mit anderen Kapital­einkünften wie Zins­einnahmen, Dividenden und Aktiengewinnen verrechnet werden. Steuerberater können darüber informieren. Ein Verrechnen mit anderen steuerpflichtigen Einkünften wie etwa aus Vermietung ist nicht möglich. Der Gang zu Anwalt und Gericht bringt nichts, wenn kein pfändbares Vermögen da ist.

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